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Vera Hewener
Die Website für Literatur, Kultur und Gesellschaft

Zeit

Im Haus der Zeit

Im Haus der Zeit wohnt eine Seele fein
in vielen unbekannten Zimmern
sie lädt mich ein zum Hoffnungsträumen
Salons in Samt und Seide flimmern
es zärtelt Schonzeit mit ihren Kinderfläumen
und zaubert mich ins Märchenschloss hinein

Die Feenwelt erwacht sie singen
mit glockenklaren Stimmen Psalmen
in durchsichtige Tücher eingewandet
die Kränze geflochten aus Rosen Gräserhalmen
ein Sturm aus wundersamen Wünschen brandet
und trägt mich fort auf weit entrückten Schwingen

Das Sehnen perlt auf meiner Haut in Bildern
mit tausend Wünschen überzogen
ein Herz im Glanz in güldenen Palästen
der Hofstaat schart sich um den Dogen
und lockt mit ausgemachten Festen
der Weg ein Labyrinth aus Schildern

Die vielen Türen die sich mir empfehlen
verwirren mich sie schreien nach Entscheidung
die Zeit pocht hörbar in den Wänden
erhofft das Zeithaus die Bekleidung
seiner Tage mit Lebensbänden
wes‘ Tür ich nehm’ des‘ Zeit ich stehle

Im Haus der Zeit wohnt eine Seele fein
in Räumen die mich jäh erwarten:
ein Scheideweg ein Bitterfeld
ein Maar ein Sommerblumengarten
durch welche Zeit ich geh’ ich bin der Held
ein jede Zeit sie wächst im Widerschein

Vera Hewener

aus: Verwirbelungen der Zeit. WiKu Verlag 2005.

Gravuren der Zeit

Sonne wirbelt ihr rotes Haar
wirft Strähnen voller Glut
ins ausblutende Grau
der Morgen bürstet die Farben aus

wenn sie auf Fenster treffen
strahlen sie zurück in den Himmel
in den Tag der seine Zeit
an den Gravuren der Spiegelungen misst

glauben muss ich was die Zeit sagt
denn die Weite ist des Ewigen Aufgang

Vera Hewener

aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.

Kusszone der Zeit

Im Sonnenmeer verfängt sich der Wind
behaucht von dionysischen Aromen
atmen wir balsamische Herznoten

in der Kusszone der Zeit
Sonnenblütenstaub
Sinnesschaukel
Glücksseide


Vera Hewener

aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.
 

Chronometer

Gehäuse aus
Ziffern
Zeigern
Zahnrad

Motor der Ewigkeit
Stundenbehausung

spannt die Feder
über der inneren Landschaft
entnimmt der Zeit
Licht und Schatten
Rhythmus und Takt

unentrinnbar
das Verblassen des Sichtbaren
das Verstummen des Hörbaren

unaufhörlich die Ausdehnung
unzeitlicher Zeit

Vera Hewener

aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.

In den Gärten der Zeit

In den Gärten der Zeit
ernten wir, was wir nicht säen können

Sekunden voller Glück
Minuten voller Liebe
Stunden voller Geborgenheit

Wir können die Tür aufsperren
die den Garten verschließt
und ins Weite sehen

Manchmal gelingt es
die Erde zu nähren
und der Liebe
einen Grund zu geben

© Vera Hewener

Nachtfahrt

Geläuf des Jahres
böscht den Grat
auf der Höhe der Farben

ungehinderte Ströme
füllen sich mit Kiesel
löschen den Schutt
in der Senke der Zeit

talwärts
stürzen Wolken
in den Dunstkreis

wo uns die Nacht wuchs
vor dem Dämmern

wo der Kahn
im dunklen Fluss
Kreise zieht
für die verlorene Stunde

in der das Herz
im Verborgenen schlägt

Vera Hewener

aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.


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Fruchtbares Feld

Gräser einer vergangenen Zeit
spriessen wie seltene Orchideen
aus dem Sand des Erlebten

Hast du dies fruchtbare Feld
je erblickt das du ersehntest

Und Jahr um Jahr
sich das Blühen über dem Beet verstreut
das du gedüngt mit den Antworten
die dich das Wachsen lehrte

Wo die Fragen verstummen
wird kein Same mehr sein

© Vera Hewener

Nächste Lesung
26.04.12 um 16.00 Uhr
“Lass uns Rosenranken flechten”
Haus Vita, August-Klein-Pfad 4
Saarbrücken
 

Presse
05.03.12 Saarländische Lyrikerin Vera Hewener im Lyrik-Leseheft des Cornelsen-Verlags vertreten Seit 1985 werden Werke der saarländischen Lyrikerin Vera Hewener in Deutschland, Ungarn, der Schweiz und Österreich veröffentlicht… Das Gedicht „November“ von Vera Hewener steht beispielhaft für die Form des Sonetts...

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