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Die Worte der Wälder
Das Grün der Täler verblasst vor der Tiefe dunkel fallender Nebel. Schweigsam wird’s sein, wenn die Nächte in Tagen Einkehr halten und meine Seele zwingt zum Licht. Die Worte der Wälder lauten jetzt: spitze Klänge des Frosts. Durch die Äste wirrt Eiswind, steift seinen Hauch über die Kronen und im kalten Glas verliert ein Vogel gegen die Zeit. Im grauen Blickfeld spinnt Silberfäden das Nebeldach, gießt Kristalle ins Tal, die heimleuchten. Ihr Funkeln flirrt mir plötzlich im Auge, als ich, den Tag aufsammelnd, am Fenster stehe, geblendet vom Glanz, nicht mehr wähnend den farbigen Verlust vor der Lichtflut des Verschneiten.
Vera Hewener aus: Lichtflut. Edition Calamus. Libri 2001.
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Wintermärchen
Dort, wo sich das Licht trifft, auf dem Blauweiß der Zweige, auf dem Schneefeld, das Besucher nicht kennt, auf der Eiszone, die ein Gebirgsbach durchmisst, in den Kältenebeln des Morgens, schwindelt in meinen Augen das Märchen, das man Winter nennt.
Es flüstern Kristalle, klirren Tannenzapfen, stöhnt Gebälk unter der Eistracht, eine Sinfonie aus Weiß.
Vera Hewener aus: Lichtflut. Edition Calamus. Libri 2001.
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Januar
Kälte. Im Schnee spiegelt sich Sonne blaublütig.
Windfrost in den Haaren und Schneeblumen im Gesicht.
Jemand friert den Eistod. Das Warmhalten gelingt nicht mehr.
Kristallzapfen drehen uns eine Nase.
Nun ist er doch gekommen, der Winter.
Vera Hewener
aus: Novembrisches Bittersüß. 1986.
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Christrose
Wald aus Eis nebelweiß Winter ist gekommen
Weihnachtstann strahlt uns an ist schon ganz benommen
Weihnachtszeit steht bereit ist so reich geschmückt
Engelshand hat im Land Christrose gepflückt
Vera Hewener aus: Windblumen. 1985.
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Winterland
An den Scheiben kalter Fenster blühen Blumen, weiß, aus Eis, tanzen in der Nacht Gespenster, bilden einen Zauberkreis.
Tanzen auf und tanzen nieder, decken zu das kahle Haus, bauen Schneelawinen wieder auf den Dächern ohne Paus.
Kommt der Morgen angeschlichen Ist die Arbeit wohlgetan ist die Müdigkeit gewichen geht es auf die Rodelbahn
© Vera Hewener aus. Windblumen. 1985.
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Winterzeit
Winter, Winter, weiß und kalt kommst du nun gezogen schnell bedeckst du Feld und Wald Vögel fort geflogen
Kinder bauen nun mit Freud Schneemann dick mit Nase und wer keine Kälte scheut füttert Reh und Hase
Vera Hewener aus: Windblumen. 1985.
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Winterwege
Im Zentrum wandern frostgeschützt im Nerz die Gäste unbekümmert auf geräumten Wegen, flanieren um den Teich auf schmalen Stegen, als wäre Kälte ein Dezemberscherz.
Die Enten ihn beschnattern Terz für Terz, wie Windgesänge, die in Tannen fegen nach Schneegestöber. In den Wildgehegen die Tiere Nahrung wittern. Ein Futterherz
am Kreuz der Hütte baumelt. Von harschen Tritten gestört verlassen sie die Lichtung. Mitten im Schneeplüsch ziehen Pferde eine Kutsche.
In Decken eingepackte Passagiere durchrattern holpernd Rotwilds Waldreviere. Dem Wagen wird das glatte Eis zur Rutsche.
© Vera Hewener
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Einkehr
Bad Hofgastein umwirbt ein warmes Licht. Am Stubnerkogel blendet es den Gipfel; die Wolken spannen ihre weiten Wipfel, hoch droben trüben Dunstfelder die Sicht.
Ozon bedrängt im Tal die graue Schicht. Folgt Einkehr auf den schlechten Wetterzipfel genügend Ausgleich schaffen mürbe Kipfel auf Sahneeis. Kaffeearoma mischt
sich in den Mittag voller Festtagssprüche, tischt Nobles auf aus edler Sternenküche: ein Festmahl, das die Sinne schnell besticht.
In Gaumenfreuden schwelgen trunken Gäste. Nur draußen hellauf knistern alle Äste. Bad Hofgastein umwirbt ein warmes Licht.
© Vera Hewener
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Im Dunstkreis
in Dunstkreis hält den frühen Tag gefangen welch Gähnen bleicher Wolken, deren Hauch umherzieht, sich verpustet, seinen Schmauch auf breiten Tannen ablädt; weiß behangen
der Kurpark Wege wähnt und Bänke, Stangen am Teichrand, jeden Zweig an jedem Strauch. Die Wasservögel kreisen um den Lauch der Gräser unbekümmert, gefangen
im Griesel. An Bad Hofgasteines Thermen sich Gäste Leib und Seele wärmen. Ich wandere im Frost entlang der Ache
nach Hundsdorf, Fronten sind dort gleicher. Der Tand verblasst, Konturen werden weicher, die Sonne wirkt, aus Schnee wird eine Lache.
© Vera Hewener
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Wendezeit
Die Vögel flogen fort. Sie zogen manchen Kreis, an stummen Ästen sprosst heraus das kalte Nass. Der Wintergäste Töne klirren, schwirren blass hinunter in die leeren Gärten. Es glänzt nun weiß.
Die Stuben ofenwarm geschürt und auf dem Steiß, dem blanken, hockt sich's hart. Denn wer den Plüsch vergaß bemerkte gleich, dass Trauer in den Wänden saß. Hoch oben auf gefror'nen Dächern wächst Geschmeiß.
Bald hört man's rascheln, keimen in den neuen Iden spürt wahre Lust, mit einem Mal davon zu fliegen. Nur wer stets langsam gräbt, bahnt Wege aus dem Eis.
Im Licht des späten Winters Keime sich versammeln. Sie blinzeln scheu hervor, wenn Heimkehrer leis stammeln: Die Schatten sind gewichen auf wendiges Geheiß.
Vera Hewener
aus: Lichtflut. Edition Calamus. Libri 2001.
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Winter
© Vera Hewener
In den beißenden Frost hinaus. Ein Atemnebel züngelt. Kältestoß. Jemandes Pulsschlag friert im Schoß erhärteter Landschaft. Das Garaus
der Farben spiegelt Wangenrot, jenes zittert in den Einsamkeiten. Sprosst aus schneeweißen Wendezeiten Kristallglanz. Eiszapfen senden das Lot
zur frühen Nacht, die Licht verdrängt. In den dunklen Gefächern klirrt sphärisches Glockenspiel, das flirrt
zwischen vereisten Neonröhren. Anfängt erbarmungslos das Jahraus bei dem Versuch, Strenge zu mildern. Brandgeruch.
In: Farben der Natur. Anthologie. Kasskara Verlag 1995.
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