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Vera Hewener
Die Website für Literatur, Kultur und Gesellschaft

Von der guten alten Zeit

Von der guten alten Zeit zur Nonstop-Gesellschaft?

© Vera Hewener

Einleitung

Von der guten alten Zeit träumen viele von uns und wir meinen damit, dass es den Menschen damals, wann immer man dieses damals auch ansiedelt, besser ging. Die Zeit als Gradmesser des persönlichen Wohlbefindens wird immer dann aktuell, wenn man vermeintlich schlechtere Zeiten erlebt und deshalb auf diese sogenannten guten Zeiten zurückblickt.

So auch der Blick auf die sogenannten goldenen Zwanziger Jahre in Deutschland zwischen 1918-1933, der „guten alten Zeit“, diese 15 Jahre einer politischen und geistigen Entwicklung, die mit dem Sturz in die faschistische Diktatur jäh zu Ende ging. Die Künste gelangten zu hoher Blüte mit einer Fülle an Büchern und Zeitschriften, Opern und Schauspielen, Gemälden und Bauwerken, die heute zur Weltkultur gehören. Vor allem die Produkte einer blühenden Unterhaltungsindustrie aber waren es, die bis heute dieser Zeit einen Hauch nostalgischer Verklärung geben und diesen Zeitraum in den Glanz "der goldenen zwanziger Jahre" erhoben. Ob in Tanzsälen, bei Tanztees am Nachmittag oder zu Hause zur Musik aus dem Grammophon oder Radio, man genoss sein Leben mit Swing, Jazz und Charleston. Bei genauerem Hinsehen wird man jedoch feststellen, dass dies auch die Zeit der Großen Depression, des Börsenkrachs, der Inflation, einer immensen Arbeitslosigkeit und des heraufziehenden Faschismus war. Höchstens fünf Jahre zwischen 1924 und 1929 verlief die Entwicklung in Deutschland relativ krisenfrei. Hier zeigt sich, dass die Wahrnehmung einer Zeit und vor allem die Erinnerung an sie vom sehnsüchtigen Blick des Verlangens geleitet wird und um so mehr die nackte Realität rückwirkend verklärt, je mehr daraus ein Wunsch- oder Traumbild entsteht, eine Traumzeit oder gar ein einziger Zeittraum.


Was ist Zeit?

Doch was ist Zeit eigentlich. Hierzu sagt der Zeitforscher Prof. Karl Heinz Geißler: „Zeit ist keine autonome Wesenheit, die das Geschehen mit eigenem Willen regiert, sondern die Art und Weise unserer Weltwahrnehmung.” Ob die Zeit schnell oder langsam voranschreitet, entscheiden wir in dem Augenblick, in dem wir sie empfinden. „Eins zwei drei im Sauseschritt eilt die Zeit, wir eilen mit“, reimte schon Wilhelm Busch.

Fest steht, dass die Zeit ein wesentlicher Faktor in unserem Leben ist, messbar im stetigen Ticken einer Uhr, die irgendwann angefangen hat, loszueilen und irgendwann für jeden von uns wieder enden wird. Daran hat sich trotz Genforschung bis heute nichts geändert. Der medizinische Fortschritt scheint in unseren Tagen fundamental zu sein, werden uns doch Organ- und Zellzüchtungen versprochen, die das Leben auch noch dann verlängern sollen, wenn das Organische versagt. Und dennoch: die Vergänglichkeit ist der Motor der Ewigkeit. Jeder Augenblick geschieht nur ein einziges Mal und ist nicht wiederholbar.

Wie aktuell unser Thema ist, zeigt sich nicht nur im Zeitgeist, der sich sichtbar im Angebot der Erwachsenenbildung und der beruflichen Fort- und Weiterbildung widerspiegelt. Sollen doch Zeitmanagement als Trainingseinheiten stressgeplagten Zeitgenossen ein Problemlöser sein. Wenn selbst im Fasching die Zeit als Anreiz zur Teilnahme am närrischen Treiben dient, wie beispielsweise eine Reise mit der „Zeitmaschine“ bei der diesjährigen PREMABÜBA, dann ist es höchste Zeit, dass wir uns mit unserer Zeit auseinandersetzen.


Zeitbegriffe der Mythologie und Religionen

Der Zeitgott Chronos
Die Zeit als Gegenstand von Philosophie und Religionen wurde bereits in der Antike entdeckt. Die Sanduhr als Symbol der Vergänglichkeit und der zerrinnenden Zeit und die Sichel oder Sense als Todessymbol sind die Attribute des Zeitgottes Chronos, der in der griechischen Mythologie einer der letzen zwölf Kinder von Gaia, dem Licht und Uranos, dem Himmel, war, den sogenannten Titanen. Er entmannte seinen Vater mit der Sichel und nahm ihm somit alle Schöpfungskraft. Aus Angst davor, dass ihm das gleiche Schicksal widerfahren könnte, verschlang er seine eigenen Kinder nach ihrer Geburt, bis auf Zeus, den seine Gattin Rhea retten konnte. Auch Zeus wurde zum ausführenden Arm der Zeit. Er schlug Chronos später mit einem Blitz nieder, um ihn zu entmannen. Die Endlichkeit der Götter, man könnte auch von Götterdämmerung sprechen, war angebrochen und die Menschenzeit in Sichtweite geraten.


Der sechste Tag der Genesis
Götterzeit, Gotteszeit und Menschenzeit sind der Beginn aller Zeitrechnungen. Nach der Genesis ist der sechste bzw. siebte Tag der Tag des Herrn, an dem er ausruhte und sich sein Werk betrachtete. Der Shabat im Judentum und der Sonntag im Christentum sind heute noch Teil der gesellschaftlichen Zeitstruktur. Manch ein Theologe spricht heute von gestohlener Gotteszeit, wenn er die Folgen der Beschleunigungsgesellschaft unserer Epoche beklagt, hervorgerufen durch einen linearen Zeitbegriff, der sich letztendlich als Säkularisierung und damit als Entsakralisierung entpuppte und einen Raub des Menschen an der Zeitsouveränität Gottes darstellt, so Dr. Wolfgang Achtner 1998 auf einer Tagung der Hans-Böckler Stiftung.


Der vorzeitliche und nachzeitliche Tag im Islam
Im Islam ergibt sich der Zeitbegriff durch die islamische Tradition, ihrer Theologie und der Mystik. Allah hat die Welt erschaffen und alles, was sich in ihr befindet. Gott selbst bestimmt das Schicksal jedes Menschen und ist Herr jeden Augenblicks. Bis hierhin gleichen sich die Abraham’schen Religionen. Die islamische Überlieferung, der Hadith, vertritt die Auffassung, dass alle zeitlichen Vorkommnisse in einem himmlischen Buch aufgezeichnet seien. Die Zeit wird daher zu einer Reihe vorherbestimmter Ereignisse. Die islamischen Mystiker, die Sufis, setzen den Beginn der Zeit vor der eigentlichen Schöpfung fest, und zwar mit dem Urvertrag zwischen Gott und der Menschheit, der die Menschen zum Einheitsbekenntnis des Monotheismus, des einen Gottes, Allahs, verpflichtete. Es gibt diesen vorzeitlichen Tag des Urvertrages und den nachzeitlichen Tag des letzten Gerichts nach der Auferstehung und des Lebens im Paradies. Die Zeit dazwischen ist die individuelle Menschenzeit. Die Bedeutung des Augenblicks ist sowohl im Koran, im Hadith als auch in der Mystik des Sufismus ein zentraler Punkt. In jedem Augenblick ist der Mensch im Islam von Gott abhängig und wird sich so seiner eigenen Unsterblichkeit gewiss. Nach dem physischen Tod folgt das Leben im Paradies.


Zeitmessung

Zeiterfassung
Die unterschiedlichen Zeitbegriffe spiegeln sich auch in der Zeitzählung wider. Das islamische Zeitalter begann nach unserer Zeitrechnung im Jahr 622 nach Christi, mit der Auswanderung Muhammads von Mekka nach Medina, der Hedschra. Der islamische Kalen-der zählt heute das Jahr 1422. Er galt in der Türkei bis 1927. Der jüdische Kalender zählt aktuell das Jahr 5762 und die christliche bzw. die westliche Welt das Jahr 2002 nach Christi Geburt.

Es fällt auf, dass die Zeiterfassung, die Messung der ablaufenden oder abgelaufenen Zeit an kultische, religiöse oder mystische Handlungen gebunden war. Die Lehre von der Zeitrechnung heißt Chronologie, ein Chronometer ist eine mechanische Uhr, ein Chronoskop ein Messgerät kleinster Zeitabschnitte und die Chronometrie ist die Lehre von der Zeitmessung. Somit findet die griechische Mythologie ihre sprachliche Entsprechung in den Termini der Zeiterfassung. Wenn Sie mehr über die philosophischen und religiösen Betrachtungen über die Zeit erfahren möchten, empfehle ich Ihnen den Vortrag von Gerry Beil „Chronos und Kairos“ am 27. Mai hier im VHS-Zentrum.

Nach welchen Zeitmaßen wurde nun in den jeweiligen Epochen gelebt? Die antike Zeiteinteilung lehnte sich an Naturprozesse an. Sie war nicht an konkrete Ereignisse gebunden. Die kosmische Zeit teilte den Tag in Sonnenauf- und –untergang ein, in Tag- und Nachteinheiten. Homer rechnete daher nach Morgenröten, Cäsar nach Nachtwachen. Das kleinste Zeitmaß war der lichte Tag. Je nach Jahreszeit und Breitengrad hatte jeder Tag eine andere Dauer. Es waren ungleich lange Stunden. Neben der Sonnenuhr kannte man die Wasseruhr, die bei trübem Wetter und bei Nacht die Zeit bestimmten. Ägyptens Obelisken dienten si-cher auch der Zeitmessung, als Erfinder der Sonnenuhr gilt jedoch Eudoxos von Knidos im 3. Jahrhundert vor Christi. Er versah die Ebene, die den Schatten aufnimmt, das Analemma, mit einer mathematischen Skalierung, der Arachne (Spinne).


Entwicklung der Uhr
Da religiöse Rituale das Leben prägten ist es nicht verwunderlich, dass die ersten brauchbaren Uhren von Mönchen entwickelt wurden. Seit dem 12. Jahrhundert gibt es die Spindeluhr mit Gewichtsantrieb. Die lineare Zeitrechnung war erfunden und seither bemisst sich unser Leben nach den Takten der Uhrzeiger. Die Räder- bzw. Spindeluhr diente in den Klöstern als Nacht- und Weckuhr und breitete sich als Turmuhr in den Kirchtürmen in ganz Europa aus. 1511 erfand Peter Henlein die tragbare Federuhr, 1656 Christian Huygens die Pendeluhr. Eine eigene Uhr besaßen jedoch nur die reichen Höfe. Das Volk orientierte sich an der Kirchenuhr. Dies änderte sich erst allmählich mit der Erfindung der Taschenuhr im Lauf des 18. Jahrhunderts. Die Uhr wurde nun auch zum modischen Gegenstand. Mehr zur Geschichte der Uhren können Sie im saarländischen Uhrenmuseum in Köllerbach erfahren. Ein Besuch dort wird sich sicher lohnen.


Einführung internationaler Zeit-Zonen
Eine Vereinheitlichung der Zeitmessung wurde erst erforderlich, als das Wirtschaften an bestimmte Abläufe gebunden wurde und gegenseitige Abhängigkeiten entstanden. Ungleiche Stunden, Planetenstunden, Sternzeit, Weltzeit oder Ortszeit mussten einer exakten Zeitmessung angeglichen werden, da die Güterproduktion und deren Transport einen höheren Grad an Genauigkeit und Zuverlässigkeit erreichen sollten. Auch die Arbeit der Menschen wurde immer mehr durch die fortschreitende Verwendung von Uhren gemessen wurde. 1893 wurde mit der Einführung der Eisenbahn eine internationale Zeitvereinbarung getroffen. Die Ortzeiten wurden abgeschafft und durch Zeit-Zonen, bei uns die Mitteleuropäische Zeit, ersetzt. Die Sekunde wurde von 1956 an astronomisch genau als Teil des tropischen Sonnenjahres 1900 definiert. Seit 1972 gelten in allen Zeit-Zonen die Maße der Atom-Uhr.


Zeit und Gesellschaft

Der Wandel der Zeitstrukturierung
Zeitvorstellungen und die Wahrnehmung der Zeit haben sich also in einem langen geschichtlichen Prozess entwickelt. Der Umgang mit ihr ist das Ergebnis des jeweils aktuellen gesellschaftlichen Zeitempfindens, das sich aus der kulturellen Überformung vergangener Zeitbedeutungen speist. In welcher Weise eine Gesellschaft die Zeit zum Gegenstand ihrer Orga-nisation macht, beeinflusst auch den individuellen und sozialen Umgang mit ihr.

Deutlich zu erkennen an der heute global gültigen Weltstandardzeit, die dazu beitragen hat, dass Wirtschafts- und Produktionsprozesse synchronisiert wurden und Zeitkonventionen entstanden sind, die jedermann beachten muss, wenn er integriert in dieser Gesellschaft leben will. Er muss seinen individuellen Umgang mit der Zeit an die Anforderungen institutionalisierter Fremdzeiten anpassen.

Das im 19. Jahrhundert dynamisierte Zeitverständnis wurde im 20. Jahrhundert und gegenwärtig im 21. Jahrhundert weiter forciert. Der Arbeitsalltag des Industriearbeiters der ersten Generation ließ diesem kaum Zeit, um zwischen Arbeitszeit und Freizeit zu unterscheiden. Erst mit der Etablierung von Gewerkschaften und der Tarifautonomie setzte sich ein Zeitbewusstsein durch, das zwischen fremdbestimmter Arbeitszeit und eigenbestimmter Freizeit trennte. Im Nationalsozialismus wurden Gewerkschaften wieder verboten. Nach dem zweiten Weltkrieg entwickelten sich die Arbeitszeitordnungen in den beiden deutschen Staaten unterschiedlich. In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Fünf-Tage-Woche mit einer vierzigstündigen Wochenarbeitszeit ein-geführt, die sich zu Beginn der fünfziger Jahre auf achtundvierzig Stunden erhöhte. 1957 wurde in der Bundesrepublik wieder die Vierzig-Stunden-Woche eingeführt. In der DDR galt eine Wochenarbeitszeit von Fünfundvierzig-Stunden bei einer Sechs-Tage-Woche. Zehn Jahre später erst wurden in Ostdeutschland die Arbeitstage auf fünf reduziert, die Wochenarbeitszeit blieb jedoch erhalten. In Westdeutschland waren zur gleichen Zeit die Ausweitung des Urlaubsanspruchs und die Einführung von Teilzeitmodellen Gegenstand der tariflichen Verhandlungen. Gleitzeitmodelle wurden in den siebziger Jahren aktuell, während sich der Anteil der Schichtarbeit erhöhte. Eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit Ende der siebziger Jahre sollte dem Abbau der Arbeitslosigkeit dienen.

Die neu hinzugewonnene erwerbsfreie Zeit erhöhte jedoch nur bedingt die wirklich freie Zeit. Anfahrtswege, Fortbildungen, Pflege von Angehörigen, Technisierung und Bürokratisierung des Alltags kompensierten wiederum einen Großteil der hinzugewonnenen Zeit. Gleichzeitig gewann die Freizeit- und Konsumindustrie an Bedeutung und führte zu einem Wandel der Freizeitgestaltung.

Das Zeitverständnis in Westdeutschland orientierte sich an Werten wie Zielgebundenheit, Fortschritt und Entwicklung und wurde von der Bevölkerung zum großen Teil übernommen. Aus dem carpe diem, dem „Nutze-die Stunde“ aus dem 1. Jahrhundert vor Christi von Horaz ist in der Beschleunigungsgesellschaft ein „Verdopple die Stunde“ geworden.


Zeit als Gegenstand der Sozialwissenschaften
Die Zeit als Gegenstand der Sozialwissenschaften entwickelte sich eher zögerlich. Generell kann man sagen, dass die Zeit als ein soziales Konstrukt begriffen wurde. Der Grad der Ausdifferenzierung einer Gesellschaft bestimmt auch deren Zeitstruktur. Ist diese funktional ausgerichtet, bildet sich ein lineares Zeitbewusstsein mit offener Zukunft aus, was bedeutet, dass die Zukunft durch die Entscheidungen der Gegenwart als gestaltbar angesehen wird. Zwischen der grundlegenden Zeitorientierung der Gesellschaft und den individuellen Zeitvorstellungen ihrer Mitglieder können Unterschiede bestehen. Die Person muss ihre eigene subjektive Zeitpraxis mit den Zeitregeln der jeweiligen Gesellschaft abgleichen. Die kollektiv geteilte Zeitpraxis ist dabei der individuellen übergeordnet. Dennoch wird die gesellschaftliche Zeit durch den individuellen Umgang mit ihr gestaltet. Zeit ist also kein rein metaphysisch innewohnender Bewusstseinsinhalt. Der Umgang mit der Zeit wird gelernt und ist daher auch von sozialen Bedingungen abhängig.


Zeitökologie
Inwieweit Zeitstrukturen „die soziale Existenz und die Gesundheit ihrer Mitglieder“ beeinträchtigen, untersuchte Dr. Jürgen Rinderspacher von der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität. Die zeitliche Normierung von Tätigkeiten und Bedürfnissen unter der Bedingung beschleunigter Handlungen und Prozesse kann im Widerspruch zum biologisch-sozialen Rhythmus der Personen stehen. Dieser Widerspruch stellt eine permanente Belastung dar, die pathogene Züge trägt. Das Problemlösungsverhalten muss immer wieder darauf hin überprüft werden, ob es eine Möglichkeit effizienteren Handels gibt. Dies wird problematisch, wenn zeitliche Vorgaben unüberwindbar sind, z.B. durch Überforderung der menschlichen Bewegungs- und Reaktionsfähigkeit, wenn die Regenerationsbedingungen die körperliche und seelische Erholung nicht mehr zulassen, wenn die zeitliche Orientierung von Personen mit der ihres sozialen Umfeldes nicht mehr übereinstimmen und wenn das Indiviuum die soziale Situation nur eingeschränkt gestalten kann, z. B. durch Arbeitszeitvorgaben oder zeitliche Limitierungen im Alltag. Wie sieht nun die Zeitstrukturierung in unserer Gesellschaft aus?


Die Beschleunigungsgesellschaft
Die Beschleunigungsgesellschaft ist unschwer an den Maximen ihrer Ökonomie auszumachen. Mobilität, Flexibilität und ständige Erreichbarkeit kennzeichnen den erfolgreichen Arbeitnehmer mit Karrierechancen. Die sich überschlagenden Innovationszyklen in den Wissenschaften - man denke hier nur an die Entschlüsselung der menschlichen Gene oder die vieldiskutierte Stammzellforschung - und die Verkürzung der Produktionszyklen der Wirtschaft sollen die Amortisationszeiten von Investitionen verringern. Getreu dem Motto „Time is money“ muss sich der Einsatz von Geld in immer kürzeren Abständen bezahlt machen. Stilblüten treibt diese Art der globalisierten Gewinn-Beschleunigung, Kritiker sprechen von Turbo-Kapitalismus, wenn Unternehmen Arbeitnehmer entlassen müssen, nicht etwa, weil sich rote Zahlen auftun, sondern weil die geforderte Gewinnmarge der Aktionäre nicht erreicht wurde. Was bedeutet dies konkret im Arbeitsalltag eines Arbeitnehmers?


Das aktuelle Zeitregime

Die Erwerbsarbeit
Für einen Acht-Stunden-Arbeitstag netto werden durchschnittlich 9,75 Stunden brutto an Zeit gebunden. An- und Abfahrt zur Arbeitsstätte, Pausen und die notwendige Regenerationsmaßnahmen erhöhen den Umfang der Zeit, über die aufgrund von Erwerbsarbeit nicht frei verfügt werden kann. Nach Offe und Heinze hat sich trotz tariflicher Arbeitszeitreduzierungen der Umfang der frei verfügbaren Zeit nicht wesentlich erhöht. Dies hängt mit einem erhöhten Volumen an Überstunden zusammen. Die Art der Arbeit und der Einsatz des Arbeitnehmers hat dabei gesundheitliche Folgen. In der Produktion kann der hohe Zeitdruck der Fließbandarbeit zu Stress mit der Folge körperlicher Beschwerden führen (vgl. Müller 1988). Arbeit im Akkord, Termindruck und Arbeitsspitzen sind weitere Stressfaktoren. Schichtarbeit bedeutet eine Beeinträchtigung der Schlafqualität und der sozialen Kontakte.

Lange Arbeitszeiten im Einzelhandel, Arbeit auf Abruf oder variable Arbeitszeiten nach Bedarf führen zur sogenannten Pinnbrett-Familie, in der sich die Familienmitglieder nur noch per Zettelnachricht verständigen können. Mobilität und Flexibilität bedeuten subjektiv eine zeitliche Entgrenzung des Alltags. Die beliebige Verfügbarkeit der Arbeitnehmer erweist sich hier als sozialer Killer. Man beachte die ständig steigenden Scheidungsziffern in Deutschland. Die Desychronisation von Arbeitszeit und sozialen Zeiten bedeutet aber auch abnehmende Planbarkeit von gesellschaftlichem Engagement. Dies bekommen insbesondere Vereine, Parteien und Ehrenämter zu spüren. Gleichzeitig gibt es Initiativen „Pro Ehrenamt“, sucht man nach „Helden des Alltags“ und schränkt somit den Rest der verbleibenden gemeinsamen Familienzeiten weiter ein.

Während Beginn und Ende der Arbeitszeiten sich vor allem nach Branche, Geschlecht und Berufsgruppen unterscheidet, hängt der Umfang der Arbeitszeit von schichtspezifischen Bedingungen ab. 31 % der Akademiker und Manager arbeiten mehr als 45 Stunden in der Woche. Hans Magnus Enzensberger spricht von den sogenannten Funktionseliten, die „über ihre Lebenszeit am wenigsten frei verfügen können“. Nach Studien des Karlsruher Instituts für Arbeits- und Sozialhygiene leiden 85% der deutschen Manager an Beschwerden ohne erkennbare organische Ursachen. Die Fachhochschule Köln errechnete den Schaden, der durch Stress verursacht wird, auf etwa 50 Mrd. € jährlich. Von den Beschäftigten in Industrie und Handwerk arbeiten hingegen nur 17% und von den Büroangestellten oder im Dienstleistungsbereich noch etwa 11% mehr als 45 Stunden in der Woche (Rinderspacher 1985). Umgekehrt verhält es sich bei der zeitlichen Dispositionsmacht. Je höher der Stand in der betrieblichen Hierarchie, desto größer ist der Gestaltungsspielraum bei der Zeitverfügung.

Anders sieht es bei der Teilzeitarbeit aus, die vorwiegend von Frauen nachgefragt wird. Die sozialstrukturellen Ungleichheitspotentiale der zeitlichen Organisation von Arbeit, hervorgerufen durch die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, machen die Probleme der Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und familialer Reproduktionsarbeit besonders deutlich. Einerseits werden Teilzeitarbeitsplätze vermehrt den Frauen angeboten und damit die traditionelle Rolle des Mannes als vollzeitbeschäftigter Ernährer der Familie fortgeschrieben. Auf der anderen Seite ist diese Form der Erwerbsarbeit häufig die einzige Möglichkeit, überhaupt am Erwerbsleben teilnehmen zu können. Hinzu kommt eine schichtspezifische Doppelbelastung. Während Frauen der mittleren und höhe-ren Schichten ihre Arbeitszeit familienbedingt reduzieren können, sind Frauen der unteren sozialen Schichten auf den vollen Arbeitslohn angewiesen.

Generell kann man sagen, dass es seit den achtziger Jahren massive Umbrüche im Zeitbudget der Erwerbsarbeit gegeben hat. Die aktuelle Globalisierungsdebatte um den Standort Deutschland macht die Situation nicht einfacher. „Just in Time“ - Konzepte, durchgängige Maschinenlaufzeiten und Personalleasing erheben die Verfügbarkeit über Zeit zum Herrschaftsinstrument temporaler Machtausübung. Dies führt zur Veränderung der lebensgeschichtlichen Entwicklung der Erwerbsbiographie weg von Kontinuität und Linearität eines Arbeitslebens hin zu Diskontinuität und Brechungen in der Sozialstruktur.

Die Reproduktionsarbeit
Wie wird mit der Zeitverwendung außerhalb des Erwerbslebens umgegangen, im Reproduktionsbereich, in den Familien?

Nach Offe und Heinze dienen 9,3 Stunden des Tages den reproduktiven Bedürfnissen wie Essen, Körperpflege, Hausarbeit und Schlafen. Der Einsatz von Technik im Haushalt bedeutet jedoch nicht unbedingt Zeitersparnis. Je umfangreicher die technische Ausstattung und ihre Nutzung ist, desto geringer wird die frei verfügbare Zeit. Dies hängt mit der allgemeinen Komfortsteigerung und der Erhöhung des Reinlichkeitsstandards zusammen. Hinzu kommt das Heimwerken bei Reparaturen und im Haushalt. Mit den gewachsenen Ansprüchen und der zunehmenden Technisierung des Haushaltes verlieren bisherige Wissensbestände an Wert und gehen verloren. Das neue Wissen muss sich erst angeeignet werden und das ist meist zeitintensiv.

Ein anderer Effekt ist eine Entrhythmisierung der Haushaltsführung. Der Einsatz der techni-schen Geräte erhöht die Flexibilität der Hausarbeit. Der traditionelle Wasch- und Putztag entfällt. Der Einkauf von Lebensmittel hängt nicht mehr grundsätzlich von deren Haltbarkeit ab. Die Dauer der Zubereitung von Mahlzeiten ist eine Frage der technischen Ausstattung. Die Zeitersparnis wird jedoch durch gestiegene Wegezeiten zu den Einkaufszentren auf der grünen Wiese teilweise wieder aufgefressen. All dies bedingt eine erhöhte Koordinierung und Planung des Alltags.

Der Umfang an Zeit, der für die Familienarbeit benötigt wird, hängt jedoch auch vom verfügbaren Haushaltseinkommen ab. Je höher das verfügbare Einkommen, desto weniger routinisiert sind die Abläufe der Haushaltsführung. Das bedeutet, dass die traditionelle Haushaltsführung dort vorzufinden ist, wo der Einsatz von Haushaltstechnik, Haushaltshilfen und Dienstleistungen eher gering ist. Die ungleiche Belastung der Geschlechter bzw. die Zeitbindung der Frauen durch Haushaltsführung bestätigt auch die Umfrage, die wir in Saarbrücken zum Umgang mit der Zeit durchgeführt haben. Danach bringen Frauen 31% der Tagesstunden für die Familie auf, Männer hingegen nur 15%. Die reine Hausarbeit beansprucht Frauen 2,4 Stunden am Tag, Männer nur 1,7 Stunden. Dies obwohl Frauen für die Erwerbsarbeit täglich 6,2 Stunden aufbringen, die Männer 8 Stunden.

Einen ebenfalls nicht unerheblichen Anteil an der Familienarbeitszeit hat die Kinderbetreuung. Die gestiegenen Ansprüche an die Erziehung und Bildung der nachwachsenden Generation führt zu einem erhöhten Zeitaufwand. Mütter reden laut unserer Umfrage mit ihren Kindern 48 Minuten täglich, Väter hingegen nur 20 Minuten. Wiederum sind es die Frauen, die hier unter besonders starkem Zeitdruck stehen, der auch nicht durch die freie Einteilung der Hausarbeit ausgeglichen werden kann, da der ständige Zwang, die Hausarbeit zu erledigen, kaum wirkliche Entspannungsphasen zulässt (vgl. Kessel 1995, S. 21). Vor allem Frauen mit kleinen Kindern haben den geringsten Anteil an frei verfügbarer Zeit, der sich bei alleinerziehenden Müttern nochmals verringert. Dies beeinträchtigt die Entwicklungsmöglichkeiten von Frauen, das Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit und die Bereit-schaft, leitende Positionen einzunehmen.


Die Freizeit
Die zeitlichen Vorgaben des Tagesablaufs durch Erwerbs- und Reproduktionsarbeit bestimmen auch die Freizeit. Von den 24 Stunden eines Werktages verbleiben noch 4 Stunden frei verfügbare Zeit, die allerdings zusammenhängend nur an Wochenenden oder zu Urlaubszeiten zur Verfügung stehen ( vgl. Opaschowski 1995). Das Ausmaß der freien Zeit hängt auch von Berufsbranchen ab. Beschäftigte in der Landwirtschaft, in medizinischen Berufen, im Gastronomiebereich und im Einzelhandel verfügen über weniger Freizeit als andere. Erwerbstätige in der Dienstleis-tungsbranche haben weniger Freizeit als Beschäftigte im produzierenden Gewerbe. Die sog. Funktionseliten verfügen nicht automatisch über weniger Freizeit, da sie die Reproduktionszeit durch erhöhten Technikeinsatz und Einsatz von Haushaltshilfen minimieren können. Die geschlechtsspezifischen Differenzen sind jedoch auch hier zu finden. Gemessen am Durchschnitt der Bevölkerung verfügen Hausfrauen über geringfügig mehr Freizeit, berufstätige Männer liegen etwas unterhalb des durchschnittlichen Mittelwertes und berufstätige Frauen müssen deutliche Einbußen hinnehmen (vgl. Opaschowski 1994), was sich bei Alleinerziehenden nochmals verschärft. Nach unserer Umfrage nehmen sich Männer täglich 1 Stunde und 50 Minuten Zeit für ihr Hobby, den Frauen verbleibt eine Stunde und zehn Minuten.


Folgen und zukünftige gesellschaftliche Aufgaben

Beschleunigung kontra Entschleunigung
Gerade im Freizeitbereich lässt sich der Wandel des Zeitempfindens in unserer Gesellschaft am sichtbarsten aufzeigen. Die zur Verfügung stehende Zeit wird durch multiple Aktivitäten intensiver genutzt, was nichts anderes heißt, als dass eine Verdichtung der Aktivitäten stattgefunden hat, die für Muße, Entspannung, Erholung oder Regeneration keinen Raum mehr lässt. Das Leben auf der Überholspur wird angetrieben durch die Angst, etwas zu verpassen. Die Konsum- und Freizeitindustrie heizt das Tempo zusätzlich an. Die Zeitvernichtungsfelder heißen Kaufregung und Erlebniskauf, Computerspiele und Internet, Abenteuerurlaub und Extremsportarten, Fernseher und Handy. Selbst der Erhalt der Gesundheit erliegt dem Fitnesswahn unserer Zeit. Allen gleichzeitig ist der ständige Zwang zur Kommunikation. Sogar in Konzerten, beim Gottesdienst oder Lesungen sind die Klingeltöne nicht zu überhören. Mit seinem Satz „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ sprach Michail Gorbatschow das Glaubensbekenntnis des ausgehenden 20. Jahrhunderts aus: Tempo ist alles, ohne Tempo ist alles nichts. Beschleunigung um ihrer selbst willen wird zum Fetisch unserer Kultur und so ist es nicht verwunderlich, dass die gesellschaftlichen Gegenströme angefangen haben, ihre Zeitmarker zu setzen. Die Entschleunigung wird zum Gesundmacher unserer Zeit erklärt. Nicht nur die Literaten und Sachbuchautoren befassen sich mit der Schnelllebigkeit, mittlerweile gibt es gar einen Verein zur Verlangsamung der Zeit. Im Widerstreit zum professionell erlernten Zeitmanagement als eine Art von Selbstdisziplinierung rufen sie zur Rückkehr der Eigenzeit eines jeden Menschen auf (vgl. Nowotny, H. 1993. Eigenzeit).


Folgen des Zeitstrukurwandels
Die gesellschaftlichen Probleme des Zeitstrukturwandels lassen sich indes nicht mehr verleugnen. Der Wandel von der Industriegesellschaft zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft geht mit einer Flexibilisierung der Arbeits- und Betriebszeiten einher, die zu sozialer Desynchronisation geführt haben mit der Folge, dass Fahrgemeinschaften sich auflösen, der Energieverbrauch in privaten Haushalten durch individuelle unterschiedliche Aktivitätszeiten steigt und die Städte einen Nonstop-Betrieb an Dienstleistungen sichern müssen, ganz zu schweigen von den Auswirkungen auf die zwischenmenschlichen Beziehungen, die glei-chermaßen an Kontinuität und Stabilität verloren haben, erkennbar an den Statistiken der Haushaltsgrößen in Städten und den bereits erwähnten steigenden Scheidungsraten.


Zeitwohlstand als zukünftiger Verhandlungsgegenstand
Die Zeitkandare ist zu einer neuen Form der Vergesellschaftung geworden. Macht haben heißt, über die Zeit anderer verfügen zu können bis zum kleinsten Augenblick (vgl. Lothar Baier 2000: Keine Zeit). In der Modernisierungsdiskussion ist ein neuer Begriff aufgetaucht. „Zeitwohlstand“ ist das dringlichste Problem der Zweiten Moderne geworden. Rinderspacher schreibt, dass die Knappheit der Zeit in den Vordergrund der Modernisierung der Moderne getreten sei. Die Zeit als solche, die möglichst weitgehende Verfügbarkeit über die eigene Zeit, werde zu einem Konsumgut werden. Die Aufgabe der Politik in einer säkularisierten, pluralen Gesellschaft bestehe in der Neuformulierung eines gesellschaftlichen Rahmenvertrages über die Nutzung der Zeit (vgl. Dr. J. Rinderspacher 2000: Zeitwohlstand in der Moderne.). Seinen Ausführungen schließt sich die Forderung eines neuen politischen Handlungsfeldes an, der Zeitpolitik. Beispielsweise hat die freie Hansestadt Bremen ein Zeitbüro eröffnet, das als lokaler sozialer Zusammenschluss von öffentlichen und privaten Akteuren versucht, die verlorene Zeit zu reorganisieren und neue Arbeitszeitmodelle anzudenken.

Bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass die neue Generation die Zeit bekommt, die erforderlich ist, um zu einer gesunden Erwachsenengeneration heranzureifen und man ihr nicht durch Verkürzungen der Kindheit von vornherein jede Chance streitig macht.


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Scheuerer Kurt: Mythologie. Sonne und Mond – Zeitanzeiger. 1987. http://www.bingo-ev.de/~ks451/antike/zeit.htm
Scheuerer Kurt: Antike Zeitrechnung. Stunde, Jahr, Monat. ?. 1985. http://www.bingo-ev.de/~ks451/antike/zeit.htm
Scheuerer Kurt: Antike Zeitangaben in der Römischen Republik. Zum Kalender der römischen Republik. 1987. http://www.bingo-ev.de/~ks451/antike/zeit.htm
Schrems Dr. Mag. Berta: Das Sichtbarwerden von Frauenzeit. 1996. http://www.univie.ac.at/schroedinger/3_96/time25.htm
Schwarzinger Karl: Gnomonik. Österreichischer Astronomischer Verein. Arbeitsgruppe Sonnenuhren. 1993. http://tirol-php.highway.telekom.at/k.schwarzinger/gnomon.htm
Seger Brigitte, Univ.Ass.: Tages- und Nachtzeiten in der japanischen Geschichte. 1996. http://www.univie.ac.at/japanologie/bs.htm
Verein zur Verzögerung der Zeit. Sterneckstr. 15, A-9010 Klagenfurth.


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13.07.11 um 16.00 Uhr
Von Woge zu Woge schaukelt mich Gischt”
Seniorenresidenz Haus Vita
August-Klein-Pfad 4, Saarbrücken


17.09.11 um 17.30 Uhr
“Tier-Lesung”
im Rahmen der Veran-
staltung “Forstgarten im Licht”
Jagdschloss und Forstgarten Karlsbrunn
Schlossstr. 14, Großrosseln


28.09.11 um 16.00 Uhr
”Alles hat seine Zeit”
Seniorenresidenz Haus Vita
August-Klein-Pfad 4, Saarbrücken
 

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Saarbrücker Zeitung vom 10.05.11
Deutsch-französischer Dichterfrühling in Saargemünd
Zum ersten Mal hat die Katholische Erwachsenenbildung ihren „Printemps des poètes“ mit der Stadt Saargemünd veranstaltet. Schauplatz war der Wintergarten des Keramikmuseums. „Dichterisch auf dieser Erde wohnen“ – ein Hölderlinsatz leitet in den siebten „Printemps des poètes“. „Printemps des poètes“ ist eine französische Initiative, lädt ein zur Beschäftigung mit Dichtung.
 

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