|
Von der Geborgenheit zur Patchworkfamilie?
© Vera Hewener
Einleitung
Die demographische Entwicklung, die Verlängerung der Lebenserwartung und der Rückgang der Geburtenrate führen zu einer dauerhaften Änderung der sozialen Netzwerke unserer Gesellschaft. Massenarbeitslosigkeit und wirtschaftliche Rezession führen zu einer Ausgliederung ganzer Bevölkerungsschichten aus dem ersten Arbeitsmarkt. Insbesondere älteren Langzeitarbeitslosen werden zunehmend weniger Möglichkeiten einer Reintegration zur Verfügung stehen. Gleichzeitig werden durch die wirtschaftliche Entwicklung an Menschen andere Anforderungen gestellt. Gefordert werden Mobilität, Flexibilität und ständige Erreichbarkeit. Dies bewirkt eine immer stärker werdende Individualisierung mit der Folge, dass die Lebensverläufe an Kontinuität verlieren. Sowohl im zwischenmenschlichen Bereich als auch in der beruflichen Demographie werden die Brüche immer deutlicher. Zwischenmenschliche Beziehungen verlieren an Beständigkeit und Verlässlichkeit.
Das Wegbrechen traditioneller sozialer Netzwerke wie beispielsweise der Familienverband wird ohne Kompensation durch andere Formen des Miteinanders zu einer Destabilisierung der Gesellschaft führen. Gleichzeitig aber hat der Staat den verfassungsmäßigen Auftrag, Ehe und Familie zu schützen. In diesem wechselseitigen Bedingungsgeflecht steht die einzelne Person auf der Suche nach einem sinnerfüllten Leben.
Bedeutung der Veränderungen
Was bedeutet dies langfristig für die gesellschaftliche Entwicklung? Ist Familie ein Wunschgebilde, das sich unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr verwirklichen lässt? Und wennn die biologische Kernfamilie aus Vater, Mutter und Kind nicht überleben wird, kann der Staat neue soziale Figurationen entwerfen, um den Generationen der Zukunft eine Perspektive zu sichern oder ist dies eine Aufgabe aller gesellschaftlichen Kräfte? Ist der Mensch als sozio-kulturelles Wesen von Natur aus auf das Modell der biologischen Kernfamilie angelegt? Und wenn dies stimmte, kann die Wesensnatur des Menschen derartige, schnellwachsende kulturelle Veränderungen bewältigen etwa als evolutionsbedingte Umweltanpassung oder evoziert die rasante Entwicklung die soziale Evolution per se?
Fragen über Fragen, die deutlich machen, dass im wertfreien, im säkularen, im weltlichen Diskurs über Lebensformen und Lebensinhalte Spiritualität und Mystik nicht auftauchen. Familie wird vielmehr als ein mechanistisches Gesellschaftsgetriebe betrachtet, dessen Wartung zur Zeit ein paar Schwierigkeiten bereitet, weil möglicherweise der Treibstoff, sprich zwischenmenschliche Beziehungen, an Konsistenz verloren hat oder Teile des Motors, sprich Rentabilität, deutliche Gebrauchsspuren aufweisen, die einen Ersatz, z. B. die Patchworkfamlie, notwendig machen.
Welche Reparaturanleitung soll nun angewandt werden? Soziologen, die Gesellschaftswissenschaftler, werden sagen, wir brauchen einen neuen Gesellschaftsvertrag, Psychologen werden sagen, wir müssen interpersonale Ersatzformen für den Familienverbund finden, Ökonomen werden sagen, es ist alles eine Frage des Preises. Ins Alltagstaugliche übertragen lautet die zentrale Fragestellung: Wie können wir unser Zusammenleben in Zukunft so organisieren, dass die Pluralität, die Verschiedenartigkeit der Lebensformen erhalten bleiben kann, dass Menschen ihre Lebensentwürfe, die sie selbst als erstrebenswert betrachten, auch umsetzen können, ohne dass dabei der eine den anderen übervorteilt bzw. benachteiligt?
Historischer Rückblick
Historisch betrachtet folgt das menschliche Zusammenleben den Erfordernissen der Überlebensstrategien. Die Entwicklung von Kultur formte Gesellschaftsstrukturen, innerhalb derer sich das Individuum bewegen konnte oder musste. Der Urmensch lebte in seinem Stamm, Kolonne oder Kohorte, der Steinzeitmensch war Jäger und Sammler, das Altertum hatte seine göttliche Ordnung, dem ein Staatengebilde mit dem Kaiser oder König als eine quasi göttliche Führungsfigur folgte. Das Aufkommen der Religionsgemeinschaften führte zu festen Regelwerken des menschlichen Miteinanders. Die bürgerliche Ehe verdrängte das Konkubinat und zuletzt löste mit der Industrialisierung die Kleinfamilie den großfamiliären Verbund des herrschaftlichen Gesindehaushaltes patriarchalischer Prägung, die Familie als geschlossene Produktionseinheit mit dem „pater familias“ an der Spitze, ab. Die bürgerliche Kleinfamilie zeichnete sich durch eine Emotionalisierung und Intimisierung der Ehe und der Eltern-Kind-Beziehung, eine Spezialisierung der Geschlechterrollen, eine Privatisierung des Familienlebens und schließlich durch die Schaffung der Kindheit als besondere Phase in der individuellen Entwicklung eines Menschen aus. Dieses Familienmodell war bis in die siebziger Jahre die vorherrschende Lebensform.
Wir sehen, die Strukturen des menschlichen Zusammenlebens wurden dem jeweils geltenden Gesellschaftssystem und dem Zeitgeist angepasst. Die Bedingungen erwuchsen aus der jeweiligen ökonomischen Realität und die Begründungen dazu lieferten die Religionen und später die Naturwissenschaften. So wurde die Entstehungsgeschichte der Menschheit für Frauen zum Inbegriff der Unterdrückung, versagte die Exegese je nach religiöser Prägung dem weiblichen Geschlecht mehr oder weniger das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Erst 360 Jahre nach dem Tod Galiläis gesteht die Theologie heute der Genesis die Unhaltbarkeit als Faktum zu und betont die Bedeutung dieser Erzählung als Anbeginn der Menschheit nicht mehr im wörtlichen Sinn, sondern in der symbolhaften Bildsprache. Ob also als passives oder aktives Prinzip nach Aristoteles im alten Griechenland, ob als Untertan eines Mannes im früheren Christentum oder als Resultat eines Ödipuskomplexes nach Freud, ob als von der Natur vorbestimmte Pflichtmutter im Naturrecht nach Messner oder als für besondere Gebärleistungen mit Mutterkreuzen geehrte deutsche Frau im Nationalsozialismus, stets waren weibliche Personen die Unterlegenen, diejenigen, die sich anpassen mussten, denen die Gesellschaft vorschrieb, wie und in welcher gesellschaftlichen Gruppierung sie zu leben hatten. Das Familienbild stimmte, es stabilisierte die Strukturen und bot Frauen genügend Identifikationsmöglichkeiten, sich darin auch wiederzufinden und sich selbst zu verwirklichen. Oder war dies nur scheinbar so?
Emanzipation wurde jedenfalls erst nach 2000 Jahren neuzeitlicher Zeitrechnung möglich und auch nur in den sogenannten Zivilisationsgesellschaften. Indes ist die sozialstrukturelle Ungleichheit zwischen Mann und Frau in unserer deutschen Gesellschaft auch heute noch vorhanden. Weshalb das traditionelle Familienbild so arg ins Wanken gerät. Und sieht man genauer hin, stellt sich die Frage, ob der Geburtenrückgang etwa das Resultat einer langsam gewachsenen Verweigerungshaltung ist, diese Strukturen weiterhin zu tolerieren oder gar zu akzeptieren. Scheitert die Familie also am subtilen Widerstand der Frauen?
Familie aus den Blickwinkeln der Wissenschaften
Zusammenleben in einer Gesellschaft verlangt, dass das subjektive Selbst sich wiederfinden kann, sei dies nun als Frau oder als Mann, als Christ, als Muslim oder als Jude, als junger oder älterer Mensch. Was ist also Familie, was kann Familie heute sein und welche Voraussetzungen braucht Familie, um in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Wirklichkeit den Menschen noch Nähe und Geborgenheit zu ermöglichen? Ich möchte hier ebenfalls wieder die verschiedenen Blickwinkel der Wissenschaften heranziehen.
Betrachtet man die Frage soziologisch, bedeutet dies, dass die Familie als Sozialisationsinstanz, als eine Form des Zusammenlebens unter anderen, die gesellschaftliche Aufgabe hat, das Humankapital der Gesellschaft zu reproduzieren. Struktur und Sinngebung treten in den Hintergrund.
Betrachtet man die Frage psychologisch, bedeutet dies, dass stabile Bezugspersonen die Verantwortung für den gesellschaftlichen Nachwuchs übernehmen müssen, damit aus Kindern gesunde Erwachsene werden können. Wer dies im einzelnen ist, ist weniger bedeutend. Wichtig ist dabei allein die Kontinuität und Intensität der Eltern-Kind-Beziehung.
Betrachtet man die Frage ökonomisch, bedeutet dies, dass die Betreuungsform unwesentlich ist, solange der Nachwuchs von den Sozialisationsinstanzen mit den Leistungen ausgestattet wird, die wirtschaftstauglich sind.
Religion und Familie
Betrachtet man diese Frage jedoch nach ethischen Gesichtspunkten, dann spätestens stellt sich die Sinnfrage nach der seinsollenden Existenz und damit taucht auch die anfänglich ausgesparte, sinnstiftende Spiritualität und Mystik wieder auf. Die Säkularisierung der Gesellschaft trägt ihr religiöses Erbe noch in sich. Denn Religionen sind Symbolsysteme mit verbindlicher Welt- und Selbstdeutung. Vielleicht ist dies auch der Ansatzpunkt, die verschiedenen Aspekte wieder zu einem Ganzen zusammenzufügen. Mehr denn je suchen Menschen heute wieder religiöse Räume auf, werden die Gottesdienste wieder zunehmend besser besucht und hat das Wort der Kirchen subjektiv und gesellschaftlich wieder Gewicht. Jüngstes Beispiel dafür sind u.a. die Gebetstage gegen den Irak-Krieg. Nicht ohne Grund fordert die Kurie der römisch katholischen Kirche heute Christen dazu auf, sich zu ihrem Christsein auch zu bekennen und dafür einzutreten, wenn diese Fragen gesellschaftlich zur Debatte stehen.
Und nicht zu Unrecht sagen Kirchen, dass ein gotterfülltes Leben zur Zufriedenheit führt, zu einer ausgeglichenen Bilanz der Emotionen und der rationalen Weltwahrnehmung. Denn die Welt geht nicht allein im technisch Verfügbaren auf. Und entspricht nicht gerade die Vorhersehbarkeit des Alltagsvollzugs, die Strukturierung der Abläufe den von Aaron Antonovsky beschriebenen sozialen Figurationen, die den Kohärenzsinn ausmachen, um mehr gesund als krank zu sein? Der gesundheitsfördernde Aspekt von Religion jedenfalls wird mittlerweile von verschiedenen Seiten hervorgehoben.
Kirche und Familie
Welches Familienbild wird uns von Kirchen nun aktuell vermittelt? Nehmen wir im Bibeljahr die Bibel zu Hilfe und schauen stellvertretend für das Christentum auf der Homepage des Bistums Trier nach. Dort steht:
„Das Verhältnis zwischen Kirche und Familien ist kompliziert. Beide Seiten haben Erwartungen, die nicht einfach erfüllt werden. Ziele lassen sich nicht direkt aus der Bibel oder der kirchlichen Tradition ableiten. Mindestens zwei Aspekte fallen allerdings auf:
Familiäre Zusammenhänge spielen im Judentum und bis heute eine große Rolle. Familie taucht allerdings als Begriff in der Bibel nicht auf. Dort ist von "Haus" die Rede. Oft wird von schwierigen oder gebrochenen Verhältnissen erzählt, z. B. polygamen Formen der Nachwuchssicherung, außerehelichem Geschlechtsverkehr, Ehescheidung, Eifersucht, Habgier und Gewalt.
Die eher vergangenheitsbezogene, am Überlieferten festhaltende katholische Kirche, die selbst angesichts des allgemeinen Rückgangs des praktizierten Religiösen in unserer Gesellschaft in einer Tradierungskrise steckt, denn trotz Zulauf besuchen nur 5-7% der Gemeindemitglieder regelmäßig den Gottesdienst, kritisiert die unzureichende Familienförderung in unserem Land deutlich. So hat das Bistum Trier beispielsweise auch 10 Thesen zur Familienförderung aufgestellt, in denen u.a. von verbesserten Rahmenbedingungen in Unternehmen und Verwaltungen die Rede ist, von Lösungen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit, von einem neuen Geschlechter- und Gesellschaftsvertrag, von einem neuen Verständnis von Arbeit, von gleichen Zugangschancen für Männer und Frauen, von familiengerechten Arbeitsplätzen, von einer anderen Zeitpolitik, die die Pflege und Sorge für das Leben im umfassenden Sinn nicht der ökonomischen Rationalität unterordnet. Und weiter wird gefordert: Die Teilhabe an Erwerbstätigkeit für Frauen und an Versorgungsarbeit für Männer muss ohne Einschränkungen selbstverständlich sein. Eltern-Kind-Beziehungen müssen durch andere tragfähige soziale Beziehungen ergänzt und gepflegt werden.
Ist dies nun das kirchliche Aus für das Erfolgsmodell Familie oder ist dies die Antwort auf die Frage, wie die Familie der Zukunft aussehen könnte? Auch wenn der rituelle, sakramentale Umgang mit Geschiedenen und Wiederverheirateten in der katholischen Kirche bisher nicht gelöst ist, so hat diese, so scheint es jedenfalls, die Notwendigkeit grundlegender Veränderung erkannt. Denn radikaler als diese Thesen sind selbst die Programme der politischen Parteien nicht. Nicht die Geborgenheit steht also auf dem Spiel, wohl aber ihre strukturelle Organisation. Ein gesellschaftlicher Auftrag, den die Politik ernst nehmen muss.
Aktuelle familiale Veränderungen
Bedeutet dies nun andererseits, dass wir uns von der Kernfamilie, aktuell dem Drei- oder Vierpersonenhaushalt mit Vater, Mutter und Kind, verabschieden sollen oder müssen oder ist es eher ein deutsches Problem, dass die Geburtenrate sich hartnäckig bei 1,3 manifestiert. In Deutschland leben lt. Mikrozensus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Familienwissenschaftlichen Forschungsstelle im Statistischen Landesamt Baden-Württembergs in Stuttgart (1998) insgesamt 23,8 Millionen Familien, davon 9,4 Millionen Ehepaare ohne Kinder, 10,1 Millionen Ehepaare mit Kindern, 1,4 Millionen nichteheliche Lebensgemeinschaften ohne Kinder, 0,6 Millionen nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern, 2,2 Millionen allein erziehende Mütter und Väter, wovon 19% ledig und 84 % weiblich sind. Dies bedeutet, dass nur in der Hälfte aller Lebensgemeinschaften Kinder leben, wobei hier der nichtehelichen Anteil 2,6% beträgt. Der Familienforscher Prof. Dr. Wassilios Fthenakis spricht heute in Deutschland von kinderarmen Eltern und elternreichen Kindern. Er beschreibt verschiedene Indikatoren für den familialen Wandel und unterscheidet dabei zwischen quantitativen, qualitativen und Veränderungen der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen:
Als quantitative Indikatoren sind auszumachen:
Die sinkende Heiratsneigung: Sie hat sich lt. den europäischen Bevölkerungsdaten des Jahrbuches 2003 von Eurostat seit 1960 fast halbiert von 9,5 auf 4,7 Ehen bezogen auf 1000 Personen. Nur in Österreich und Schweden wird dieser Wert mit 4,2 bzw. 4,0 noch unterschritten. Die höchste Anzahl geschlossener Ehen hat Dänemark mit 6,6 und Griechenland mit 5,4 Ehen je 1000 Personen.
Ein späteres Erstheiratsalter: Bei Männern liegt es in Deutschland derzeit bei 31,6 Jahren am höchsten vor Island und Schweden mit 30 Jahren. Am jüngsten heiraten Männer in Polen mit 25 und in Belgien mit 26 Jahren. Frauen werden heute in Deutschland 28,8 Jahre alt, bevor sie zum Traualtar schreiten. Im europäischen Vergleich liegen sie damit an der unteren Grenze. Nur in Polen sind die Frauen mit 27 und Belgien mit 28 Jahren noch jünger. Das Höchstalter ist in Island, Schweden und Dänemark mit jeweils 32 Jahren zu finden.
Die gewandelte Einstellung zur Ehe: Die Ehe als unersetzliche soziale Institution wurde 1963 von 86% der Frauen und 81% der Männer angesehen; 1985 sank die bei den Frauen auf 38% und bei den Männern auf 30%. ༨?die Zunahme der nichtehelichen Lebensgemeinschaften: im Zeitraum zwischen 1970 und 1996 hat sich deren Anzahl mehr als verzehnfacht
Das Leben als Single: Die Zunahme der Einpersonenhaushalte ist auf die steigende Zahl der Einpersonenhaushalte mit einem Lebensalter zwischen 25 bis unter 45 Jahre zurückzuführen. Ihre Zahl hat sich seit 1961 mehr als verfünffacht. Entsprechend dem Familienstand dieser Altersgruppe veränderte sich auch der Anteil der Ledigen an den Einpersonenhaushalten. Er stieg auf 46%. Die Zahl der Verwitweten fiel von 47% auf 34%. Das bedeutet, dass fast die Hälfte der Alleinlebenden Singles sind. Heute bleiben 25% der Bevölkerung lebenslang ledig.
Zurückgehende Geburtenrate: In Deutschland liegt sie zusammen mit Griechenland und Österreich bei 1,3. Wir zählen damit in Europa nach Spanien mit 1,25 und Italien mit 1,24 zu den Ländern mit der drittniedrigsten Geburtenrate.
Steigende Kinderlosigkeit: 20% der Paare bleiben kinderlos
Steigende Scheidungsrate: sie liegt derzeit bei 35,2% in Deutschland, wobei wir in Europa hier im mittleren Sektor liegen. Sie schwankt zwischen 49% in Dänemark und 15% in Griechenland.
Zunahme nichtehelicher Geburten: In Deutschland werden 24% aller Kinder nichtehelich geboren. Im europäischen Vergleich liegen wir dabei im mittleren Sektor. Die niedrigste Rate hat Griechenland mit 4,1%, die höchste Schweden mit 55,5%.
Die Zunahme des Alters der erstgebärenden Frauen: In Deutschland werden Frauen 30,5 Jahre alt, bevor sie Mutter werden. Nur in Irland sind Frauen minimal älter mit 30,6. Am jüngsten sind die Frauen in Österreich mit 28,2 Jahren.
Alleinerziehende Eltern: 37% der Kinder leben mit einem geschiedenen Elternteil zusammen, in den neuen Bundesländern sogar 44%.
Stieffamilien bzw. Patchworkfamilien: lt. statistischem Bundesamt heiraten etwa zwei Drittel der geschiedenen Männer wieder. Die Zahl der Stieffamilien, d.h. die Wiederheirat geschiedener Eltern oder neue Partnerschaften ohne Ehe wird auf 2,6 Millionen geschätzt. Danach wäre jede 5. Familie in den alten Bundesländern eine sog. Patchworkfamilie.
Verlängerte Lebenserwartung: fast alle Kinder lernen heute ihre Großeltern kennen, viele auch die Urgroßeltern. Gesunken hingegen ist die Zahl der Geschwister, Onkeln und Tanten.
Qualitative Indikatoren Die qualitativen Veränderungen sieht der Familienforscher in
Veränderungen der Motivation zur Ehe oder Partnerschaft und verändertes Sexualverhalten: Diente die Ehe in vergangenen Jahrhunderten zunächst nur der rechtlichen Absicherung und Weitergabe von Besitztümern, wurde im 19. Jahrhundert die Ehe institutionalisiert, um die politischen, wirtschaftlichen und ökonomischem Veränderungen aufzufangen infolge der Industrialisierung einhergehend mit der Auflösung des Gesindehaushaltes und der Bildung der bürgerlichen Familie. Die Familie wurde als Keimzelle der Gesellschaft gesehen und damit entsprechend gesetzlich reguliert. Bei der Partnerwahl entschieden nicht nur die Ehewilligen, sondern auch die Eltern, der Heiratsvermittler, der Staat und die Kirchen. Nach dem zweiten Weltkrieg stellte sich die Sinnfrage der Ehegründung neu. Veränderungen in den gelebten Partnerschaften zwischen Mann und Frau, hervorgerufen durch die Möglichkeiten der konzeptionellen Verhütungsmethoden und des Rechtes der Frau auf eine eigene Berufstätigkeit seit 1978 weg von patriarchalisch geprägten Strukturen hin zu gleichberechtigter Partnerschaft lösten eine radikale Neuorientierung bei der Eheschließung aus. Nicht mehr vordergründig wirtschaftliche Versorgungsaspekte oder sozialkonforme, normativ geprägte Motivationen waren entscheidend. Wichtiger wurden psychologische Gründe. Im Mittelpunkt stand der Kinderwunsch. Dieses kindzentrierte Familienmodell, das auch die soziale Konstruktion der Elternrolle ermöglichte, d.h. wie sich eine gute Mutter oder Vater zu verhalten hatten oder was sie sein sollten, erfuhr in den letzten Jahren eine weitere radikale Veränderung. Denn nicht mehr das Kind steht im Mittelpunkt der Überlegungen, eine Ehe einzugehen, wie die genannten Zahlen eindeutig belegen. Vielmehr geht es um die Frage nach dem größtmöglichen persönlichen Glück. Da dies nur subjektiv bestimmbar ist und auch das Ergebnis eines Aushandlungsprozesses zwischen den Ehepartnernist , kann hier eine soziale Konstruktion, die auch eine Einflussnahme der Gesellschaft erlaubt, nur schwerlich erfolgen. Hinzu kommt, dass diese Form des Zusammenlebens keine Vorbilder hat und das Paar sich in einem kokreativen Prozess erst zusammenfinden muss. Dass dies häufiger scheitert ist so gesehen nicht verwunderlich.
Im veränderten gesellschaftlichen Status der Frau: Mit dem Recht auf eine eigene Berufstätigkeit änderte sich auch der gesellschaftliche Status der Frau. Frauen definieren sich heute nicht mehr nur als Ehe- und Hausfrau. Sie erwerben und erarbeiten sich eine eigene berufliche Biographie und sind wirtschaftlich unabhängiger geworden. Im Vordergrund steht das Streben nach einer eigenen sozialen Identität.
In der Neubewertung der Vaterrolle: Elternschaft bedeutet heute, dass grundsätzlich Mütter und Väter gleichermaßen in der Lage sind , ihre Kinder zu erziehen und sie auf ihrem Lebensweg zu begleiten, auch wenn dies bei den einzelnen Paaren immer noch sehr unterschiedlich praktiziert wird.
Im gewandelten „Wert“ des Kindes: was bedeutet, dass die Nutzerwartungen i. S. eines direkten Helfers beim Erwerb des Lebensunterhaltes für die Familie durch Kinder sich radikal gewandelt hat. Heute steht der psychische „Nutzeffekt“ im Vordergrund, d. h. die Freude und Sinnstiftung, die durch das Erleben des Aufwachsens eines Kindes erwächst.
In einer stillen Revolution in der Erziehung: die absolute Mehrzahl der Kinder betrachten lt. der Shell-Studie zweifelsfrei Eltern als die wichtigsten Personen in ihrem Leben. Auch die elterlichen Erziehungseinstellungen betonen heute kindliche Autonomie und Unabhängigkeit während Werte wie Gehorsam und Unterordnung danach auf 10% gesunken sind.
Veränderungen der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
Veränderungen der Rahmenbedingungen im gesellschaftlichen System, hervorgerufen durch gesamtwirtschaftliche Veränderungen nie gekannten Ausmaßes wirken sich direkt auf die Familien und die Erziehungsarbeit aus. Bedeutsam sind hierbei
Die stärkere Mobilität die zu einem Rückgang sozialer Netzwerke und demzufolge weiteren Veränderungen im Leben von Familien führten,
Die Zunahme kultureller und sprachlicher Unterschiede durch Zuwanderung die auf der einen Seite eine stärkere Heterogenität der Gesellschaft und damit auch einen Verlust an verbindlichen Normen und Orientierungen bewirken und auf der anderen Seite zu Identitätskonflikten nicht deutscher Kinder führen.
Die wachsende Verschlechterung der wirtschaftlichen Lebensbedingungen für Eltern und Kinder, das Ansteigen der Armut von Kindern und kinderreichen Familien und damit eine wachsende Chancenungleichheit von Kindern und Paaren mit Kindern.
Der deutsche Muttermythos
Das Nichtreagieren der Politik auf diese Veränderungen manifestiert sich heute in einer Art Verweigerungshaltung, in der das persönliche Glück, das sowohl in beruflicher Karriere als auch in partnerschaftlichen Beziehungen mit oder ohne Kind gesucht wird, bevorzugt wird, will sagen, es findet eine Abwägung zwischen Sinn und Nutzen familiärer Bindungen statt. Hat die fehlende gesellschaftspolitische Neuorientierung, die notwendigerweise zu neuen Formen der Familienförderung führen muss um den realen Veränderungen auch zu entsprechen, möglicherweise auch etwas mit dem Muttermythos zu tun, der sich in unserem Land hartnäckig daran festmacht, dass primär Frauen für die Familienarbeit zuständig sind, weil dies ihr eigentlicher existentieller, weil biologischer Auftrag sei? Betrachtet man die deutsche Familienpolitik, gewinnt man die Überzeugung, dass wir eine unreflektierte Haltung übernommen haben, die wir nur dann ändern können, wenn wir ein Stück weit deutsche Geschichtsbewältigung betreiben und die Mutterschaft aus ihrer ideologischen Umklammerung, die uns das Nazideutschland hinterlassen hat, herauslösen, um die Strukturen zu verändern und neue aufzubauen.
Die nationalsozialistische Propaganda zielte darauf ab, den Beruf Mutter mit dem des deutschen Frontsoldaten gleichzustellen, um die Reproduktionsrate zu erhöhen. Die Familie wurde instrumentalisiert. Schließlich musste genügend Menschenmaterial für die mörderischen Feldzüge zur Verfügung stehen. Das angebotene System der gesellschaftlichen Anerkennung mit dem Mutterkreuz als Symbol, das je nach Gebärleistung bronzen, silbern, golden oder eisern war, funktionierte. Dass Frauen die gerade gewonnene Gleichberechtigung wieder abgesprochen wurde, dass Emanzipation als Ausgeburt des jüdischen Intellekts gebrandmarkt wurde und sie Pflichtjahre absolvieren mussten, um ehetauglich zu werden, dass sie vor der Aufnahme eines Studiums, falls sie überhaupt zu den 5% der Auserwählten gehörten, ihre Haushaltsfähigkeiten durch Prüfungen beweisen mussten, all dies ist heute nicht mehr bewusst. Auch nicht, dass wir den Muttertag in Deutschland den Nationalsozialisten verdanken, weshalb man ihn eigentlich abschaffen müsste. Die einzige Pflicht und Berufung für die deutsche Frau war damals die Mutterschaft. Ich erinnere mich an einen Satz meiner Mutter, die einmal sagte, Hitler hätte ihr das eiserne Mutterkreuz verliehen. Dies sagte sie nicht ohne Ironie, aber auch nicht ohne Verbitterung, die auch deutlich hervor kam, als sie erzählte, dass sie keinen Beruf erlernen durfte, aber doch arbeiten musste, und zwar unentgeldlich für andere. Als Bildungsinstitut stand dieser Frauengeneration nur die Haushaltsschule offen.
Die Nachkriegsfamilie
Diese Prägung, die gleichermaßen Sinngebung und Identifikationsmöglichkeiten anbot und eben auch ambivalente Haltungen hervorrief, hat sich lange in dieser Müttergeneration gehalten. Sie wurde im Nachkriegsdeutschland unbesehen übernommen, allerdings ohne Frauen die gesellschaftliche und wirtschaftliche Anerkennung zukommen zu lassen, die sich daraus auch notwendigerweise ergibt. Weshalb auch die Nachkriegsgenerationen ebenfalls eigene Kinder benötigten, um zu erkennen, dass die Leistung der Frauen von der Gesellschaft nicht entsprechend honoriert wird. Auch hier erinnere ich mich an ein anderes Gespräch vor gut 15 Jahren mit einem damals Endvierziger, der mir erzählte, dass seine Tochter eine gute Ausbildung habe, beruflich etabliert wäre, aber nun, da sie Mutter geworden sei, nur noch für den Haushalt und die Familie da sein solle und das alles ohne wirtschaftliche Absicherung. Dies könne nicht richtig sein.
Und an diesem Punkt werden viele Frauen darüber nachdenken, wie es ihnen ergangen ist, als sie den Mut aufbrachten, Kinder in die Welt zu setzen. An den Identitätsverlust als Subjekt zum Beispiel, weil sie nur noch als Mutter wahrgenommen und andere Ansprüche sanktioniert wurden oder an die wirtschaftliche und soziale Abhängigkeit, in die sie gerieten, wenn sie ihren Beruf aufgegeben hatten oder nur noch Teilzeitarbeit leisten konnten, weil dies einfach anders nicht zu handhaben war. Barbara Vinken, Professorin für Romanistik an der Universität Hamburg, forderte im vergangenen Jahr einen Rabenmuttertag ein, um den langen Schatten des Mythos der deutschen Mutter endlich abzulegen.
Familienförderung heute
Ein Schritt in Richtung Familienförderung heißt also: Die gesellschaftliche Rollenzuweisung muss auf den Prüfstand bzw. Gleichberechtigung, d.h. die Vereinbarung von Familie und Beruf, muss endlich für Frau und Mann lebbar werden. Selbst wenn Mann heute im Jahr 2003 neue Erkenntnisse zulässt und sich der sogenannten neuen Vätergeneration anschließen will, hat er damit ein Problem. Auch der männliche Elternurlaub ist in der Wirtschaft das Aus für die berufliche Karriere. Es ist immer noch eine Ausnahme, wenn z. B. ein Bürgermeister in den Elternurlaub geht. Ob jemals ein deutscher Manager sich diesen Luxus leistete, konnte ich leider nicht herausfinden. Ein positives Beispiel, auf die Fragen unserer Zeit konstruktiv einzugehen, ist im Saarland u.a. IDS Scheer. Mit der Einrichtung eines Betriebskindergartens bietet er Mann und Frau die Möglichkeit, Familie und Beruf ohne großen organisatorischen Aufwand unter einen Hut zu bringen. Dass dies nicht nur aus reiner Menschenfreundlichkeit heraus geschah wird deutlich, wenn man bedenkt, dass im IT-Bereich hochqualifizierte Frauen arbeiten, die bei struktureller Unterversorgung der Familien längere Zeit ausfallen würden. Vielleicht ist dies auch die Basis, an der Gewerkschaften zukünftig Lohnerhöhungen messen sollten. Wenn sie als Lohnausgleich den Aufbau familiengerechter Strukturen in Industrie und Handel anerkennen würden. Mehr Familie in Betrieben bedeutet auch mehr Wohlbefinden und mehr Wohlbefinden eine höhere Produktivität der Arbeitnehmer. Zudem herrscht in Betrieben mit familiären Strukturen eine hohe corporate identiy. Leider bringt die von allen geforderte Öffnung bzw. Abschaffung der festen Ladenzeiten genau das Gegenteil hervor: Noch mehr Familien werden auseinandergerissen, denn im Handel sind davon überwiegend Frauen betroffen. An diesem Punkt wird deutlich, dass Wirtschaft und familiäres Zusammenleben widerstreitende Geister sind, die zur Zeit jedenfalls meist zu Ungunsten der Familien ausgehen. Auch hier steht die Politik vor einer großen Herausforderung. Denn andererseits gräbt Massenarbeitslosigkeit Familien den Boden ab, auf dem sie stehen.
Zukunft der Familie
Können und wollen Paare sich also heute noch Kinder leisten, ist die Familie in Zukunft noch Realität oder wird sie eher zu einer unzeitgemäßen Erscheinung weniger sogenannter Unverbesserlicher verkümmern, die am Überlieferten festhalten wollen? Gerade in einer Zeit, in der der Humanismus fast unbemerkt zu einer relativen Größe und damit zum Verhandelbaren umgeschrieben wird, ist die Familie der Ort, an dem Menschen Zuflucht suchen und finden können, gewissermaßen als eine Art Gegenwelt oder sozialer Enklave, in der die Maximen der Wirtschaft nach größtmöglichster Gewinnmaximierung, in diesem Fall der zwischenmenschlichen Beziehung und der Außenwelt keine Geltung haben. Die Familie als sinnstiftende Lebensform hat deshalb an Attraktivität nichts eingebüßt. Denn nicht umsonst heiraten Menschen auch nach einer oder mehreren Scheidungen wieder. Und damit kommen wir zur Frage der sogenannten Patchworkfamilie. Leben Menschen in Lebensgemeinschaften ungesünder, in denen die verwandtschaftlichen Beziehungen komplexer sind, in denen beide Partner bereits eigene Kinder in die neue Lebensgemeinschaft miteinbringen und vielleicht auch noch eigene Kinder folgen?
Gerade in dieser Frage wurde sowohl in der Politik als auch in der Forschung die Betrachtungsweise bisher auf Problemstellungen und Defizite ausgerichtet. Nur der Neigung zu negativen Entwicklungsergebnissen wurde nachgegangen, die unter Risikobedingungen auftraten. Es gilt aber auch, daneben die Bedingungen zu identifizieren, die die Widerstandskraft von Individuen und Familien stärken und wie sich diese im Lebenszyklus verändert und entwickelt, insbesondere wenn Trennungssituationen bewältigt werden und andere soziale Kompetenzen ausgebildet werden, die es ermöglichen, neue Lebensperspektiven aufzubauen. Hierzu empfiehlt Prof. Fthenakis Längsschnittstudien zwischen diesen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und auch den kulturellen Gruppen. Denn was unterscheidet Kinder, die in einem gesellschaftlichen System aufwachsen, in dem Kinder von klein auf außerhäuslich betreut werden, wie übrigens in den meisten Nachbarstaaten Europas, von deutschen Kindern. Die Pisa-Studie hat uns jedenfalls deutlich vor Augen geführt, dass dies nicht zu mangelnder Bildung führt sondern ganz im Gegenteil eine hohe Leistungsbereitschaft und –fähigkeit hervorgerufen hat. In Holland erhält beispielsweise die Familie nach der Geburt eines Kindes eine Haushalts- und Familienhilfe, die die Eltern bei allen täglichen Arbeiten aktiv entlastet und die eigene Berufstätigkeit weiterhin möglich ist. In Russland wird bereits im Kleinkindalter ein strukturiertes kreatives Bildungsangebot gemacht, so dass die Begabungen der einzelnen Kinder frühzeitig gefördert werden können und in Frankreich wirkt sich Kindersegen nicht hemmend sondern fördernd auf die Karriere von Frauen aus, weshalb die Geburtenrate trotz fehlendem Kindergeld beim ersten Kind auf 1,9 angestiegen ist.
Ergebnisse der Befragung
Wie sehen dies die Bürgerinnen und Bürger im Stadtverband Saarbrücken?
Das sinnstiftende Element der Familie wurde von zwei Drittel der Befragten hervorgehoben. Mehr als ein Drittel suchen in der Familie Geborgenheit und zwischenmenschliche Nähe. Identitätsstiftend wirkt sich für 24,1 % der Befragten die Zusammengehörigkeit zu einer sozialen Gruppe, der Zusammenhalt und die Gemeinschaft aus.
Die Einstellung zur Ehe als unersetzliche soziale Institution bzw. die Familie als für die Gesellschaft notwendige Struktur gaben nur 14,9% an, obwohl 73,5% die eheliche Lebensgemeinschaft bevorzugen, um Kinder zu erziehen. Bemerkenswert hoch ist die Toleranzgrenze gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaft als Familienkonstellation für Kinder mit 8%.
Die Veränderung zum partnerschaftlichen Miteinander spiegelte sich auch in der Frage nach der Familienstruktur wieder. Nur jeder vierte Befragte sieht den Ehemann und Vater in der ausschließlichen Ernährerrolle. 31% bevorzugen sich eine paritätische Aufteilung der Erwerbstätigkeit in jeweils 6 Stunden bzw. 19,5% in jeweils 4 Stunden. Der Wert für gleichgeschlechtliche erwerbstätige Lebensgemeinschaften stieg hier sogar auf 16,1% an.
Bei den Erziehungszielen legten 75% Wert auf Ehrlichkeit, 62% auf Selbständigkeit und 60% auf Selbstbewusstsein. Die Betonung der kindlichen Unabhängigkeit und Autonomie wurde somit bestätigt. Anpassungsfähigkeit nannten nur 5,7% und Unterordnung gar nur noch 2,3% der Befragten.
Erziehungshilfen nahm jeder vierte Befragte bereits in Anspruch, wobei die Hälfte 1 bis 2 Beratungstermine benötigten. Für 16% der Paare werden Erziehungsfragen häufig bis ständig zu Streitpunkten in der Partnerschaft. Familienkonflikte lösen 74% durch Diskussionen. Alltagsprobleme werden von knapp der Hälfte der Befragten nach dem Abendessen besprochen. Die gemeinsam verbrachte Zeit beträgt während der Woche im Durchschnitt 3 Stunden, am Wochenende zwischen 7 und 8 Stunden.
Bei der Frage der Haushaltsformen gaben 35% der Befragten an, nur mit den eigenen Kindern zusammenzuleben, 29% lebten alleine. Mehrgenerationenhaushalte gaben 24 %, wovon ein Drittel mit den Eltern und Kindern zusammenlebten, 29% mit den Eltern, 14% mit den Großeltern. In Drei-Generationen-Haushalten lebten davon 24%.
Die Pflege der Familienfeste betrifft vornehmlich das Weihnachtsfest. 74,7% feiern es zusammen mit der Großfamilie.Hochzeit und Kommunion wird von der Hälfte der Befragten mit der gesamten Familie gefeiert.
Bei der Frage nach der staatlichen Familienförderung sagten mehr als die Hälfte, dass der Staat zu wenig tut, um Familien zu unterstützen und 20% sagen, dass er viel zu wenig tut. 7% attestieren ihm sogar, dass er seinem verfassungsmäßigen Auftrag zur Förderung der Familien nicht nachkommt.
Schlussbemerkungen
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Familie als Lebensform für die Menschen in unserem Land weiterhin die höchste Bedeutung hat. Ob sie diese jedoch aufgrund der dargestellten Veränderungen in den Familien und den sie umgebenden Bedingungen in der Gesellschaft noch leben können, hängt vielmehr davon ab, wie für die Zukunft die strukturellen Gegebenheiten und Rahmenbedingungen gestaltet werden und davon, dass das Familienbild selbst kulturelle und strukturelle Vielfalt bejaht und als ein dynamisches, sich entwickelndes System betrachtet wird ohne ideologische Verstellungen und politische Instrumentalisierung. Familienprävention kann nur heißen, Unterstützung und Hilfen anzubieten, damit Familien selbst die Kompetenz erwerben können, mit den Veränderungen im Laufe ihrer Entwicklung und mit dem Belastungen in ihrem Leben angemessen umzugehen.
Literaturverzeichnis Am demographischen Abgrund. Prof. Dr. Dr. Udo di Fabio. FAZ.net vom 6.2.03. www.faz.net Bevölkerungsdaten. Statistisches Bundesamt 2002. www.destatis.de Chronik zur Familienpolitik.Birgitta Fella. FaZ Archiv. www.faz.de Die deutsche Mutter. Der lange Schatten eines Mythos. Barbara Vinken. Piper. 2002. Die Ödipus-Sage. Inzestreferat vom 17.6.02. www.ruhr-uni-bochum.de/biopsysem...20ss02/inzest/Internetpraesentation.htm Einstellungen zu Ehe und Familie im Wandel der Zeit. R. Köcher. Repräsentativuntersuchung im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit, Familie und Sozialordnung Baden-Württemberg. Stuttgart. 1985. Es lebe der Rabenmuttertag? Barbara Vinken. RennerInstitut Wien. 2002. Europäische Sozialstatistik. Eurostat Jahrbuch 2003. www.europa.er.int/comm/eurostat Familienratgeber.Ministerium für Frauen, Arbeit, Gesundheit und Soziales. Saarland. Saarbrücken. April 2003. France in facts and figures. www.insee.fr Fünfter Familienbericht. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Bonn 1995. Greece in figures. National Statistical Service of Greece. www.statistics.gr Hat Familie Zukunft? Prof. Dr. Dr. Wassilios E. Fthenakis. www.fthenakis.de Familie heute – Chancen und Möglichkeiten von Gemeinden. www.bistum-trier.de In Frankreich immer mehr Großfamilien. Michael Wiegel. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12.10.02, Nr. 237, Seite 7. www.faz.net Länderprofil Frankreich. Statistisches Bundesamt. www.destatis.de Länderprofil Russland. Statistisches Bundesamt. www.destatis.de Leben in Stieffamilien. Familiendynamik und Alltagsbewältigung in neuen Familienkonstellationen. I. Friedl, R. Maier-Aichen. Juventa. Weinheim, München 1991. Nur die lohnarbeitende Mutter ist eine gute Mutter. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 3.11.02, Nr. 44 Trierer Thesen zur Zukunft von Familien und Erwerbsarbeit. www.bistum_main.bistum_unten.27/h....bistum-trier.de/familie/info/info5htm Schutz oder Risiko? Familienumwelten im Spiegel der Kommunikation zwischen Eltern und ihren Kindern. Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung. Band 11. Hrsg. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Köln2000. Sozialisation – Eine Einführung. U. Popp und K. J. Tillmann. Statistik Finnland. Bevölkerungsstatistiken. www.stat.fin Statistics Netherlands, Voorburg/Heerlen 11/12/2003. www.statline.cbs.nl Stirbt die Familie? Gründe und Folgen der Schwächung einer Institution. J. Dorbritz. FAZ vom 21.12.1999. Wie leben die Deutschen? Materialien zur Familienpolitik Nr. 10. Johannes Gutenberg-Universität in Zusammenarbeit mit der Familienwissenschaftlichen Forschungsstelle im Statistischen Landesamt Baden-Württemberg in Stuttgart. 2000. Wie stabil ist die moderne Kleinfamilie? Hans Bertram. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeiten vom 2.3.03, Nr. 9, Seite 60. www.faz.net Wie leben Familien heute? Bevölkerungsbefragung des Gesundheitsamtes der Stadtverbandes Saarbrücken. Vera Hewener. Hefte zur Gesundheitsberichterstattung. Nr. 04/03 (in Vorbereitung). Hrsg. Stadtverband Saarbrücken. www.stadtverband-saarbruecken.de Zur Problematik der familialen Sozialisation. Hans-Jürgen Hansen. www.westkuestenet.de/gesell3.htm
|