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Vera Hewener Die Website für Literatur, Kultur und Gesellschaft
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Verwirbelungen der Zeit. Gedichte Vera Hewener mit Bildern von Carolin Isele Éditions Paris E.U.R.L. WiKu-Verlag Berlin/Paris ISBN 3-86553-203-9. Preis: 18,65 Euro.
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Saarbrücker Zeitung vom 21.7.05 Verwirbelungen der Zeit Vera Hewener stellt ihren neuen Gedichtband vor, der Illustrationen von Carolin Isele enthält
Von SZ-Mitarbeiterin Beatrix Hoffmann
Malerei inspiriert Wort: Unter dem Titel "Verwirbelungen der Zeit" bringt Vera Hewener ihre neuen Gedichte heraus. Illustrationen von Carolin Isele gaben teilweise den Anstoß für die Lyrik. Die beiden Künstlerinnen arbeiten schon seit einiger Zeit als Team.
Köllerbach. Vera Hewener wurde bereits, bevor ihr neuestes Buch "Verwirbelungen der Zeit" gedruckt vorlag, für ihre Gedichte in Thionville mit einem europäischen Literaturpreis ausgezeichnet. Die Autorin aus dem Köllertal hatte Gedichte in deutscher und in französischer Sprache zum Wettbewerb eingereicht. Die Gedichte in ihrem neuen Buch handeln von Reisen im weitesten Sinn, sie erzählen von Reisen durch die Zeit in die Vergangenheit und in die Zukunft und von realen Reisen, wie zum Beispiel Fahrten nach Griechenland oder Ausflügen nach Bernkastel. Das besondere an dem Buch ist, dass er Illustrationen von Kunsterzieherin Carolin Isele aus Walpershofen enthält. Die Bilder von Carolin Isele sind jedoch keine Illustrationen im klassischen Sinn. Denn hier folgte nicht der Text dem Bild, sondern umgekehrt, die Bilder waren zuerst da oder wurden von der Malerin passend zur Lyrik ausgewählt. Das kreative Team Hewener/Isele fand vor wenigen Jahren aus Anlass einer Ausstellung in der Riegelsberger Rathausgalerie zusammen. Auf Anregung des dortigen Kulturamtes schrieb Vera Hewener damals Gedichte passend zu Carolin Iseles Gemälden. Das Titelbild des Buches stammt übrigens ebenfalls aus dem Atelier in Walpershofen und war unter dem Titel "Partygeflüster" in einer Ausstellung im Völklinger Caf&; Umwalzer zu sehen. Bei der Buchvorstellung in Uhrmachers Haus in Köllerbach werden Gemälde von Carolin Isele präsentiert. Auch die Farbenpracht berühmter Maler wie Vincent van Gogh hat Vera Hewener zu Gedichten inspiriert. Neben der Malerei, den Reisen und Spaziergängen ist die Musik eine ihrer künstlerischen Quellen. Heweners lyrisches Werk umfasst auch Sozialkritik und Alltagsthemen. 1986 wurden zum ersten Mal Gedichte von ihr in der Theaterzeitung des Saarländischen Staatstheaters veröffentlicht. Vor zehn Jahren erschien Vera Heweners erstes Buch "Vermisstenanzeige", das übrigens ebenfalls, damals in Rom, mit einem ersten Preis auf internationaler Ebene ausgezeichnet wurde. Als Mitglied der Köllertaler Künstlerinitiative (KIK) nimmt Vera Hewener mit Gedichten an Gruppenausstellungen teil. So schrieb sie beispielsweise für die Ausstellung "Faites vos jeux" im Völklinger Rathaus Gedichte in französischer Sprache. Bei der Ausstellungsreihe Kunst im Schrank, die im Püttlinger Schlösschen geplant ist, will sie sich ebenfalls beteiligen. Die Buchvorstellung findet am morgigen Freitag, 22. Juli, 19.30, in Uhrmachers Haus statt.
Saarbrücker Zeitung vom 19.8.05 Im faulen Lehm der Gegenwart Von SZ-Mitarbeiterin RUTH ROUSSELANGE
1986 erschienen ihre ersten Gedichte in der Theaterzeitung des Staatstheaters. Mittlerweile hat Vera Hewener mehrere Lyrik-Bände veröffentlicht. Der neueste Band wurde mit dem Grand Prix Europ&;en ausgezeichnet
Saarbrücken. Vera Heweners Gedichte scheinen in ein beständiges Flimmern gebettet. Um Wind, Licht, Farben sind sie zentriert, Wasserflecken spielen auf Sandbildern, Lichtküsse, nebelfeuchtes Federgras. Im faulen Lehm der Gegenwart lagern Zeitkristalle. "Verwirbelungen der Zeit" heißt der neue Lyrikband der in Saarwellingen geborenen Autorin. Neben eindringlichen Naturgedichten enthält er Reiselyrik, Mythologisches, von van Gogh-Gemälden und Musik-stücken Inspiriertes. Auch die im Band versammelten Bilder der in Riegelsberg lebenden Künstlerin Carolin Isele hat Hewener bedichtet. Zart sind die Eindrücke, die ihre Gedichte hinterlassen, fast glaubt man, sie säßen nur flüchtig auf den Seiten, wollten sich, uneingezwängt, einfach davonmachen. Gerade hat ihr CEPAL, das renommierte europäische Zentrum zur Förderung der Kunst und Literatur in Frankreich, im Rahmen seines 10. Internationalen Literaturwettbewerbs den "Grand Prix Europ&;en" zuerkannt. Sie erhält ihn für Gedichte aus diesem Band und französische Gedichte über Paris. Auch ihr "Tango der Wörter" aus dem Libretto "Schrei der Freiheit" zur Musik von Christos Ktistakis erhielt 2004 von CEPAL den 1. Preis, Sparte "Deutsche Sprache". Ebenso ausgezeichnet der 2003 erschienene Gedichtband "Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken." Überhaupt hat Hewener, von der nunmehr fünf Bücher erschienen sind, einige Auszeichnungen auf internationalen Literaturwettbewerben gewonnen. Die Lyrik ihres ersten Buches "Vermisstenanzeige", 2000 erschienen, befasste sich mit Geschehnissen während des Zweiten Weltkrieges, mit Judenverfolgung unterm Naziregime. Mit "Lichtflut", 2001, folgten Reisegedichte und Tagebuchnotizen, spätere Bände thematisieren Sozialkritisches, aber auch immer wieder Liebes- und Naturlyrik, der Hewener in ihrem jüngsten Band treu geblieben ist. Inspirieren lässt sie sich von aktuellen Themen, von Orten, Stimmungen, Begegnungen mit Menschen. "Es kann aber auch ein Stadtspaziergang im Sonnenschein sein", erklärt sie vor einem Café; am St. Johanner Markt sitzend, zurückhaltend lächelnd. "Dann mache ich eine Wortfotografie dieses Bildes." Da ist es also wieder, das Licht, das ständig zwischen ihren Zeilen durchblitzt. Rilke, Krolow, Szymborska bewundert die diplomierte Sozialarbeiterin, während sie ein Houellebecq eher zu Gegentexten reizt. Ihre Neigung zum Musikalischen, die Musikgedichte zu Klavierstücken von Heitor Villa-Lobos oder Sonette zu Vivaldis "Vier Jahreszeiten" kommen nicht von ungefähr. Schon mit 13 sang sie in der Band ihres Vaters, machte später eine dreijährige klassische Gesangsausbildung bei einer Opernsängerin. Von 1982 bis 1987 wirkte sie im Konzert- und Extrachor des Saarländischen Staatstheaters mit. Als 1986 ihr Sohn zur Welt kam, gab es eine musikalische Pause, im gleichen Jahr erschienen, vom damaligen Schauspieldirektor Lothar Trautmann angeregt, ihre ersten Gedichte in der Theaterzeitung des Staatstheaters. Seitdem hat sich viel getan. Gerade ist der neue Band auf dem Markt, im Juli war die Präsentation im Köllerbacher "Uhrmacherhaus" - und schon plant sie das nächste Buch. Zweisprachig soll es werden, deutsch-französich, die Hälfte der Lyrik ist schon geschrieben. Ganz sicher wird sich auch darin wieder das Meer, die Zeit, der Wind finden, der auch jetzt, wie zur Erinnerung, ungestüm an über Bistro-Tischen aufgeschlagen Zeitungsseiten reißt.
Vera Hewener: Verwirbelungen der Zeit. Lyrik mit Bildern von Carolin Isele. Wiku Verlag, 18,65 Euro.
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Inhalt
Glaub es Endliches Leben Leuchte mir Aufschauen Rosentöne Blütenschaumzauber Morgenwehen Müßige Stunden Grünland Frühlingsserenade Rotblütenmal Stiller Tag der Ernte Sämanns Korn Spätes Lächeln Glücksmaß Muschelhorn Im Haus der Zeit Hochwassermarke Messwerk der Erinnerung Keilschrift der Seefahrt Doppelpunkte der Dämmerung ASandbildbsperrungen Sprache des Ozeans Entladungen Früher Mittag Mittagsglocke Ein Sommerspiel Mittagswald Meerufer Grenzöffnung Zeitklippen Menschenleere Nei pori Larissa Göttertreiben Nacht fällt ins Licht Sternenwirbel Nachtopal Farbenguss der Dunkelheit Verschlossene Sterne Wie wirklich sah ich dich Mondtöne Sternenschaum Götterbote Poseidons Tochter Wiedergeburt Prometheus Variation 1-3 Erschütterung Das Chaos Steintränen Kueser Plateau Weihnacvhtsmarkt Burg Landshut Annakapelle Beine Auf der Bank éthnos Was du mir tust Straße der Kindheit Lebensmelodie Herzdämm`rung Das Unbegreifliche Tango der Wörter Blumensuite 1-3 Die Familie der Babys 1-8 Ciclo Brasileiro 1 Die vier Jahreszeiten
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Zum Bild: Grünes Weizenfeld mit Zypresse 1888. Vincent van Gogh.
Grünland
Vera Hewener
Weizenmeer in helloliv margarethengelb gepaart Zypressen überragt
weißgetünchte Häuser sträucherumschützt
Wolkenblüten lichtbestickt
tiefgründiges Grünland
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In Haus der Zeit
Vera Hewener
Im Haus der Zeit wohnt eine Seele fein in vielen unbekannten Zimmern. Sie lädt mich ein zum Hoffnungsträumen, Salons in Samt und Seide flimmern. Es zärtelt Schonzeit mit ihren Kinderfläumen und zaubert mich ins Märchenschloss hinein.
Die Feenwelt erwacht, sie singen mit glockenklaren Stimmen Psalmen, in durchsichtige Tücher eingewandet, die Kränze geflochten aus Rosen, Gräserhalmen. Ein Sturm aus wundersamen Wünschen brandet und trägt mich fort auf weit entrückten Schwingen.
Das Sehnen perlt auf meiner Haut in Bildern, mit tausend Wünschen überzogen. Ein Herz im Glanz, in güldenen Palästen. Der Hofstaat schart sich um den Dogen und lockt mit ausgemachten Festen. Der Weg, ein Labyrinth aus Schildern.
Die vielen Türen, die sich mir empfehlen, verwirren mich, sie schreien nach Entscheidung. Die Zeit pocht hörbar in den Wänden. Erhofft das Zeithaus die Bekleidung seiner Tage mit Lebensbänden. Wes‘ Tür ich nehm’, des‘ Zeit ich stehle.
Im Haus der Zeit wohnt eine Seele fein, in Räumen, die mich jäh erwarten: ein Scheideweg, ein Bitterfeld, ein Maar, ein Sommerblumengarten. Durch welche Zeit ich geh’, ich bin der Held. Ein jede Zeit, sie wächst im Widerschein.
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Liedtext aus dem Libretto “Schrei der Freiheit”
Tango der Wörter
Vera Hewener
Wir schreiben, wir bleiben, wir reimen, verleimen die Silben, wir bilden die Versfantasie.
Wir klauben, berauben, wir schrauben die Trauben aus Worten, verorten den letzten cricri.
Wir tanzen den Tango der Wörter, geschrieb’ner, gesproch’ner, erhörter, harmonisch umwundene Melodie.
Wir tanzen den Tango der Wörter, gespielter, erträumter, beschwörter, in Reimen gebundene Poesie.
Wir dichten, verpflichten, berichten Geschichten aus Sätzen, vernetzen das Herz mit Verstand.
Wir hegen und pflegen, verwegen wir legen die Schilder der Bilder aus Gold in den Sand.
Wir tanzen den Tango der Wörter, verwunsch’ner, verfluchter, verstörter, in Strophen verschlungene Rhapsodie.
wir tanzen den Tango der Wörter, versüßter, verschönter, betörter, der Sprache entsprungene Sinfonie.
die Versfantasie, den letzten cricri, uns alle berührende Poesie.
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Fruchtbares Feld
Gräser einer vergangenen Zeit spriessen wie seltene Orchideen aus dem Sand des Erlebten
Hast du dies fruchtbare Feld je erblickt das du ersehntest
Und Jahr um Jahr sich das Blühen über dem Beet verstreut das du gedüngt mit den Antworten die dich das Wachsen lehrte
Wo die Fragen verstummen wird kein Same mehr sein
© Vera Hewener
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