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Saarbrücker Zeitung vom 25./26.11.00 “Schriftsteller in Deutschland beziehen zu wenig Stellung” Die Köllerbacher Autorin Vera Hewener stellte im Café Kühnen in Püttlingen ihr Buch “Vermisstenanzeige” vor
Keine leicht konsumierbare Kost sind Heweners Gedichte und Prosatexte, und nach der Lesung wird noch lange diskutiert. Um das Judentum geht es, um die deutsche Vergangenheit und Gegenwart... Von pädagogischem Anliegen geprägt sind ihre Prosatexte, in denen sie eine Botschaft vermitteln will. Weniger leicht zugänglich dagegen die Gedichte. Anspruchsvoll und ungewöhnlich zugleich präsentieren sie die bitteren Vermächtnisse, sprechen von Leid und Tod, von Fußtritten, Skeletten, Henkern. In eines hat die Autorin Zitate von Menschen in Konzentrationslagern integriert, in anderen finden sich Begriffe aus dem jüdischen Leben oder werden düstere Stimmungen voll Dunkelheit und Einsamkeit angesprochen. Es gibt “den Sündenfall der Worte” und auch den Gegenpol, “das Ultramarin der Regenzeit” und: “zurück bleiben die Farben der Wärme”. Diese heitere farbige Seite gibt es auch in Heweners Buch. Die Autorin gestaltete das Titelblatt selbst, und da scheint der siebenarmige Leuchter fast fröhlich zu tanzen.
SZ vom 9.11.01 „Abend des Wortes und der Stille“ Bewegende Gedenkveranstaltung im Vereinshaus Fraulautern: Erinnerung an die Pogromnacht von 1938
„....Es war ganz still und dunkel im Vereinshaus. Nur am Pult brannte Licht. Vera Hewener, Schriftstellerin aus Püttlingen, las Gedichte und Prosatexte. Religiöse Themen verband Hewener mit aktuellen politischen oder allgemein menschlichen Fragen. "Wo bleibt die Seele?", fragte sie, formulierte "himmlische Gesänge auf dem Weg nach Hause", sprach vom "verborgenen Du" und der "Hinwendung zum Du". Da tauchten Versatzstücke und Begriffe aus dem Alten Testament auf. Hewener stellte aktuelle Verbindungen her, oft im Versmaß, aber nie gereimt, in einer Sprache, die der des Psalmisten nicht unähnlich ist. Und sie machte den Holocaust zum Thema, etwa in einer Erzählung um die Erfindung des todbringenden Gases "Zyklon B", in Gedichten über den alten jüdischen Friedhof in Saarbrücken, den Anschlag auf die Wehrmachtsausstellung in Saarbrücken und auf die Synagoge in Erfurt. Im Gedicht "KZ Neue Bremm" hieß es: "Sie tragen die Knochen zu Grabe."
Saarbrücker Zeitung vom 16.7.03 "Wir haben sie alle umgebracht" Margret Roeckner rezensiert Vera Heweners Buch "Vermisstenanzeige"
Köllertal. Es berührt mich tief, wie sehr sich Vera Hewener von der Schuld, die das deutsche Volk mit der Vernichtung der Juden auf sich geladen hat, erschüttern ließ. Zehn Jahre nach dem Krieg und dem Ende der Diktatur geboren, gehört sie einer Generation an, die sich von Schuld und Sühne freisprechen könnte und die oftmals auch alle Gedanken daran zu verdrängen versucht. In dem kleinen Band zeigt für mich vor allem die Erzählung "Stumme Schreie", wie Vera Hewener sich von der Trauer um die ermordeten Juden hat ergreifen lassen. Sie schildert darin einen Besuch eines jüdischen Friedhofs und beschreibt mit wenigen, aber gerade darum deutlicher aufscheinenden Worten ihr Erschrecken: "Schließlich kam sie in eine Reihe, in der ein Todesjahr dominierte. Fast alle waren in diesem Jahr verstorben. Wir haben sie alle umgebracht, die Menschen, die hier liegen, dachte sie. Deshalb ist die Stille so laut...Mein Gott, warum lässt du mich leben in einem Land, das Menschen massenweise ermordet hat? Mein Gott, wie soll ich die Erbschuld ertragen?..."Die "laute Stille" - sie hat es mir in Vera Heweners Prosa- und Poesie-Texten angetan. Aus einer tiefen Betroffenheit, einer inneren Stille heraus wird da eine Stimme laut und sagt deutlich und unüberhörbar, dass nur Erinnern und Trauern davor bewahren können, dass sich wiederholt, was kaum zu beschreiben ist. Und sie beschreibt es dennoch in eindrücklich starken Bildern. Schon gleich zu Anfang in einem Text über das "KZ Neue Bremm". In den Versen "Vermisstenanzeige", die zum Titel des Bandes geworden sind, stehen am Ende die Sätze: "...wenn wir wüssten, was wir vermissen, wie könnten wir dann noch leben? Doch die Wahrheit ist klar und bitter: Im nächsten Jahrtausend werden sie es Geschichte nennen, und unsere Kinder und Kinderkinder werden alle Sterne vergessen haben." Dass sie nicht vergessen sollen, die nächsten Generationen, dazu tragen die sensiblen und von literarischem Können geprägten Texte von Vera Hewener hoffentlich mit bei. Ich jedenfalls wünsche ihnen auch deshalb eine sehr starke Verbreitung.
Margret Roeckner
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