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Strophen
Schreibt man eine Erzählung, so gliedert man sie durch verschiedene Absätze. In Gedichten erfolgt die Strukturierung durch Strophen. Das Einteilen in Strophen erfolgt nicht willkürlich, sondern dient der poetischen Darstellung des Inhalts. Nicht jeder Stoff bzw. Inhalt eignet sich für eine Strophengliederung aus völlig identischen Strophen. Gerade Gedichte in freien Formen haben unterschiedlich lange Strophen. Es gibt aber auch nichtstrophische Gedichte.
Völlig identische Strophenformen wurden eigens benannt. Die antiken Strophenformen der alten Griechen wie u.a. die asklediadeische, glykonische oder sapphische Odenstrophe sind reimlos. Sie werden Oden genannt. Die klassischen benannten Reimstrophen sind Terzinen, Stanzen, Dezimen und Kanzonen.
Terzinen (Terzine = Dreizeiler, Dreireimer)
Eine Terzine besteht aus drei Versen. Das klassische Versmaß ist der fünfhebige Jambus. Terzinen können betont oder unbetont enden. In diesem Falle besteht die Terzine aus Elfsilblern. Kennzeichnend für die Terzine ist das Reimschema. Es reimen sich jeweils der erste und dritte Vers. Der mittlere Vers reimt sich strophenübergreifend mit dem ersten und dritten Vers der zweiten Strophe. Damit der überhängende Reim der letzten Strophe der mittleren Zeile nicht reimlos bleibt, wird ein Vers angehängt, der sich wiederum mit der letzten mittleren Zeile reimt. Reimschema daher: aba bcb cdc d. Der Terzinenreim wird auch äußerer Kettenreim genannt.
Stanze (stanza = Zimmer, Aufenthaltsort, Strophe)
Die Stanze ist eine klassische italienische Strophenform. Sie besteht aus acht Versen mit dem Reimschema abababcc. Das Versmaß ist der fünfhebige Jambus. Ursprünglich bestand er nur aus Elbsilblern, endete also betont bzw. mit einem weiblichen Reim. Er kann jedoch auch abwechselnd weibliche und männliche Reime aufweisen. Die erste bis sechste Zeile ist der Aufgesang, die beiden letzten der Abgesang.
Ode (griech.: Gesang)
Ursprünglich war die Ode im antiken Griechenland eine Sammelbezeichnung für die strophische Dichtung und wurden mit Musikbegleitung vorgetragen. Die klassische antike Odenstrophe ist reimlos, da die alten griechischen Dichter nicht gereimt haben. In neueren Oden findet man jedoch auch gereimte Odenstrophen. Die Verse sind relativ strikt vorgegeben. Es gibt verschiedene Strophenformen. Hier eine kleine Auswahl.
Sapphische Odenstrophe (nach Sappho um 600 v. Chr.)
Sie wurde von der griechischen Dichterin Sappho ( um 600 v. Chr.) entwickelt. Die ersten drei Verse sind metrisch vollkommen gleich: zwei Trochäen folgt ein Daktylus, dem wiederum zwei Trochäen folgen. Der letzte Vers besteht aus einem Daktylus und einem Trochäus.
Schema:
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Beispiele:
Rosentöne
© Vera Hewener
Rösentöne, dornenumwoben, spielen himmelwärts mit blauen Fahnen. Bald schon leihen Kräfte einer verwelkten Blüte Farben und Haltung
aus: Verwirbelungen der Zeit. WiKu Verlag 2005.
Glücksmaß
© Vera Hewener
Hörst du deine heimlichen Wünsche sprechen, zeigen dir, dass nichts den Verzicht begründet. Suche dich, verweigere dich dem Schatten, jeglichen Nächten.
aus: Verwirbelungen der Zeit. WiKu Verlag 2005.
Morgenwehen
© Vera Hewener
Wolkengletscher, aufgetürmt hoch im Blauen, weißer Gipfel, unbewohnt, unbestiegen. Zieht vorbei Regenfront, luftgetrieben. Graues Gemälde.
Windsturm fegt Verdunklungsgefahr vorüber. Licht blitzt aus des Himmels Gehauf und flimmert. Morgenwehen, schmerzliche Stunde wimmert hellt auf in Bälde.
aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. Mauerverlag. 2003.
Glykonische Odenstrophe ( benannt nach Glykon)
Die Glykonische Odenstrophe stammt vom altgriechischen Dichter Glykon. Auch hier sind die drei ersten Verse metrisch identisch: einem Trochäus folgt ein Daktylus, dem wiederum ein unvollständiger Trochäus folgt. Der letzten vierten Zeile fehlt der unvollständige Trochäus.
Schema:
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Beispiel:
Spätsommer
© Vera Hewener
Bald schon werden die Nächte lang, neigt sich Sommerlicht, Blütenduft, endet lautlos gereifte Frucht, wendet Schwere das Leichte.
Was uns fest und verlässlich schien schwindet unbemerkt hin sogleich, löst sich auf ohne Spur, vergeht, flößt sich Sterben ins Leben.
Werden wandelt das Alte neu, nichts erneut sich, was unerfüllt. Tod herrscht, wo keiner Samen streut, rodet Zeit alle Tage. aus: Verwirbelungen der Zeit. WiKu Verlag 2005.
Asklepiadeische Odenstrophe ( n. Asklepiades um 300 v. Chr.)
Sie wurde nach dem altgriechischem Dichter Asklepiades benannt. Die Strophe hat 4 Verse. Die beiden ersten sind identisch. In der ersten Hälfte folgt einem Trochäus ein Daktylus, dem wiederum ein unvollständiger Trochäus folgt. Danach folgt eine Zäsur und das Spiegelbild der ersten Hälfte, d.h. einem Daktylus folgt ein Trochäus und ein unvollständiger Trochäus. Die dritte Zeile beginnt mit einem Trochäus, dem ein Daktylus und ein Trochäus folgt. Die vierte Zeile ist mit der dritten identisch, allerdings endet sie mit einem zusätzlichen unvollständigen Trochäus.
Schema:
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