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Vera Hewener Die Website für Literatur, Kultur und Gesellschaft
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Printemps des poètes - Saarbrücken, 11.03.06
Das Lied der Städte
Zärtlichkeit einer Stadt glüht in Windes Fängen Wimpern sanft versprengen Lichtes Atemstatt
Sonnenflaum Traumes Feld überströmt von Wärme Glücksschrei süße Schwärme paart die Straßenwelt
Frühlingsfest Blumentag Städte singen Lieder blüht der weiße Flieder Leidenschaft im Hag
Vera Hewener aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.
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Chateau Monhoudou
Diner aux candélabres
Rotgetünchte Wände Stillleben herabhängende Vitrinentüren zeitgebleichtes Edelholz Tafel aus Nussbaum gehüllt in Purpurseide
im Silberschein kredenzt der Vicomte das diner aux candélabres vor dem Ahnenblick blumiger Vorhänge zeitverstreut
im Sorbet wohltemperierter Stunden perlt der Müßiggang
Vera Hewener aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.
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Larissa 14.06.2005
Alkazars Brunnensee
Morgenatem entzündet ein Inferno des Lichts haucht Blättergespinste in Akazienzweige verteilt gelbe Rispen rosa Dolden
auf Alkazars Brunnensee rieseln Wassersterne Fontänen glitzern an der Neige des Holzsteigs Tropfentänze aus Sprudeltürmchen gehüpft
den Himmelsspiegel überbrückend säuselt Leichtigkeit entfesselt den Wimpernschlag zeittrunkener Augen
Vera Hewener aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.
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Paris
Bois de Boulogne
In jenem Sonnenton der aus Wolken Hitze saugt und über den Bois de Boulogne streut im tiefen Grün der Stadt wo die Rose das Herz der Umarmung liebkost
unter dem Himmel der sein Königsblau im Jardins de Bagatelle verlor auf den Bänken von Vogelpaaren besungen
schwirrt ein Licht warm und scheu als wollte es die Schönheit beschützen vor dem Schleiertanz den Gräserwehen vor den Blüten aufführen
in dieses weite längst entrückte Strahlen ergibt sich mein Blut errötet meine Haut dieser Aufschrei der Seele die das Unberührbare in Händen hält für diese Stunde
in der die Sehnsucht in den Höhen liest
Vera Hewener aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.
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Luxemburg
Waistrooss
Weinstraße Luxemburgs Taverne des Lichts im Übergrün sonnenbefangen
Terrassen der Rebstöcke beschatten den Hang
Trauben betrinken sich am Spätsommer
im Haff Réimech hüpfen Teichrohrsänger Eisvögel stürzen in Seen
Vera Hewener aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007..
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Luxemburg
Schengen
Rebenreihen beherbstet stürmen den Hang sonnendurchhellt zerfließt ihr Gelb
rotes Weinlaub entflammt Trauben im Trockenbrand besüßt im Blau in lichter Aue
© Vera Hewener aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.
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Frankfurter Opernplatz am 27. August 1997
Multivisuelle Optik zwischen futuristischen Skylines und kultureller Erblast am Frankfurter Opernplatz. Ich sitze auf der Betoneinfassung eines Kandelabers, suche nach Differenzierung und Identifikation.
Die späte Augustsonne schwitzt von den Höhen, brennt mir ins Gesicht, bremst die Weitsicht mit ungeahnt sengendem Hitzegrad.
Die Uhr der Züricher Versicherungsgesellschaft zeigt im Brennpunkt der Gegenwelten die städtische Zeit an, prägt den Odem der Patrizierhäuser,
bis die Börsenmetropole ins Stocken gerät. Ihr Emporragen klagt unaufhaltsam den historischen Wendepunkt ein.
Die Taunusanlage gegenüber belebt der Abenteuerspielplatz Riederwald, wo Kinder sich ungehemmt die Großstadt von der Seele quietschen.
Die Wasserkaskaden des Brunnens berauschen, durchdringen unbeeindruckt die Lärmschwelle. Sie versuchen vergeblich, der aufgeheizten Atmosphäre feuchte Kühle einzuhauchen, die zerfällt. Der multikulturelle Menschenzug vermählt sich.
© Vera Hewener aus: Lichtflut
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Primiero
Ins Blau gemeißelt. Granitgebirge sprengt die Weite majestätisch. Wolkenfall ins tiefe Tal hinab. Umschützt sein Wall San Martino di Castrozza und Primiero. Mengt
Gewächs, Gehölz, Getier. Im Land sich’s drängt, Geschichte und Geschichten. Tirol – ein Hall aus Dolomitenklang. Von überall beströmen dich Besucher. Eingezwängt
dein Bild. Cismon beruhigt das Treiben auf den Plätzen. Zwingt sein Fluss zur Einkehr den Betrachter. Kristallgewässer trotzt dem Wehr
der Felsensteine, wogt, sich’s kräuselt. Bleiben im Ohr zurück die Töne des Parlandos und von den Hängen der Adler schrill Kommandos.
© Vera Hewener aus: Lichtflut
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Moena
1
Massiv aus Fels begrenzt das Fassatal. Im Westen ragt empor der Rosengarten, im Osten Alpe di Lusias Gipfel warten und Latemars Gebirge kappt die Zahl
der Zufahrtsstraßen. Wer trotz der Qual Moena will besuchen muss bald starten. Die zugeschneiten Wege jene narrten, die meinten, vieles stünd’ zur Wahl.
Doch nur die Via Dolomiti führt zur Heimat der Ladiner. Deutlich spürt der Gast die tausendjährige Geschichte.
Das Straßenbild, von altem Handwerk stolz geprägt, verrät die Herkunft: Die Giebel in den Berg geschrägt. Gesteinswelt macht Auswüchse schnell zunichte.
© Vera Hewener aus: Lichtflut
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Moena
3
Wo Fassbinders Botega noch erhalten, das Handwerkszeug behutsam ausgestellt, gegliedert nach der Arbeitsphasen Welt. Mit Kufen, Bottichen und Eimern walten
noch heute manche Bauern nach der kalten, meist langen Winterszeit. Sie ackern auf dem Feld, vermehren Erntegut und Wirtschaftsgeld, um ihren Vorrat und den Stand zu halten.
Doch auch Moena zollte uns’rer Zeit Tribut. Die Alpwirtschaft geschrumpft, die Produktion erneuert. Das Brauchtum wird von der Region beteuert,
trägt Jahr für Jahr den bunten Narrenhut. Musik und Tanz beim Umzug der Ladiner erfreut das Volk und windige Schlawiner.
© Vera Hewener aus: Lichtflut
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Aufbruch
Verstaubt ruht Mauerwerk im zögernden Aufbruch, stellt sich dem Straßenwind entgegen.
Fenster sehen verschleiert aus, öffnen sich langsam dem Licht, das sich in Spiegeln ergibt.
Asphalt rüstet sich auf vor dem täglichen Fußtritt, atmet sein Schaudern aus.
Leise reckt sich der Riese, setzt behäbig den Anfang auf den Schlusspunkt der Nacht.
Vera Hewener
aus: Lichtflut. Edition Calamus. Libri 2001.
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Ramsgate 06.04.04
Hochwassermarke
Sonnenpunkte schimmern auf dem Schliff der Wellen flutendes Wasser spannt sich vom Horizont ans Ufer peitscht hinter der Fähre her die sich gegen den Pier schiebt
ein Frachtkahn krächzt heran von Wasservögeln umflogen spähend nach Fischfang angebellt von Wachhunden als fände der Krieg der Tiere im Hafenbecken einen Neubeginn
in kurzer Entfernung wirft der Matrose die Ankerleine vertäut die Grenze einer Wirklichkeit die den Himmel absucht nach Bestand
das Auge ahnt den Fingerzeig der Hochwassermarke ein Maßstab der an nichts gebunden scheint als den Zufall gebrochen von der Einmaligkeit eines Ereignisses
Vera Hewener
aus: Verwirbelungen der Zeit. WiKu Verlag 2005.
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Saarbrücken 13.04.2003
Deutsch-Französischer Garten
Unter der Schattenspur schirmbedachter bunter Gondeln treffen die Lanzetten der Sonne pfeilgenau auf winterhelle Wangen
Zur Windmelodie tanzen Wasserfontänen schwingen Osterglocken ihre gelben Kelche
Vom Seeweg führen Steinstufen hinauf zu verwachsenen Pfaden gaukeln der Sonnenfantasi Tatorte vor
Um ein Uhr mittags stehen die Zeiger auf Licht
Vera Hewener aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. Mauer Verlag 2003.
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Paris
Auf den Boulevards
Wie der Sonntag der seine Würde über alles legt was ihm näher kommt in der Morgenandacht der Straßen die seltsam still sind und leichte Luft das Fromme wiegt
in der Rue la Fayette wo jeder Schritt nach Leben klingt und Neugier weckt die meinen Augen Unruhe verleiht
der Blick auf Sacré-Coeur auf das Dach der Kuppel deren Weiß durch Seitengassen flimmert im Häusergrau das meinen Lippen Worte entlockt und Schweigen wie das Tanzen des Laubs das sein Grün im Lichtrausch gewann
sind Minuten wie Bruchstücke zusammengefügte Splitter der Boulevards die den Mittag erwarten und Menschen die nach Sonnenplätzen haschen und dem Augenblick der die Leidenschaft an die Tische der Straßenlokale trägt
Vera Hewener aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.
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Remich
Moselgestade
Laubschleppen gelbgrünes Weidenkleid Borkenkrepp Lebenszweig
Blattrispen rotgrüner Eichenrost Herbstkronen Astgeschoss
Graspolster immergrün Halmschöpfe ockergelb Binsen und Farne Stiele gefächert Wollgras im Wasserglanz
Blatthorste blau bereift Halmwedel silberhell weißes Gefieder Esche und Ahorn Mosel im Schwanentanz
Vera Hewener aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.
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Remich
Moselpromenade
Moselwasser perlt blau gesättigt
Linden beschatten das Ufergrün
Laub gelichteter Höhenblick Alleen vergolden sich
Vera Hewener aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.
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Im Zenit
In ausgestorbenen Straßenfächern schwitzen die Dächer. Grell spleißt Licht sie auf. Menschendunst verstickt die Luft, wallt über trockenem Asphalt.
Schläfrige Spatzen stöhnen auf weißen Fenstersimsen. In die heiße Stille schreien suchende Katzen.
Abgestandener Müll gärt, bläut verdorbenen Tagesgeruch auf. Ventilatoren jagen Wind in die Kammern.
Die Stadt versteinert auf ihren erwachsenen Plätzen. Kinderlachen zerreißt ihr Schweigen. aus Regenschauern fällt leise Trauer.
Vera Hewener aus: Lichtflut
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Fünf Uhr morgens in Taxenbach
Himmelsgestirne feiern im Dunkeln die Stille. Scheinwerfer erhellen den Gebirgskamm, markieren die Höhendifferenz des Gschandtner Bergs, die sich allmählich verkleinert.
Die Schutzhülle der Nacht gewährt auch den Rastlosen Schlaf. Schnee tändelt leichtfüßig ins Tal. Das rote Blinklicht des Streuautos verkündet Straßenglätte, weckt Schläfer auf.
Im Fensterkreuz blinzelt Licht. Ich spüre den Wind der durch die Ritzen zu mir spricht. Wunderbarer Morgen, schenkt mir Gelassenheit, zu sein.
Vera Hewener aus: Lichtflut
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Moena
2
Die Via Löwy säumt getünchtes Fachwerk, Fassaden eingefärbt in Rosa, Gelb und Blau mit Arabesken bis zum Dachverhau. Die Fronten lenken meinen Augenmerk
auf schmucken Zierrat vor dem Tor der Herberg’, die ihre Gäste aufnimmt vor des Abends Grau. Dass jeder Mensch in San Vigilio Gott vertrau erscheint das Dorf im Berglicht wie ein Kunstwerk.
Und in den Winkeln steiler Gassen schmiegt Geruch aus Tradition und Holzbrand Berg und Mensch zusammen. Der Natur Gewerk
versöhnt die Schöpfung. Wer die Not besiegt, das Leben annimmt, sich in Liebe weiß, erfährt das Glück auf eine ganz besondere Weis’.
Vera Hewener aus: Lichtflut
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Unaufhaltsam
Lege den Blick auf den Mauervorsprung der Fenster, die sich verschließen vor dem Lärm aus den Straßen.
Verschlissen die Weile gegen die Zeit, die lautlos verschwindet.
Sehe den Rauch, der verträumt neue Wolkenbilder in Himmel malt.
Ein jeder von uns einen gern erreichte.
Manchmal spiegelt er sich in wenigen Augen, die unachtsam Liebe verschütten.
Vera Hewener aus: Lichtflut
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30.08.10 Flaschen -geister, Nebelfrauen und Bücherwürmer. Die Veranstaltungsreihe Litera- tissimo des Püttlinger Kulturamts fand am Freitag- abend im Schwesternhaus statt. Ein idealer Ort, um die Geister der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zu locken. Gut 100 Zuhörer kamen, um sich zum vorletzten Mal in diesem Jahr vorlesen zu lassen. ....
02.09.10 Literatur in der “Roten Zone“ Köller- bachs - Vera Hewener und Georg Fox lasen im vollbesetzten Schwestern- haus....Eingeleitet wurde der Leseabend von Heweners historischem Rückblick in die Zeit vor dem zweiten Welt- krieg. Dass Karl Ludwig Rug die Barmener Erklärung mitgetragen hatte und sich gegen das Naziregime stell- te, war eine der Ausfüh- rungen. Dass das Straflager in Etzenhofen auf Hermann Röchling zurückging, war vielen nicht bekannt. Die Widmungsgedichte Heweners unterstrichen dies. ....
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Nächste Lesung: 17.09.10 um 19.30 Uhr Literatissimo “Poesie im Mondschein” Kath. Bücherei Liebfrauen mit Margret Roeckner, Vera Hewener und EVa Dörr-Vieregge
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