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Vera Hewener
Die Website für Literatur, Kultur und Gesellschaft

Sommergedichte

Sommerlied

Sonnenhand hat die Luft verbrannt
hat ersonnen hat versponnen
den Horizont mit weißem Schimmer

Sonnenstand überm Himmelsrand
wählt die Zeiten in den Weiten
und haucht herab den heißen Flimmer

spiegelt das Licht
auf den Zeigern der Mittagsuhr
schlägt eine Tür
in den Herztakt der Sommerflur
die Ordnung sie verpönt
den Wildwuchs sie verschönt
dort blüht versteckt
die Rose unentdeckt

Heller Glanz Sommereleganz
auf Terrassen in den Gassen
flanieren Menschen die laut lachen

Wolkentanz blaue Brillianz
Sonnenlüster Windgeflüster
treibt vor sich her des Tages Nachen


Vera Hewener

aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.

Mit Glanz und Gloria

Auf und davon aus dem Alltag des Sorgens
reisen die Müden und Erschöpften
mit aufgestapelten Urlaubsträumen
in das innigst geliebte Sommergelöbnis.

In extra für sie sonnendurchfluteten Zimmern
beten sie um Erlösung ihrer Leiden,
damit die Schrunden der Wunden
ihres ganz privaten Lebens wieder abheilen.

Ein Messdiener wartet am Tal der kleinen Wunder
auf die Springprozession der Pilgerschar.
Mit gleicher Liturgie, mit gleichesten Liedern
eröffnen am Abend die hohen Priester
die Messe des Glanzes mit Gloria
in den allerschönsten Farben.

Und sie dienen dem Ganzen
als Teil der Gemeinde, schlucken die heilige Hostie
harter Münzen in sakraler Einigkeit.
Sie opfern ihre Ersparnisse
auf dem Altar der Ferienverordnung
und singen zum Abschluss das Lied der hohen Töne,
die sie hinterher spucken.


Vera Hewener

aus: Eine Neigung aus Blau. Libri 2002.
 

Sommergarten

Körbe des Gartens
gefüllt mit Rittersporn und Oleander
gewürzt mit Rosmarin und Koriander

aufsteigt aus Beeten
aus Rosenstock und blauem Flieder
ein Lockruf ein bebendes Gefieder

als plötzlich unter Ästen
Trauer sich verbreitet bei den Gartengästen

es genügte Regenschauer dass die Idylle
sich verkehrte in den Laut einer Sibylle

Vera Hewener

aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.

Sommerfrieden

Ein zärtlich heißer Sonnenstrahl
wie schmückt er Tag und Stunden
ein Flimmern überm Rosental
ins Leben eingebunden

Oh Sonne süß die Lüfte grüß
aus Wolken weht ’s hienieden
und wiegt des Sommers Frieden

Der Blüten helle Farbenpracht
gereift im Licht der Haine
des Glückes Leuchten uns entfacht
entrückt mein Herz das deine

Die Winde wehn ein Liebesflehn
es kehrt in Blicken wieder
und sehnt sich in uns nieder

Vera Hewener

aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.

Spätsommer

Bald schon werden die Nächte lang
neigt sich Sommerlicht Blütenduft
endet lautlos gereifte Frucht
wendet Schwere das Leichte

Was uns fest und verlässlich schien
schwindet unbemerkt hin sogleich
löst sich auf ohne Spur vergeht
flößt das Sterben ins Leben

Werden wandelt das Alte neu
nichts erneut sich was unerfüllt
Tod herrscht wo keiner Samen streut
rodet Zeit alle Tage

Vera Hewener

aus: Verwirbelungen der Zeit. WiKu Verlag 2005.


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Fruchtbares Feld

Gräser einer vergangenen Zeit
spriessen wie seltene Orchideen
aus dem Sand des Erlebten

Hast du dies fruchtbare Feld
je erblickt das du ersehntest

Und Jahr um Jahr
sich das Blühen über dem Beet verstreut
das du gedüngt mit den Antworten
die dich das Wachsen lehrte

Wo die Fragen verstummen
wird kein Same mehr sein

© Vera Hewener

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