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Vera Hewener Die Website für Literatur, Kultur und Gesellschaft
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Saarbrücker Zeitung vom 8.5.97 „Sie liest verdammt gut, artikuliert ausgezeichnet....... und man muss dabei ein bisschen an Tucholsky denken.“ „Georg Fox: Eine Ambivalenz zwischen dieser sensiblen Traurigkeit, Flucht nach innen und einer kämpferischen Anklage. Appellationstexte. Besonders dicht und atmosphärisch gelungen sind die Texte aus der Region wie „Im Schatten der Basilika“ oder „Völklingen“, die man gut in der Stimmung nachempfinden kann.“
So leicht stirbt der Regen. Neunziger Gegenwartslyrik.1999. Vera Hewener
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Inhalt
Der freie Fall Treibjagd Fassadenrepublik Verdachtsmomente Minuswachstum rechtens erntezeit BürgerPflicht Kleintiere Heimat du Kassandra wettbewerbsfähig Im Zweifel Restholz Schlusslied Verwandlung des Textes Scheinblüte Enzyklika erotikam Fraglos Kopflos Verständigung Der emanzipierte Frosch Das Kind erbsünde dogmatisch frau christin zwecklos Wildwuchs Widerhall Punkt für Punkt Sternwanderung unstimmig Dein Lächeln Gleichung mit zwei Unbekannten Novemberstimmen Falsche Rosen auferstehn verdingt wegezoll steinkreuz abgang
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wettbewerbsfähig
endlich aus gesperrt tür schluss & riegel be sitzer setzen regeln ver ordnung prozent rang wie arbeits lust los looser
ge werk ge schaf(f)t heißa heißa wer löffelt den brei lohn stunden sie aus
tafelt nur transparent kreist ein euch auf dem platz da wer kommt da tragts gelassen prellt nicht eure schultern auf tragt ein die eins zwei drei im nullkommanix lösen sie auf
Fax: Wegen Produktionsverlagerung in ein Niedriglohnland werden die Verhandlungen abgebrochen. Die Firma schließt zum Jahresende. Letzte Meldung: Stundenlohn der Frauen und Kinder 0,10 DM
© Vera Hewener
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Dein Lächeln
wenn nur dein Lächeln mir bliebe der Rückhalt deiner bunten Augen die Farbe deiner Haut
unerklärlich die blinde Umarmung der Nacht
über dein Haar weht schon der Wind
© Vera Hewener
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Sternwanderung
Vielleicht sage ich vielleicht bringt der letzte Mond die Nacht die vor dem Tag alles verstummen lässt vielleicht haben alle Sterne den Horizont versammelt, der meiner ist, vielleicht können Sterne den Weg verlängern ich gehe soweit ich gehen kann Stern für Stern von jedem nehm ich ein Kleinod mit und verteile sie auf Tage
© Vera Hewener
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Der freie Fall
packt mich der Morgen wird Knochbruch alltäglich dirigiert mich der Fall tanz ich den Stolpertakt einszweidrei dreizweieins wechselt die Tonleiter verlier ich die Stimm
benimm dich doch wie einst Kniggerianer zieh ab den Hut tue gut genug kracht auch das Rückgrat schnürst dich halt ins Korsett
wie nett dacht ich und riskier aufgeschreckt den Drahtseilakt im freien Fall
© Vera Hewener
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rechtens
eingerollt die fahnen vergessen die farbe des verrats gräber ahnen den gebrauch der freien rede
auch jene die vorher reden verboten
demokratie flüstert durchs land
demokratie bescheinigt auch jenen das recht weiterhin rechtens zu sein
demokratie gestattet dem sucher den weg durch akten die nicht vernichtet
demokratie verbietet nicht wort und nicht wahrheit
© Vera Hewener
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Kopfgeld
Pflichtjahre mit System das umgehängte Schild
Haushaltsgeld erhöht im ...takt mutterkorngenährt wie Pilze der Wiese grünen
Herrschaftszeiten mit Aussicht zur schönen schwarzen Verwitwung
die Reduktion um Kopf und Kasse
© Vera Hewener
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Punkt für Punkt
Keinen Abend möchte ich vergehen lassen, ohne das unverhoffte Wiedersehen mit hellen Punkten, die bald hier, bald dort auf Dächern tanzen, die den Rhythmus schreiben für alle, die hinhören, die Punkt für Punkt ergreifen und in der Ferne den Himmel beschreiben, der uns festhält, bis alle Punkte in Helligkeit gelöst.
© Vera Hewener
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heimat du
in deinen armen lass mich ausruhn das heimliche flüstern deines kaminfeuers wärmt wieder ich hänge meine kleider an den haken bürgerlicher wegwerfnormen nur schutzlose nacktheit ist mein gewand denn du bist die nähe der erde und mutter du der freundschaft
in deinen straßen knistern die schweigenden laute unendlicher sehnsucht sehnsucht nach frieden und vereinigung denn du heimat bist überall deine unausgesprochenen worte sind weises streicheln ihr sanftmut wird zertrampelt von den stiefeln der kreuzritter
dein aufgerissenes land trägt tiefe spalten fahnen wehen über furchen und fußspuren stacheldraht ist deine haut geruch der verwesung zerschneidet dich faul oh heimat land du der trennung und des todes das heiße wachs trost schmerzt schwer die suche nach dem winkel geborgenheit ist zweiwegig
© Vera Hewener
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Fruchtbares Feld
Gräser einer vergangenen Zeit spriessen wie seltene Orchideen aus dem Sand des Erlebten
Hast du dies fruchtbare Feld je erblickt das du ersehntest
Und Jahr um Jahr sich das Blühen über dem Beet verstreut das du gedüngt mit den Antworten die dich das Wachsen lehrte
Wo die Fragen verstummen wird kein Same mehr sein
© Vera Hewener
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