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Vera Hewener Die Website für Literatur, Kultur und Gesellschaft
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Bostalsee, Bosen
Stausee am Nachmittag
Auf zuckender See blendet die Sonnenpeitsche trägt mich die Fähre lüstern leichten Wellengangs? doch weshalb gezwungener Glanz meine Augen tränen eine andere Seite des Ufers?
einen Steinwurf entfernt federt Wildentenflaum tändelt über Pflastersteine ins Becken hinunter überläuft den Windhauch den ich einatme im Lichtkern des Nachmittags
er spuckt Wärme aus wie Lavaglut brodelt läuft aus in Leck aufziehenden Blaulichts als hätte es nie zuvor Abende gegeben
© Vera Hewener aus: Himmelsstürme
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Garten der Sinne, Merzig
Im Farbgewirr schwirren Garben aus Blütenährchen
Märchen hütet das Knospengeklirr
© Vera Hewener aus: Himmelsstürme
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Garten der Sinne, Merzig
Lichtgarten
lichterloh entbrennen im Sonnenbogen Farbgespenster
Astersternchen ziehen ihre Bahn Baum beschattet
Tagfalter schwirren um mich
© Vera Hewener aus: Himmelsstürme
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Püttlingen
Püttlinger Schlosspark
Tiefgefurchte Schuppenborke bröckelt wie ein alter Kalender um mich unter der leichten Schräge der Birke schwingen überhängende Zweige die Säge der Blätterketten über den Blütenkörbchen junger Köpfe hinweg
sie tragen das verlorene Weiß auf Maßliebchens Zungenblüten die von gelben Stunden reden und vom Kuss zwischen Hahnenfuß und Löwenzahn
alle in den Himmel geschlagenen Glockentöne fallen auf die Stille zurück die standhaft bleibt und sich ausdehnt je mehr Kolkraben zum Tanz der Rauchschwalben krakeelen.
© Vera Hewener aus: Himmelsstürme
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Saarbrücker Skizzen 1997
Berliner Promenade
Ja, sie blenden mich, Schweißperlen, die auf Wellenkämmen glitzern, da der Fluss dem Gelbkörper wehrt, der aus den Höhen Flammen wirft.
Obschon Windäste über die Wasserhaut fächern lodert die Stirn des Gewässers. In dieser von Brandwunden gezeichneten Strömung kräuseln Fische, im Gespräch mit Ankern, eine Luftblasensymmetrie. Sie gerät in Wallung, wenn sie auf Steinhöhen trifft, die den geraden Lauf der Zeit behindern.
Jetzt hat die Sonnenhand den Feuersturm über die Brüstung getrieben, löst eine Klangfolge aus, die auf der Esplanade der Eiscafés schwingt. Versprechungen wildern durch die Hitze, die den klaren Blick verschmäht. Schon das Rascheln einer Duftnote Aufsehen erregt, inspiriert von der Sehnsucht des Sommers.
Ach, ihr kehren jene den Rücken, die verängstigt sind und wortlos, die die Gunst der Stunde vergrämen. Ich spüre die Trauer der verlassenen Tische bis Guiseppe sie befreit von den Resten der erotischen Blasphemie.
© Vera Hewener
aus: Lichtflut
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Saarbrücker Skizzen 1997
Mittagsdissonanz
Auch das Windflüstern schläft. Der Horizont zaudert sonnenbehaart, spinnt seinen Bogen ins maisgelbe Flimmern und verschwimmt zwischen dem Wolkenpuder, den der Himmel sich auf die Lider legte.
Der Sonnenstand kulminiert, das Zeitgespinst glüht unter der Belichtung, trifft auf Mörtelzeichnungen, auf Häuserreihen, auf das Staatstheater, das angegraut und benommen zusammenzuckt, eine Erschütterung, die durch meine Glieder fährt und mir für einen Moment das Schaubild verzerrt.
Plötzlich steigt jemand trunken auf die Zeiger der Mittagsuhr, schlägt in das Herz der Sommerflur eine Tür, unten im Gebüsch, zwischen den Heckenrosen, dem stillen Versteck der Bänke, auf denen Ermüdete unentdeckt ruhn und jene Auszeit verkörpern, welche die Ordnung des Tages verpönt.
Worauf der Erdengrund überhitzt und unter Gräserschatten zerbricht. Die Käfer flüchten, versuchen, der Verödung zu entfliehen, wie die Schmetterlinge, die sich in Blütenkelche einschließen. Sie sind durstig und gebeugt in der Flora, die fiebert, die der Saarwiese argwöhnt. Sie taumelt versponnen in der Dissonanz der Hochzeit.
© Vera Hewener
aus: Lichtflut
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Saarbrücker Skizzen 1997
Im Schatten der Basilika
Rot leuchten die Schotterpfade zwischen den Grasgärten, die hinausführen auf enge Gassen, wo Kopfsteinpflaster im Nachhall singt und sich mich sakralen Tönen durchmischt.
Im Schatten der Basilika hoffen Besucher auf das von Liebe gedrängte Wort. Die in den Kneipen Distanz bewahren, sitzen hinter diskreten Fenstern.
Schließlich weitet der schmale Weg den Blick auf den Markt in Sankt Johann, wo der Brunnen Vergessenen Wasser spendet, inmitten dem Stimmengewirr, das von den Ständen herüberbricht.
Im täglichen Handel treiben Kopf oder Zahl ihren Schabernack bis in spätere Stunden, wenn der Platz von Kaufresten gereinigt und auf sauber geputzte Menschen wartet.
Schaumgefüllt sind die Gläser, die jene Gäste zum Mondlicht halten, das still ihre Abgänge empfängt.
© Vera Hewener aus: Lichtflut
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Bostalsee, Bosen
Lichtmaß
Tauben begurren die Kalligraphie der Gehölze Beschreibungen der Äste in den Rodungen des Lichts
über die schwarzen Zweigen Schablone des Knospens gelegt
kaum lösen sich die Schattenrisse auf summsen Hummeln im Blühstoff flackern in Wiesen hauchzarte Flamme des Windlichts
Gänseblümchen recken sich nach dem Lichtmaß aus dem der Frühling seine Farben schöpft
© Vera Hewener aus: Himmelsstürme
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Garten der Sinne, Merzig
Blütenbad
Schleierkraut umwölkt grüne Speerspitzen der Yuccalanzen Irisschwerter öffnen das Blau
Sonnentropfen fallen fruchten im Schaum aufgehender Blütenbäder
Duftwolken steigen auf prachten in der Sinne Wildnis
© Vera Hewener aus: Himmelsstürme
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Garten der Sinne, Merzig
Die Welle
lichtverzögert stäubt von der Welle Steinsame Staub
das Kiesbett zählt die Silbertaler im Gräserflaum
streu deinen Seelensamen luftfarbenleicht über die Morgenbeete
© Vera Hewener aus: Himmelsstürme
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Schlosspark Püttlingen
Frühlingsmuster
wer fädelt die Namen der Blätter in die Zweige wer entzündet das Grün
es ist die Nahrung der Sonne die ihr Blendwerk auf den Tag einstellt
wo sie hinabstrahlt fließen Fruchtstände über beginnt der Frühling mit seiner Musterung
Blumen ins Graskleid gestickt
© Vera Hewener aus: Himmelsstürme
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Saarbrücker Skizzen 1997
Citymeile
Im Hitzefeld der Citymeile schwebt die Leichtigkeit des Seins. Über dem Kohlebrunnen thront der Bergmann, bedeutet der Hauptstadt das Wagnis, ehernen Sandsteinfassaden mit postmoderner Architektur einzuleuchten.
Zwischen Hauptbahnhof und Saargalerie tändeln Kauftouristen zeitbefrachtet. Die Bahnhofstraße stoppt den Verkehrsfluss, lässt der Passage der Wünsche freien Lauf.
Arkaden spannen ein Kälteschild und auf den Ruheinseln des Straßenpflasters kosten Ermüdete den Nulltarif aus.
Im Blickwinkel der Schaufenster spiegeln sich die Anpreisungen, verlieren Werte an Bedeutung.
Unter den Sonnenschirmen der Freiluftcafés parlieren Pausierende, die sich erfrischen und der Zeit Unterbrechungen abfordern.
Am Ende der Citymeile färben Ampeln den Ausgang. Das Überschreiten der Übergänge mobilisiert die verdrängten Grauzonen.
© Vera Hewener aus: Lichtflut
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Saarbrücker Skizzen 1997
Bürgerpark nachmittags
Stromabwärts gesellt sich der Windbaum ans Ufer, zu beschützen die einstige Brache im Geröllbett, das stumpf ist und meine Tritte schleift. Es wacht den konstruierten Ruinen, wo die Blicke der Tiefe den Turm neu erfinden.
In diesem von Ordnungen ungetrübtem Wildwuchs Blattgrün die Klinkerwälle bescheidet, das aus dem Rondell der Stille erwächst. Rang um Rang dehnt sich das Schweigen, federt in den Höhen die leichtlebigen Klänge der Singvögel.
Dort sich in Büschen widerspiegelt, was Wildenten Luftskizzen erlaubt. Auf dem Amethyst der Teiche entwirft die Laune des Lichts Schattierungen, Glanzpunkte, die irren, aufkommendes Zinnoberrot dümpelt.
Westspangengemäuer vermisst die Distanz der Wasserschlucht, die den Spannungsbogen weitet. Er erhebt sich zum Zensor des Flusslaufs.
Den Brückenpfeilern Graffitigemälde eine Hommage erweisen, bis die Neige des Blaus ihren Hang verklärt und die Aussicht nimmt, den Bürgerpark vor Burbach zu bergen.
© Vera Hewener
aus: Lichtflut
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Saarbrücker Skizzen 1997
Burbach
Geschäfte treiben den Nachmittag an in der Bergstraße, die von Wärme erhellt, ein Lot durch Burbach fällt, vorherzubestimmen die Richtung des Dorfgangs.
Kastanienbäume beschatten Sankt Eligius mit Blätterwedeln an den Schauplätzen der Einkehr. Die Ampelanlage grünt nahe Gersweiler. Während Fußgänger im Sekundentakt spurten, errötet sie vor dem Tritt auf die andere Seite der Stadt.
Längst erneuert die Moderne die Sicht auf die Saarterrassen, fernab den verschwundenen Bildern der Burbacher Hütte. Noch provisorisch erlauben die Zugänge den Zutritt zum Gewerbepark, den zu erahnen das Blickfeld des Betrachters formt.
Schräg gegenüber historischer Straßenzüge quält sich die Lärmwelle durch die Hochstraße, spurt das Gelände postindustriellen Niedergangs, vorbei an Zapfsäulen und Brückenschlägen und hinterlässt in den Wiesen Ersatzarbeitsplätze.
Nur die alten Hochhäuser säumen im lichten Glanz die verlassene Zeit bis zur Malstatter Brücke. sie schenkt ihre Zeiger der Winduhr.
© Vera Hewener
aus: Lichtflut
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30.08.10 Flaschen -geister, Nebelfrauen und Bücherwürmer. Die Veranstaltungsreihe Litera- tissimo des Püttlinger Kulturamts fand am Freitag- abend im Schwesternhaus statt. Ein idealer Ort, um die Geister der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zu locken. Gut 100 Zuhörer kamen, um sich zum vorletzten Mal in diesem Jahr vorlesen zu lassen. ....
02.09.10 Literatur in der “Roten Zone“ Köller- bachs - Vera Hewener und Georg Fox lasen im vollbesetzten Schwestern- haus....Eingeleitet wurde der Leseabend von Heweners historischem Rückblick in die Zeit vor dem zweiten Welt- krieg. Dass Karl Ludwig Rug die Barmener Erklärung mitgetragen hatte und sich gegen das Naziregime stell- te, war eine der Ausfüh- rungen. Dass das Straflager in Etzenhofen auf Hermann Röchling zurückging, war vielen nicht bekannt. Die Widmungsgedichte Heweners unterstrichen dies. ....
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Nächste Lesung: 17.09.10 um 19.30 Uhr Literatissimo “Poesie im Mondschein” Kath. Bücherei Liebfrauen mit Margret Roeckner, Vera Hewener und EVa Dörr-Vieregge
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