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Vera Hewener Die Website für Literatur, Kultur und Gesellschaft
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Wochenspiegel Völklingen vom 9.5.97 „Das Titelgedicht „Novembrisches Bittersüß“ bringt den Zwiespalt zwischen Vergänglichkeit und Hoffnung zum Ausdruck. Diese Ambivalenz thematisiert Vera Hewener oft in ihren Gedichten, gerade auch in den sozialkritischen Texten, wenn es um „Mutterrechte“ oder „Mauern aus Glas“ (elfteiliger „Psychiatrie-Zyklus“) geht. In diesen Texten kommen Erlebnisse aus dem eigenen Berufsalltag zur Sprache. Saarbrücker Zeitung vom 14.12.85 Novembrisches Bittersüß. Gedichte 1986. Vera Hewener
Vergriffen
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Mauern aus Glas
© Vera Hewener
1 Er gab mir die Hand Und gab sie mir nicht Er sah mich an Und sah mich nicht Er sprach zu mir Und war wortlos
Ich wollte ihn fühlen Und fühlte nur Fleisch Ich wollte ihn ansehen Und sah ins Nichts Ich wollte ihn berühren An der gläsernen Mauer hab ich mich geschnitten
2 Der König schreitet vor sich her Seine Krone blinkt unsichtbar Sein Reich ist unerreichbar Seine Gedanken nicht denkbar Er hat sich eingezäunt mit Stacheldraht Kein Dornröschenschlaf Keine Prinzessin An seinen Dornen verblutet alles
7 Eine Blume War es eine Herbstzeitlose Zeitlos wie dieses Leben Oder ein Mauerblümchen Vor oder hinter der Wand Oder wilder Wein Er klettert über alle Mauern Umrankt selbst Zäune Ein Zaungast der Zeitlosigkeit Leblose Menschen und weiße Gestalten Grinsen Grimassieren Stupor Warst du schon Zaunkönig
8 Seine Freude blitzte in den verwundeten Augen Sie kamen, um ihn abzuholen Er hörte es am Knarren des Schlosses Geliebte Menschen? Erschrocken über diese Augen-Blicke Die Hand griff über ihre Hände Ein Guten Tag Ein Wie geht es dir Die stumme Autofahrt Angstvolle Gesichter bei seinem Versuch Mensch zu sein Dabei war er im Nebel Zuviel Haldol, Imap... Als er zurückkam sprengte er die Ketten Vom Stupor in den Erregungszustand Katharsis seiner Seele
10 Wildes Schlagen, Schreien, Toben Wessen Arme und Beine Wessen winselnder Körper Kein Gummi zum Abprallen Nur weiße Gestalten Nur gefüllte Kanüle Und Pole, Pole, überall Shocking
11 Sind es deine Gedanken die in mir denken oder meine Sind es meine oder deine Gefühle Kinderspiel: Wie du mir, so ich dir
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Wildwuchs
© Vera Hewener
Der Wildwuchs seliger Gefühle bewohnt die karge Landschaft Zeit. Im Dornenstrauch zerrissne Kühle hängt stückchenweise Schatten auf.
Ausgetrocknet von der Sonntag verdorrt die Seele zu Gestrüpp im Wüstensand. Der Oase Lebensbronn träufelt den Saft wieder zurück.
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Wednesdaynightblues
Morgen in den Augen und Küsse auf dem Körper tastet sich dein Geruch durchs Zimmer mein Geliebter hast mich schon verlassen
Deine Pantoffeln gehen noch durch die Räume und Gedanken von gestern hängen an der Wand
Ich schütte das Vergangne aus dem Fenster und vertreibe die Süße einer Nacht widerwillig flieht sie in die Helle des Tages
Der Aschenbecher raucht weiter deine Fingerabdrücke lösen sich vom Bierglas und spielen Klavier Wednesdaynightblues
© Vera Hewener
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Inhalt
wach haus Ich habe es satt Morgens Mittags Abends Wanderungen Loreley Letztmalig Wildwuchs Glockenläuten Verlust Zersprungenes Gesicht Mauern aus Glas 1-11 Abrüstung AschenPuttel Kommausdirherausmensch Dahinter Wo bleibt der Frühling Oh blitzblanker Morgen Oktobermorgen Wachstum Wie banal der Alltagskrieg tobt Mein Kuss an die Zeit So kam das Flackern der Nacht Wir tänzelten fußauf fußab Habt Acht im Sturm .....tag Wer zählt noch Nachsehen Anschlusslos Welche Begrüßung am Morgen So war es Mutterrechte Fortbildung Novembrisch Gärend feuchte Luft Volkstanz Hier und dar November dein Nebel Januar Abschied Zwischendrin Wednesdaynightblues Für Dich Erinnerung an Dich Lilien der Vergängnis 1-7 Meine Hände
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wach urwach urwachs urwachst urwachstu urwachstum rwachstumu wachtumur wachstumurt wachstumurte wachstumurtei wachstumurteil wachstumurteilt wachstumurteilte wachs tum ur teilte
© Vera Hewener
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haus zuhaus hauszu hauszucht zuchthaus unzuchthaus hausunzucht zuchthausunzucht unzuchtzuchthaus hauszuchtunzucht zuchthauszucht zuhauszucht zuhaus haus zu haus
© Vera Hewener
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HABT ACHT IM STURM der dein Herz zerzaust und mit Trübsinn bläst wie schnell hast du einen Klappenfehler und wirst digitalisiert du brauchst keinen Fingerhut für einen ganzen Körper nur eine handvoll Ausrufezeichen das hätte die Blumen auch gerettet und die Bäume und die Erde
© Vera Hewener
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WELCHE BEGRÜßUNG AM MORGEN das Scheppern der Mülleimer hallt noch Papierschnipsel kriechen am tränentriefenden Boden huschen davon die Minuten von gestern und winken dir ein Lebewohl nach
Wer früh aufsteht hat das Dämmern in den Augen und im Kopf die Windbrise fegt über die Bürgersteige einige greifen nach ihren Hüten um das Loch abzudecken voll weggeschobener Gedanken
Vergiss den guten Willen nicht das Wohlwollen anderer bringt dir Glück Händeschütteln und Zulächeln freundlich sein und bleiben einen Tag lang verbeugen vor der Einfalt dieser Welt
© Vera Hewener
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Fruchtbares Feld
Gräser einer vergangenen Zeit spriessen wie seltene Orchideen aus dem Sand des Erlebten
Hast du dies fruchtbare Feld je erblickt das du ersehntest
Und Jahr um Jahr sich das Blühen über dem Beet verstreut das du gedüngt mit den Antworten die dich das Wachsen lehrte
Wo die Fragen verstummen wird kein Same mehr sein
© Vera Hewener
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