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Rhapsodie in Blue
Wenn das Vogelpaar zärtlich schnäbelt, endet das Zwitschern, Töne fliegen, von Sehnsucht erhoben, hoch hinaus, in den weit geöffneten Himmel.
Die im Wasser des Lebens baden weilen in der Welt wie die Sonne, Zenit erhellender Schwingungen, Umarmung, gezeichnet von Küssen,
die brennenden Fackeln, die kühlen im Schatten des Mondlichts, spät, wenn die Hitzewelle sich bricht.
Gischt spült tosend die alten Kleider an Strände, wo sie, wenn gefunden, von anderen getragen werden aufs Neue, immer wieder, weiter, in Wiederholungen, in Zeiten, in Gezeiten, die Ebbe wagen.
wir wagen weit hinaus, ins Meer wir fluten mit der Brandung. Komm auf die Sandbank, Träumerin, die trocken für den Moment, wartet auf die Stille des Rausches, Lichtstille, Nacktheiten, nackt mein Körper, mein Blick, mein Denken, nackt nur sehen wir uns, nackt nur weben wir die Sekunde ein, weben ein Kleid der Unendlichkeit.
Augenblick der Sinne, unserer Sinne, die verströmen, ineinander fließen. Wir sind Meer, vom Rauschen berauscht, im Schwindel wirr, seekrank durch das Wogen der Wellen, kraftvoll die berstende Brandung, wenn die Flut das Land verheißt, dürstend nach Überschwemmung und hungrig nach Nahrung, des Wassers Mineral.
Bronn der Sehnsüchtigen, Sehnsüchtige, die ohne Fragen sich ins Wasser stürzen, hoffnungsvoll, dass die Sandbank gewartet, bevor sie sich dem Überfluten ergibt.
Wer weiß schon, wo das Meer ins Land reißt, es nicht mehr hergibt, es ganz verschlingt, in der stürmischen Umklammerung seiner Wasserarme fast erstickt.
Selbst in dieser Strömung wirft das Gewoge zurück ans Ufer uns, Wurzeln schlagend im Boden, den das Mineral befruchtet hat, kostbar wie die Perlen der Muscheln. Wir tauchen nach Muscheln, auf Suche, auf der Suche nach jenen Perlen, die aneinander gereiht ketten, Lebensketten schmieden, der Mythos,
Meer, das Mysterium, unvollkommen vollkommen, jenseits bedeutungsvoller Worte, Unschuld in undurchsichtigem Blau gemalt, zweifelhafte Erscheinung, Betttuch der Schöpfung, Transparenz zwischen Tod und Leben, Gratwanderung des Ich im Wollen, Denken, Fühlen, Lieben, die Welt, wie sie nackt ist, Vorgeburt.
Nichts im Nichts, Traum im Traum, Galaxien ohne Sonne, schwarz, schwarze Löcher, Kontinuum der Entfernung, bis der Horizont sie bindet, Zeitband, schnellt zurück uns, die wir ketten am Traumland, uns, sterbend am Tag, uns trifft der Flügelschlag, die sich gebären, Geborene, Gebärende, Nachgeburt.
Spiralnebel, Sterne, Andromeda, die Wiedergeburt, Nachwort im Wortlosen, dreht sich, schweigt. Ich stand auf der Wiese, staunte scheu, im Blinzeln des Lichts, sah dich Aura im Vollkommenen, dich Lichtblende, Schattenbild, Trugbild des Nichts, allein, du mit der Perlenkette, Glitter, ich reise mit dir, wenn das Land reißt
im Zeitsprung gebunden, wenn Wasser sich formt, fließt, wellt, wogt, bricht, wir in uns gebunden, wir in uns gekettet, geschmiegt an die Perlen, Lebensschmiede, Eisenkette schwarz, weiß, Grau im Grauen, blau im Blauen, stille Unschuld, gesichtet in Schuld, weilt in der Welt, Welt wie die Sonne Zenit erhellender Schwingungen,
Ton, Töne, Rhapsodie.
Vera Hewener aus: Bist Himmel mit und tausend Feuerfunken. Mauer Verlag 2003.
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