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Lichtschrift
Lichtpatrouille kryptische Schrift des Frühlings
auf der Tafel der Gärten: Sonnenstiche Kreidezeichen Blütenglyphen
© Vera Hewener
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Lichtmaß
Tauben besprechen die Kalligraphie der Gehölze Beschreibungen der Äste in den Rodungen des Lichts das die Schablone des Knospens über die schwarze Farbe der Zweige legt
kaum lösen sich die Schattenrisse auf summsen Hummeln im hauchdünnen Blühstoff flackert in den Wiesen die Flamme des Windlichts
Gänseblümchen recken sich nach dem Lichtmaß aus dem der Frühling seine Farben schöpft
© Vera Hewener
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Lichtblende
wer kennt nicht die Verkettung der Dinge die aus nichts als Zeichen besteht die wir nicht zu deuten wissen
wir glauben uns selbst am liebsten wenn das Scheinbare Glück verspricht das wir erhofften
Verwirrung die süchtig macht nach Blenden und Lichtfiltern
© Vera Hewener
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Lichtkampf
in der Himmelsarena thront der König der Finsternis
auf den Bänken der Wolken Gefolge der Zeitprinzessin
Windritter fechten um die Lichtkrone tragen ein Banner aus Goldlametta am Morgenschwert
Funkensplitter klirren zersieben das Dunkelschild
Unberührtes errötet vor der hellen Huldigung
Vera Hewener aus: Es kommen andere Ewigkeiten.WiKu Verlag 2007.
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Lichtfieber
In den Sphären die wie Hologramme wirken verschwommen und doch vollkommen nah neigt sich das Fieber des Lichts
Das helle Weinen einer Windbö schleppt sich in die Ohrmuschel des Ufers und verfängt sich im Dünensaum
Wenn Lichtsplitter sich am Zeitgrat zersprengen und auf Sekunden flimmern reibt sich der Himmel das Blau aus den Augen
© Vera Hewener aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.
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Nächte des Lichts
Und in die Leere meiner Haarwelle stößt der Wind das Lied der Jungfrau Die Wunden der Jahre verströmen ihren tödlichen Seim
Ich lass entfließen den Traum der überschwänglichen Sommer und kehre zurück an der Strände Muschelkalk
Tausend kleine Scherben tausend kleiner Tode dazwischen das Krebstier und die Feuerqualle
Ach du geduldiger Mond siehst lange vor deinem Tag die Nächte des Lichts die ich beweine
© Vera Hewener
aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. Mauer Verlag 2003.
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Nacht fällt ins Licht
Aus diesem Nachtgewand das der Stille der Träume Vision und Geheimnis beließ und sein Anthrazit über den Morgen ergoss spinnen Sehnsucht und Wünsche ein Tuch aus Seide
Über dem Lichtbogen schwirrt der Glanz der den Tag anruft und den Träumenden ins Leben stürzt in die Welt, die laut ist und hell
Kein Hadern kann das Entrinnen der Dunkelheit brechen die mit ihrem Rückzug die Wirklichkeit entblößt und das Gebäude des Tags aufschließt
Die Geburtsstunde leuchtet jene Stunde, die uns die Nacht nicht nimmt und das Erwachen erzwingt
Der Tag wächst ins Blaue und mit ihm das Sterben der Zeit
© Vera Hewener
aus: Eine Neigung aus Blau. 2002
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Die Fuhre des Lichts kippt aus den Wolken Blüten Gartenreisig knistert Libellen tanzen im Gelock Auftakt der Blütenbälle
© Vera Hewener
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Im hellen Vorschein lockt mich Sonnenhaars Rauschgold Zweig um Blüte knospt farbtrunken im Lichtpegel Blütengespinst duftzerstreut
© Vera Hewener
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Blaues Stundengebet
zieh die blaue Stunde auf Minutenteppiche aus Lichtpunkten dämmerungsgeneigt
schlag ein uns das Betttuch aus Federn die wir gelassen haben
in unserer Nacktheit kuscheln wir mit untergegangenen Sonnen mondgetupftem Sternengelichter
© Vera Hewener
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Lichtwechsel
Jeder Atemzug des Abendwinds hallt in die Dämm’rung des untergehenden Lichts, das sich mit letzter Kraft gegen das Graue stemmt am sich krümmenden Horizont. Der Abschied krallt sich ins Purpur, wo die Schwärze des Nachtgesichts sich schon brüstet, von Sterntönen überschwemmt.
Kälte kauert jetzt im Windfall, glüht auf den Wangen des ausgetrockneten Steins, der den Vollzug der Zeit mit seiner Härte blockt. Das Zerfallen des Augenblicks Sekunden versprüht auf den Uhren, Kommen und Gehen werden eins, alles verschmilzt, das Universum frohlockt.
Schwere schwindet sanft im Rotgold, flieht in die Stille des sich erhebenden Monds, bündelt im Mauerwerk Risse des Zeitmoders, der sich auflöst, entwoben aus dem kargen Ried leerer Straßen. Aufgesang eines Eleisons hymnisch erklingt im Anblick des Geloders.
© Vera Hewener aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. Mauer Verlag 2003.
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Dekadenz des Lichts
Taubes Weiß öffnet den Sonnenspalt flimmert im Pinienwald
Aufhellungen aus denen der Wind trinkt
berauscht träufelt er Sinnestropfen in die Augen der Träumenden
Dekadenz des Lichts stiebt die Zeit über die Flammen am Venushügel
© Vera Hewener aus: Es kommen andere Ewigkeiten.WiKu Verlag 2007.
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Lichtungen
Der Regen, der das Schweigen bricht, mag nichts so sehr wie Grund und Boden, den er befruchtet. Die maroden Wände er im Sturm durchnässt. Sie brechen ein und schaffen Licht, das einen neuen Blick zulässt.
Wer dort die hellen Blitze schaute, erträgt den Lauf der Dinge leichter. Der Sumpf vertrocknet und wird seichter. Dass alle Tritte nicht entschwinden liegt an der Brücke, die er baute, wenn wir den Umbruch auch verwinden.
© Vera Hewener aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. Mauer Verlag 2003.
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Lichtzeit
Es sind die Tage, die mir Wasser in die Augen treiben, wenn meine Netzhaut dem Licht standhalten will, das sich durch die Zeit schleicht,
ein sagenhaftes, helles Licht, eine Aura, die Feen umgibt und Engel, dieses Licht, das sich nicht scheut, hier zu rufen, um dem Tag das Gesicht zu zeigen.
Da sehen wir uns gegenüber, das mutige Licht und die Fremde, die darin keine Heimat findet.
Der Zwang zur Gegenwart überfällt mich, Zeit wird spürbar und klopft mit jedem Pulsschlag ie Wegstrecke ab, die vor mir liegt.
© Vera Hewener aus: Eine Neigung aus Blau. 2002.
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Allerliebstes Licht
Da Du mich rufst, Dir zu folgen, nimm nur mein Herz, nimm meine Seele ganz. Kein Weh, kein Schmerz wird mich Dir nehmen, vergess ich mich, vergess den Glanz.
Da Du mich rufst, Dir zu folgen, gebe ich Dir mein ganzes Leben neu, will Garten sein, sä’ Dich mir wieder, dass keimen kann die Frucht der Treu’.
An Deinen Blüten ich mich freue, an Deiner Nahrung reife ich allein und Deiner Sonn’ erwächst die Wurzel, die Tränen werden Regen sein.
Da Du mich rufst, Dir zu folgen, geb ich mich Dir zu Deinem Willen hin, mein Schöpfer Du, mein starker Tröster, Du meiner Hoffnung Zuversicht,
Du hellstes, allerliebstes Licht.
Vera Hewener aus: Es kommen andere Ewigkeiten.WiKu Velag 2007.
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