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Vera Hewener
Die Website für Literatur, Kultur und Gesellschaft

Lichtflut
Lichtflut

Auszeichnungen

“Selezione Internazionale”
des Centro Europeo di Cultura in Rom im Oktober 1998 für die Gedichte “Berliner Promnade”, “Mittagsdissonanz”, “Frankfurter Opernplatz”, “La Jenny” und “Primiero”.

2. Preis
des Centro Europeo di Cultura in Rom im April 1999 für die Gedichte “Moena 1 und 2”, “Reise nach Aquitanien”, “Atlantischer Sommer” und “Bürgerpark nachmittags”.

Superpremio Cultura Lombarda
für den Gedichtzyklus „Sonne über Paris“, und “Zeit der Stille”, „Rhapsodie in Blue” und das Buch „Vermisstenanzeige“ Centro Europeo di Cultura in Rom im April 2001

Lichtflut. Reisenotizen in Lyrik und Prosa. Vera Hewener
ISBN 3-8311-1493-5. 94 Seiten. 10,12 € Bestellen: www.amazon.de

Rezension

Saarbrücker Zeitung vom 18.12.01
Die Luft riecht nach Sonnenmilch, Kokos und Palmöl
Buchtipp: "Lichtflut. Reisenotizen. Lyrik und Prosa" von Vera Hewener, Autorin aus Püttlingen

„Bei einer ihrer Lesungen im Café Kühnen in Köllerbach sprach Vera Hewener darüber, wie schwierig es ist, sich als Lyrikerin auf dem Literaturmarkt zu behaupten, wie kompliziert es ist, selbst wenn viele Gedichte mit internationalen Preisen ausgezeichnet worden sind, einen Verlag zu finden. Trotz und alledem gibt es jetzt wieder einen neuen Hewener-Band. "Lichtflut. Reisenotizen. Lyrik und Prosa" ist der Titel des Buches, erschienen bei Georg Lingenbrink in Norderstedt.. Mit leichtem Gepäck - Stift und Papier genügen - macht sich die Autorin aus Püttlingen auf zur literarischen Weltbeobachtung. Ihre Reisegedichte führen auf die Pariser Boulevards, in den Bois de Boulogne und an den Atlantik. Sonnenstrahlen, Strand, Wolken und Worte begegnen dem Leser. Die Luft riecht nach Sonnenmilch, Kokos und Palmöl. Das Leben ist sorglos. Nicht immer schweift Vera Hewener in die Ferne. Berliner Promenade, Bürgerpark oder Burbach wirken auf sie ebenso inspirierend. Auch in Saarbrücken schaut sie sehr genau hin, entdeckt Graffiti an Brückenpfeilern, Glanzpunkte, Ordnung und ungetrübten Wildwuchs. Vera Hewener sieht hin und hört zu. Sie lauscht den leichtlebigen Klängen der Singvögel und registriert die Lärmwelle, die sich durch eine Hochstraße quält. Vielleicht sind die Skizzen aus der eigenen Landeshauptstadt für saarländische Leser noch spannender als die Urlaubsgedichte. Schließlich erlauben sie den direkten und schnellen Vergleich mit den eigenen Empfindungen, Erlebnissen, Urteilen.


Saarbrücker Zeitung vom 2.01.02
Lyrik vom Atlantik und der Berliner Promenade
Die Autorin folgt in der Anordnung der Texte dem Zyklus der Jahreszeiten. Findet man in der "Januarsonne" vom Frühnebel verschleierte Waldwege, so folgt später "Atlantischer Sommer, spielerisch leicht". Zum Schluss kommen unter der Kapitel-Überschrift "Einbruch der Kältenebel" die Gedichte: "September", Oktober", "November". Es gibt die "Herbstnebel", "Die Zeit der Stille" und auch die "Winterhoffnung" und die "Wendezeit".
Der lyrische Reigen - lediglich ein paar kürzere Prosatexte sind im Buch abgedruckt - schließt mit "Die Worte der Wälder". Diese Zeilen fangen die Dezemberstimmung ein: "...Die Worte der Wälder lauten jetzt: / spitze Klänge des Frosts. / Durch die Äste wirrt Eiswind, / streift seinen Hauch über Kronen / und im kalten Glas verliert ein Vogel gegen die Zeit..."

Inhalt
Anbruch
Melodie der Frühe
Januarsonne
Im Zenit
Frankfurter Opernplatz am 27. August 1997
Glasbauten
Nachsehen
Aufbruch
Unaufhaltsam
Zeitsprung
Pulsschlag
Saarbrücker Skizzen
Berliner Promenade
Citymeile
Mittagsdissonanz
Bürgerpark nachmittags
Burbach
Im Schatten der Basilika
Sonne über Paris
Auf den Boulevards
Bois de Boulogne
Erotischer Nachmittag
La Jenny
Ausfahrt
Reise nach Aquitanien Atlantischer Sommer, spielerisch leicht
Rhapsodie in Blue
La-jenny.fr
Meerblicke
Lamour de l’année
Nordseesplitter
Die Flut
Wattwandern in Sankt Peter Böhl
Primiero
Fünf Uhr morgens in Taxenbach
Gasteiner Ballade
Missverständnis am Fulseck
Moena
Bad Hofgastein
Wintermärchen
September
Oktober
Herbstnebel
Ein Grad im Grau
Blätterschmelze
Steinstraßenzeit
Zeit der Stille
November
Winterhoffnung
Wendezeit
Die Worte der Wälder

Anbruch

Den Morgen lockt das Licht vergang’ner Tage.
Er tut sich auf und lässt die Zeit obsiegen.
Ein Schleier bleibt auf der Erinn’rung liegen.
Die Dämm’rung weilt, das nächtliche Gelage

im Trüben bläut, dass niemand es sich wage
das Haupt zu heben, sich in Lust zu wiegen.
Doch Schwärze und die Wehmut still versiegen.
Impuls des Lichts beendete die Klage.

Die Wolkenfelder fragmentier’n den Himmel,
der augenzwinkernd mit der Röte spielt
bis Helligkeit die weite Sicht erzielt.

Der Wind vertreibt des Anbruchs grauen Schimmel.
Wer frische Kraft geschöpft, die Zuversicht behielt,
von alter Last befreit, das Tagwerk selbst befiehlt.

© Vera Hewener
 

Saarbrücker Skizzen

Berliner Promenade

Ja, sie blenden mich, Schweißperlen,
die auf Wellenkämmen glitzern,
da der Fluss dem Gelbkörper wehrt,
der aus den Höhen Flammen wirft.

Obschon Windäste über die Wasserhaut fächern
lodert die Stirn des Gewässers.
In dieser von Brandwunden gezeichneten Strömung
kräuseln Fische, im Gespräch mit Ankern,
eine Luftblasensymmetrie. Sie gerät in Wallung,
wenn sie auf Steinhöhen trifft,
die den geraden Lauf der Zeit behindern.

Jetzt hat die Sonnenhand den Feuersturm
über die Brüstung getrieben, löst eine Klangfolge aus,
die auf der Esplanade der Eiscafés schwingt.
Versprechungen wildern durch die Hitze,
die den klaren Blick verschmäht.
Schon das Rascheln einer Duftnote Aufsehen erregt,
inspiriert von der Sehnsucht des Sommers.

Ach, ihr kehren  jene den Rücken,
die verängstigt sind und wortlos,
die die Gunst der Stunde vergrämen.
Ich spüre die Trauer der verlassenen Tische
bis Guiseppe sie befreit von den Resten
der erotischen Blasphemie.

© Vera Hewener

Saarbrücker Skizzen

Bürgerpark nachmittags

Stromabwärts gesellt sich der Windbaum ans Ufer,
zu beschützen die einstige Brache im Geröllbett,
das stumpf ist und meine Tritte schleift.
Es wacht den konstruierten Ruinen,
wo die Blicke der Tiefe den Turm neu erfinden.

In diesem von Ordnungen ungetrübtem Wildwuchs
Blattgrün die Klinkerwälle bescheidet,
das aus dem Rondell der Stille erwächst.
Rang um Rang dehnt sich das Schweigen,
federt in den Höhen die leichtlebigen Klänge der Singvögel.

Dort sich in Büschen widerspiegelt,
was Wildenten Luftskizzen erlaubt.
Auf dem Amethyst der Teiche
entwirft die Laune des Lichts Schattierungen,
Glanzpunkte, die irren,
aufkommendes Zinnoberrot dümpelt.

Westspangengemäuer vermisst die Distanz
der Wasserschlucht, die den Spannungsbogen weitet.
Er erhebt sich zum Zensor des Flusslaufs.

Den Brückenpfeilern Graffitigemälde
eine Hommage erweisen,
bis die Neige des Blaus ihren Hang verklärt
und die Aussicht nimmt,
den Bürgerpark vor Burbach zu bergen.


© Vera Hewener

Saarbrücker Skizzen

Im Schatten der Basilika

Rot leuchten die Schotterpfade
zwischen den Grasgärten,
die hinausführen auf enge Gassen,
wo Kopfsteinpflaster im Nachhall singt
und sich mich sakralen Tönen durchmischt.

Im Schatten der Basilika
hoffen Besucher auf das von Liebe gedrängte Wort.
Die in den Kneipen Distanz bewahren,
sitzen hinter diskreten Fenstern.

Schließlich weitet der schmale Weg
den Blick auf den Markt in Sankt Johann,
wo der Brunnen Vergessenen Wasser spendet,
inmitten dem Stimmengewirr,
das von den Ständen herüberbricht.

Im täglichen Handel treiben Kopf oder Zahl
ihren Schabernack bis in spätere Stunden,
wenn der Platz von Kaufresten gereinigt
und auf sauber geputzte Menschen wartet.

Schaumgefüllt sind die Gläser,
die jene Gäste zum Mondlicht halten,
das still ihre Abgänge empfängt.


© Vera Hewener
 

Reise nach Aquitanien


In diesem Azorenhoch,
das der Blüte der Sonnenblumen
gelbe Konturen verlieh
und ihren Gesichtern den Kern erspross,
trauen sich Heidekraut und Lavendel
das Vereinzeln zu.

Zwischen Ölfeldern und Akazienhainen
markieren sie aufrecht
den sirrenden Asphalt der Autobahn,
wo auf entfernteren Arealen
weiße Rinder das Gras betrauern,
das sie im Austausch mit dem Sterben
auf Stoppelhöhe begrenzten,
nahe den ungemähten Wiesen,
die im Wildwuchs noch ersticken,
liegt das Leuchten
auf dem Spann des Frauenschuhs.

Während sich Rebstöcke
Täler aneignen und Hügel besetzen,
gibt die Loire historisches Gemäuer frei,
für das sich Durchreisende den Kopf verrenken.

Wenn die Dordogne
sich aus der Ferne schlingt und Städte wachsen,
nährt sich der Fensterausschnitt gegenständlich
mit Bildern aus Grau und Beton,
Bilder, die sich über die Garonne retten,
jene Bilder, die in Minuten Natur zersetzen
in einen Rückstau aus Vergangenheit.

Dort liegt Bordeaux mit seinem Hafen
und schwerem Geschütz der Häuser,
Bordeaux, das der Geschichte trotzte
und seinem Handel Zuflucht gewährt.

Erst später öffnet sich Aquitanien
zu einer Landschaft,
die natürlich wächst
und seine Gäste schützt,
uns, die wir einfallen
in den Frieden der Dörfer
und die Ruhe der Stunde.


© Vera Hewener
 

Atlantischer Sommer, spielerisch leicht
21.7.98

Auf der Sonnenspur
torkelt der Zeiger des Jahrs,
grün und blumig die Wiesen
und Röcke, Wanderstöcke
kommen gerändert daher,
gereist in einem Wald
aus Pinien und Kalkweiß.

Not lässt sich nicht blicken
bei diesem Strahlen der Bläue,
selbst Gemurmel der Wolken
hemmt das Lachen nicht.
Nein, in diesem Ort der Sorglosigkeit
sinnt nicht der Regen auf Rache.

Er spült das Soeben
in die Vergangenheit,
leichtfüßig und gedankenlos
wie dieser Sommer,
der seine Hitze gebührenfrei verschenkt.

Gegenwärtig ist er nicht von Bedeutung,
allein reinigen soll er die Luft
von der Schwüle der Sonnenmilch,
deren Duft nach Kokos und Palmöl
Fliegen zum Schlingern verhilft.

Wie einer Schale die Walnuss,
wie einem Windhauch die Frische,
entnimmt er dem Zeitbild Licht,
ein Spiel der gelösten Worte,
das über dem Summen der Circe
seine Lider schloss und einschlief,
in dem Menschen, die sich lieben,
ihre Liebe wiederentdecken
wie in einem Film mit Bogart,
der tiefblickende Held auf der Abschiebebank.

Frauen, die dort lieben,
tragen ungewöhnliche Namen.
Sie heißen nicht Maria.
Sie tummeln sich auf anderen Sonnenbänken,
jenseits der Rechnung von Raum und Zeit,
schwebend zwischen Himmeln im Feuerrot,
das den Abend versengt und noch brennt,
wenn das Blau sich dem Schwarz ergibt.

© Vera Hewener


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Fruchtbares Feld

Gräser einer vergangenen Zeit
spriessen wie seltene Orchideen
aus dem Sand des Erlebten

Hast du dies fruchtbare Feld
je erblickt das du ersehntest

Und Jahr um Jahr
sich das Blühen über dem Beet verstreut
das du gedüngt mit den Antworten
die dich das Wachsen lehrte

Wo die Fragen verstummen
wird kein Same mehr sein

© Vera Hewener

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