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Vera Hewener
Die Website für Literatur, Kultur und Gesellschaft

Italienische Gedichte

Die vier Jahreszeiten
Antonio Vivaldi: erklärendes Sonett zu
“La Primavera”
Nachdichtung von Vera Hewener

Der Frühling

Der Frühling kommt mit Freude uns zu fangen,
mit frohem Klang die Vögel ihn begrüßen,
dem Wind zu lauschen, diesem milden, süßen
und Bäche plätschern, murmeln ihr Verlangen.

Doch plötzlich wird der Himmel ganz verhangen.
Es muss das Licht im schwarzen Mantel büßen,
denn Blitz und Donner liegen ihm zu Füßen.
Ein zaub’risch Lied hat sich auf’s Neu verfangen.

Im Wiesenfeld voll Blüte, voller Düfte
ein Hirte schläft, den treuen Hund zur Seite,
die Gräser wedeln, flüstern durch die Lüfte.

Bald tanzen Nymphen in der lichten Weite
zum Dudelsack, der Blumen liebste Klüfte,
nur Frühling dieser Welt die Pracht verleihte.

In: Verwirbelungen der Zeit. WiKu Verlag. Köln/Duisburg/Paris 2005.
 

Le quattro stagioni
Antonio Vivaldi: Sonetto dimostrativo sopra il Concerto intitolato “La Primavera”


La Primavera

Giunt’e la Primavera e testosetti
la salutan gl’augei con lieto canto,
e i fonti allo spirar de’ zefferetti
con dolce mormorio scorrono intanto.

Vengon’ coprendo l’aer di nero amanto
e lampi, e tuoni ad annuntiarla eletti
indi tacendo questi, gl’augelletti
tornan di nuovo al lor canoro incanto.

E quindi sul fiorito ameno prato
al caro mormorio di fronde e piante
dorme ‘l caprar col fido can’ a lato.

Di pastoral zampogna al soun festante
danzan ninfe e pastor nel tetto amato
di Primavera all’ aparir brillante.



 

Die vier Jahreszeiten
Antonio Vivaldi: erklärendes Sonett zu “L’Estate”
Nachdichtung von Vera Hewener

Der Sommer

Durchglüht von Sonne brennt die Zeit uns nieder.
Der Mensch ermattet, matt ist auch die Herde,
die Pinien zundern in der trock’nen Erde,
der Kuckuck ruft, aus Tauben schallt es wieder.

Ein zartes Lüftchen wagt `s und weht hernieder,
schon braust der Nordwind heulend die Beschwerde.
Der Hirte wähnt, dass Sturm sein Schicksal werde
und weint vor Furcht, es bangen seine Glieder.

Sogleich die Müdigkeit und Ruhe schwinden
aus Angst vor Blitz und Donner und den Fliegen,
die sich zu Schwärmen mit Hornissen binden.

Oh ja, ‚`s ist wahr! Seht seine Sorgen siegen.
Der Himmel dröhnt im flammenden Inferno
und köpft den Weizen. Sommers Intermezzo.

In: Verwirbelungen der Zeit. WiKu Verlag. Köln/Duisburg/Paris 2005.
 

Die vier Jahreszeiten
Antonio Vivaldi: erklärendes Sonett zu “L’Autunno”
Nachdichtung von Vera Hewener

Der Herbst

Die Bauern zelebrieren, tanzen, singen,
dass feiner Wein die Kron’ der Arbeit schmück!
Der Felder reiche Ernte ist ihr Glück;
das Fest wird tiefen Schlaf für viele bringen.

Den and’ren mag es wiederum gelingen,
noch aufzuhören, wenn die Luft so leicht,
die Jahreszeit sie einlädt, sie erreicht
ein süßer, süßer Schlaf, wird sie bezwingen.

Die Jäger ziehen los in Morgens Dämmern
mit Hörnern, Flinten, brechen auf mit Hunden,
das Wild entflieht. Die Zeit sie ihnen stunden,

bis laute Schüsse in die Körper hämmern.
Das Wild, verletzt, versucht noch zu entkommen,
doch es erschöpft sich, fällt und stirbt benommen.

In: Verwirbelungen der Zeit. WiKu Verlag. Köln/Duisburg/Paris 2005.
 

Die vier JahreszeitenAntonio Vivaldi: erklärendes Sonett zu “L’Inverno”
© Nachdichtung von Vera Hewener

Der Winter

Vereister Schnee lässt frieren uns und zittern,
mit kühlem Atem bläst der strenge Wind,
wir stapfen Schritt für Schritt fast farbenblind
mit Zähneklappern, Eiszapfen zersplittern.

Am Feuer träumen, wenn die Äste knittern,
wenn draußen Regen strömt im Gegenwind
und alle langsam und bedächtig sind,
mit Vorsicht über eis’ge Wege schlittern.

Wer schnell geht, ausrutscht, stürzt zur Erde.
Auf’s Neue schlürft man, sucht sein Gleichgewicht,
bis irgendwann das Eis reißt und zerbricht.

Beim Öffnen schleift das Eisentor die Erde
im Kampf mit Winden aus Südost und Norden.
Welch große Freud’, dass Winter uns geworden.

In: Verwirbelungen der Zeit. WiKu Verlag. Köln/Duisburg/Paris 2005.
 

Le quattro stagioni
Antonio Vivaldi: Sonetto dimostrativo sopra il Concerto intitolato “L’Estate”


L’Estate

Sotto dura stagion dal sole accesa
langue l’huom, langue ‘l gregge, ed arde il pino,
scoglie il Cucco la voce, e tosto intesa
canta la Tortorella e ‘l Gardellino.

Zeffiro dolce spira, ma contesa
muove Borea improvviso al suo vicino;
e piange il Pastorel, perché sospesa
teme fiera borasca, e ‘l suo destino;

toglie alle membra lasse il suo riposo
il timore de’ lampi, e tuoni fieri
e de mosche, e mosconi il stool furioso

Ah, che troppo i suoi timor son veri
tuona e fulmina il Ciel a granidoso
tronca il capo alle spiche e a’grani alteri.



 

Le quattro stagioni
Antonio Vivaldi: Sonetto dimostrativo sopra il Concerto intitolato “L’Autunno”

L’Autunno

Celebra il Villanel con balli e canti
del felice raccolto il bel piacere
e del liquor di Bacco accesi tanti
finiscono col sonno il or godere.

Fa ch’ogn’uno tralasci e balli e canti
l’aria che temperata dà piacere,
e la stagion ch’ invita tanti e tanti
d’un dolcissimo solo al bel godere.

I cacciator alla nov’alba a caccia.
Con corni, schioppi, e cani escono fuore
fugge la belva, e sequono la traccia;

già sbigottita, e lassa al gran rumore
de’ schioppi e cani ferita minaccia
languida di fuggir, ma oppressa muore.




 

Le quattro stagioni
Antonio Vivaldi: Sonetto dimostrativo sopra il Concerto intitolato “L’Inverno”


L’Inverno

Agghiacciato tremar tra nevi algenti
al servero spirar d’orrido Vento,
correr battendo i piedi ogni momento,
e pel soverchio gel batter i denti;

passar al foco i di quieti e contenti
mentre la pioggia fuor bagna ben cento.
Caminar sopra ‘l ghiaccio, e passo lento
per timor di cader girsene intenti;

gir forte, sdrucciolar, cader a terra
di nuovo ir sopra ‘l ghiaccio e correr forte
sin che ‘l ghiaccio si rompe, e si desserra;

sentir uscir dalle ferrate porte
siroco, Borea e tutti i Venti in guerra.
Quest’é l’Verno, ma tal che gioia apporte.


 


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Fruchtbares Feld

Gräser einer vergangenen Zeit
spriessen wie seltene Orchideen
aus dem Sand des Erlebten

Hast du dies fruchtbare Feld
je erblickt das du ersehntest

Und Jahr um Jahr
sich das Blühen über dem Beet verstreut
das du gedüngt mit den Antworten
die dich das Wachsen lehrte

Wo die Fragen verstummen
wird kein Same mehr sein

© Vera Hewener

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