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Vera Hewener Die Website für Literatur, Kultur und Gesellschaft
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Spätes Lächeln
Welch mildes Blau bestrahlt des Herbstes Neige ein festliches Vergnügen sich zu wärmen die Seele aufzufüllen in den Thermen sich aufzurütteln laben an der Feige
der Liebe Frucht verflechten sich zum Reige das Hoffen und das Sehnen auszuschwärmen zu zerbrechen der Schmerz beginnt zu lärmen dass Laub zerknittert am vergessnen Zweige
Das Lichtern bleibt umhaucht von Sonnentropfen versprüht ihr spätes Lächeln Himmelstiefe begrenzt die Trauerzonen Abschiedsbriefe
und stört den Wind beim Stürmen und beim Klopfen wenn er mich schreckt wenn Zaudern mir entliefe gelehnt an Licht zurechtgezurrt das Schiefe
Vera Hewener
aus: Verwirbelungen der Zeit.. WiKu Verlag 2005.
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Blätterschmelze
Der Herbst raunt seinen Fluch. Der Wind bestürmt Gehölze. Er sammelt unerbittlich fälligen Tribut. Wie zerrt und zurrt er im Gezweig ohn' Gnad. Akut das Feuer brennt im Todeskampf der Blätterschmelze. Gesang aus Vogelmund verschied. Nur Hagestölze der Zeit sich widersetzen, harr'n und bibbern fort, dem Kahlschlag frech zu trotzen. Der verlass'ne Ort gebärdet sich nicht gastlich, schnell im Schneegewälze
die Spuren sich verlieren. Blass in Mondes Silber erstarrt auch jener Traum, der fantasiegeweckt den Stern zum Leuchten bringt, bis ihn Kälte schreckt
die Astwerk ohne Laub befällt. Die Schattenbilder des Lands verlässt der Mensch. Ein Sperling frierend zirpt. der Boden Saatgut schützt und still für 's Werden wirbt.
Vera Hewener
aus: Es kommen andere Ewigkeiten.. WiKu Verlag 2007.
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Vogelflug
Der Himmel verkleinert sich schwarze Fäden Vogelketten Fluglinie ins Fremde
hinfort im wilden Aufschrei entfallen einzelne Federn Füllstoff der Leere
flaumweich darin das Laub entgrünt und Feuer wirft der Sonne hinterher die in weiter Ferne sich die Haare bindet zu einem Kranz aus Astern
Vera Hewener
aus: Es kommen andere Ewigkeiten.. WiKu Verlag 2007.
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November
Das Rotbraun der Eichen entkommt den Fichten, geronnen die Schatten, entweichen. Im Dunkel verfängt sich Geschichte, ein laues Gemunkel. Die Wolkenfusionen den Zeitzoll entrichten
und karge Gewächse stumm üben Verzichten. Von Nebel gezeichnet, verbannt im Gefunkel, erblassen im Schalen der Stämme Furunkel. Regionen vermodern, es fault im Vernichten.
Die Blättergruft wächst ohne Mitleid. Jetzt waltet im Laub der Vergängnis die Zeit. Sie spaltet den Rest leerer Landschaft, zerreißen die Tage
Kalender in Stücke. Hart quälen sich Woche für Woche Verlorene. Laut im Gekroche Verbliebener aufheult des Windes Gelage.
Vera Hewener
aus: Es kommen andere Ewigkeiten.. WiKu Verlag 2007.
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Schattenherz
Ein letztes Blatt vergisst sich in den Ästen. Es bleibt zurück und bindet Lebensklänge. Im frühen Frost erhärtet das Gehänge. Und spröde weht und rüttelt an den Kästen
der Vögel blind, als sei’s zum Wintertesten, ein kalter Hauch. Er schüttet Nebelfänge auf’s kahle Land, verschließt die hellen Gänge, ein Schattenherz, es schlägt in weißen Festen.
Und von den Thronen eisbeglänzter Seelen fällt alles ab, was lastet und was rostet, was längst verbraucht und zehrt und Kräfte kostet.
Kein Augentrost, die Wärme wird mir fehlen. Ein liebes Wort, ein lang vertrautes Lächeln ersehn’ ich mir, dein Stern wird es mir fächeln.
Vera Hewener aus: Eine Neigung aus Blau. Edition Calamus. Libri 2002.
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Herbstnebel
In diesem Wolkendunst stirbt der Himmel. Er schloss sein Fenster bereits am Morgen. Ich irre in der Nebelwüste blind, doch höre ich Töne des Sperlings.
Wir, die verblieben, sinnen dem Laut der Geschichte. Geduld währt uns die Spuren, und ich torkele auf dem Weg, der fortwährend den Zielpunkt verspricht.
Manchmal setze ich mich ins Randgestein, samm’le Kiesel, grabe Wurzeln aus, sauge den Stammgeruch auf. Die Fährte ist lichtschwach.
Vera Hewener aus: Lichtflut. Edition Calamus. Libri 2001.
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Steinstraßenzeit
Herbst wildert wieder im Geäst. Buntblättrig die Beute des letzten Sommers.
Kletterpflanzen halten noch an Lärmschutzwänden. Hier und da ein Blick auf bepflanzte Kohlehalden.
Auto um Auto der Baumfall und der Aufstand der Feldmäuse gegen die Steinstraßenzeit.
Vögel versammeln sich. Schweigen ist ihre Hinterlassenschaft. Wintergäste bleiben.
Manchmal verirren sich Menschen auch.
Vera Hewener aus: Lichtflut. Edition Calamus. Libri 2001.
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Oktober
Noch Grün durchmischt mit Rot und Gold Belaubtes. Das Asphaltgrau gewinnt an Herbstes Farben. Er streckt den Arm. Es ziehen Astes Narben den Grat in uns’re Seel’, der Schwerespur Erlaubtes.
Und bricht und flieht der Stimmen jäh Ertaubtes, verwaisen Nester und die Kronen darben. Wo Klänge hell und zärtlich sie umwarben zerstäubt das Licht, des Himmelszeig Geraubtes.
Der Regen fällt, er prasselt auf die Scherben. Was lange Zeit gereift wird müh’los sterben. Wo Rosen blühn muss vor dem Duft verneigen
die letzte Stunde sich vor dem Entfärben. Ein grauer Tag wird ihren Tod beerben. Und was Bestand gehabt, das wird sich zeigen.
Vera Hewener
aus: Lichtflut. Edition Calamus. Libri 2001.
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Ein Grad im Grau
So fröstelnd riecht’s, regnerische Trübnis, die das Dorf an die Wolken verschachert. Kein Kamin vertreibt dies Grau, das den Dachstuhl bleit.
Der Vogel in aufgedunsener Wiese pickt. Die Saat nicht aufgeht, die den Winter auslässt.
Kein Beginnen des Tags, wenn er seine Blüte nicht öffnet, wenn sein Duftgespinst Trauer trägt und in den Köpfen Schwarzes siegt.
Nur die Regentropfen danken den Tod.
Vera Hewener aus: Lichtflut. Edition Calamus. Libri 2001.
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Stille Stunden
Fast kahl geweht erstarrt Gehölz der Zweige. Im Astwerk schwingt des Herbstwinds kühle Seele. Kein Blütenstaub und keine Vogelkehle im Nass verbleibt. Novembers letzte Geige
verklingt. Das fahle Licht geht still zur Neige, es flüstert noch, dass bald das Helle fehle doch auch das Grau den Wandel nicht verhehle, der sich vollzieht, wenn es nun schweige.
Die Stunde bricht im späten Aufbegehren, zerstäubt wie Rauch und lässt die Zeit entfließen. Die Hände ruh’n im Schoß der Nacht, verließen
des Eiferns Weg. Den Schatten sich erwehren Kamines Knistern, lädt ein uns zu genießen das Stundenwort, die Stille zu erschließen.
Vera Hewener in: Himmelsstürme. Erscheint 2009..
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Bitterkraut des Herbstes
I Beheimatet im Humus lotst Licht mich ins Rotgold Seelenlaub blättert ins Abendfeuer flammenden Zugs
II Zu den gewaltigen Gräbern herbstet mich steinerner Tag auf Windböen fliehend abtragend den Zeitspat
III Bitterkraut des Herbstes blättert in mir und Risse purpurnen Himmels wenn mit Augen du aufschlägst Seelenseiten
IV In aufgeschütteten Tagen gräbt die Nachtschaufel leert den Farbwechsel schwärzt den Zeitsaum zurück bleiben Lichtfetzen Hoffnungstrümmer im kalten Eis
V Geruch der Erde entströmt fließt Schrunden bildet der wunde Grund Herbstrauch nebelt mir ums Herz Wärme verblutet
VI Ein Schattenpfad dunkelt mir vor den Augen in des Lichtes Zwiespalt fällt die Nachtgleiche Wünsche zersplittern Seelenholz lodert im Sterbeschoss
VII Hier wo weder Weihrauch wirkt noch grüne Rispen Blüten binden bleiben Altäre leer der Zeit vergor’ne Süße bittert atemschwer du weißt meine Zeit dunkeltrunkener Hain nennst den Schlaf besänftigend der mich nun verzehrt
Vera Hewener
aus: Es kommen andere Ewigkeiten.. WiKu Verlag 2007.
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Jahresringe
© Vera Hewener
Taufäden weben einen Teppich der Stille
darin der Herbst Blätterspuren stürmt Natur zählt die Sommerschäden
ich spür die Jahresringe aus den Schnitten der Zeit
Sterblichkeit die sich nährt mit jedem neuen Jahr
Weißes Haar sich vermehrt
In: Himmelsstürme. Erscheint 2009.
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Zaungast
© Vera Hewener
laue Luft windet ihre Lianen um Bäume an ihren Strähnen die wie Peitschen Schneisen schlagen schnitt ich mir einst die Haut ein
als Pilgerin suchte ich grünende Ölzweige wandelte im leeren Gebüsch
nun brennt der Herbst die Farben aus spinnt mir ein Blätterkleid aus dem Morast der Jahre
sei mir Genoss ruft ein Rotkehlchen und hofft auf einen Zaungast
In: Himmelsstürme. Erscheint 2009.
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Schwanengesang
Kupferwurf der Sonne Schattenfall auf regenrostigem Untergrund
Rotlicht im braunen Harsch zublättert ehe Winterschläfer das Unterholz besiedeln
all meine Schwäne wildern über die Hügel fliegen auf weißen Flügeln den Glast aus den das Dämmern übrig ließ
Vera Hewener
In: Himmelsstürme. Erscheint 2009.
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30.08.10 Flaschen -geister, Nebelfrauen und Bücherwürmer. Die Veranstaltungsreihe Litera- tissimo des Püttlinger Kulturamts fand am Freitag- abend im Schwesternhaus statt. Ein idealer Ort, um die Geister der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zu locken. Gut 100 Zuhörer kamen, um sich zum vorletzten Mal in diesem Jahr vorlesen zu lassen. ....
02.09.10 Literatur in der “Roten Zone“ Köller- bachs - Vera Hewener und Georg Fox lasen im vollbesetzten Schwestern- haus....Eingeleitet wurde der Leseabend von Heweners historischem Rückblick in die Zeit vor dem zweiten Welt- krieg. Dass Karl Ludwig Rug die Barmener Erklärung mitgetragen hatte und sich gegen das Naziregime stell- te, war eine der Ausfüh- rungen. Dass das Straflager in Etzenhofen auf Hermann Röchling zurückging, war vielen nicht bekannt. Die Widmungsgedichte Heweners unterstrichen dies. ....
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Nächste Lesung: 17.09.10 um 19.30 Uhr Literatissimo “Poesie im Mondschein” Kath. Bücherei Liebfrauen mit Margret Roeckner, Vera Hewener und EVa Dörr-Vieregge
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