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Vera Hewener
Die Website für Literatur, Kultur und Gesellschaft

Glaubensgedichte

Ewiges Licht

II

Das einzig Beständige dieser Welt
ist das Unbeständige

Das Beständige des Lebens
bist Du



V

Du kommst
wenn ich auf meinem Ölberg stehe
wenn alles mich verlassen hat
wenn alle Schmach
mich ans Kreuz schlägt

Du kommst
hüllst mich ein
mit dem Wundtuch
Deiner Liebe


Vera Hewener

aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.

Du trocknest meine Tränen wieder

Du trocknest meine Tränen wieder,
die vergossen ich in meiner Qual,
die meinem Kampf so still entsprungen,
Du sandtest mir Dein liebendes Fanal.

Mit Deinem Geist nur widerstand ich,
bezwang den Zweifel und die Not;
besiegte, was zehrte und zersetzte
ergab mich Deinem Liebesaufgebot.

Du schenktest mir den Frieden wieder,
den verloren ich im Glanz der Welt,
der meines Herzens Kraft zerschnitten.
Dein Leuchten lag auf mir, hat mich erhellt.

Du trocknest meine Tränen wieder,
die vergossen ich in meiner Qual.
Du trocknest meine Tränen wieder
und lädst mich ein zu Deinem Hochzeitsmahl.

Vera Hewener

aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.

Allerliebstes Licht

Da du mich rufst, dir zu folgen,
nimm nur mein Herz, nimm meine Seele ganz.
Kein Weh, kein Schmerz wird mich dir nehmen,
vergess ich mich, vergess den Glanz.

Da du mich rufst, dir zu folgen,
gebe ich dir mein ganzes Leben neu,
will Garten sein, sä’ dich mir wieder,
dass keimen kann die Frucht der Treu’.

An deinen Blüten ich mich freue,
an deiner Nahrung reife ich allein
und deiner Sonn’ erwächst die Wurzel,
die Tränen werden Regen sein.

Da du mich rufst, dir zu folgen,
geb ich mich dir zu deinem Willen hin,
mein Schöpfer du, mein starker Tröster,
du meiner Hoffnung Zuversicht,

du hellstes, allerliebstes Licht.

Vera Hewener

aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.

Requiem

Wenn ich in der Erde liege
ergeben ruft mein Herz nach Dir,
Wenn ich heimkehre zu Dir
beginnt der Staub den Leib zu wiegen.

Alles ich vergessen werde.
Was immer auch im Glanz der Welt,
löst sich auf, zu Staub zerfällt.
Ich gehe ein in Deine Herde.

Alles Bangen, alles Zagen
verstummt im Anblick Deines Lichts.
Hör die Stimme des Gerichts,
der höchste Rat beginnt zu tagen.

Sei mir gnädig, sei mir milde,
erflehe Nachsicht, nimm mich auf.
Ach, so lang wart’ ich darauf,
erlöst in himmlischem Gefilde.

Gott, Du Heiland, Du mein Leben,
vergib mir Fehlen, meine Schwäche.
Tod die Seele nicht zerbreche,
die Auferstehung naht, Dein Segen.

Wenn ich in der Erde liege
ergeben ruft mein Herz nach Dir.
Sollt ich heimkehren zu Dir,
dann wird Dein Himmel in mir siegen.

Vera Hewener

aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.

Auszeit im Karmelitenkloster Springiersbach
vom 25.-28.8.2003

Karmel

Mein Herz, in tausend Fasern aufgerissen,
zerästelt, aufgespleißt und leergefühlt.
Im Ruhelosen ausgedacht, zerschlissen,
im Lärmenden zerschellt und weggespült.

Die Stille leicht und hell, so deutlich spürbar
sein Geist, berührte, füllte jeden Ort.
Im Schweigen sprach die Stimme, rief mich wortklar,
und meine Seele heilte immerfort.

Der Stundenschlag vereinte Ordensleute
mit jenen dort, die das Gebet verband.
Wer tiefen Glauben suchte, sich nicht scheute,
in Gottes Liebe einging und verstand.

Der Berg Karmel entfacht sein Feuer wieder.
In der Kapelle brannte heil’ge Loh.
Ergriffen kniete vor Verehrung nieder
das Gottesvolk, der Schmerz verging, entfloh.

Vera Hewener
aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.

Staubkorn

Lass mich im Moos, im Moos der Wiese ruhn,
in Deiner Schöpfung wildem Garten,
lass mich hier nicht länger warten.

Lass mich im Grund, im Grund zu Staub zerfallen,
dass fruchtbar wird das Samenkorn
und reifen kann zum Lebenssporn.

Lass mich zu Dir, zu Dir in Deine Nähe,
Du Allerhöchster am Altar,
mich Dir hingeben ganz und gar.

Lass mich im Moos, im Moos der Wiese ruhn
und nimm mich auf in Deinen Garten,
erlöse mich im Offenbarten.

Lass mich in Deiner Liebe sein.

Vera Hewener
aus: Es kommen andere Ewigkeiten. WiKu Verlag 2007.

Orgelkonzert von Werner Grothusmann
im Köllertaler Dom in Püttlingen am 26.1.2003

Der Weg

Aus der Düsternis entschwebt
der Lichtkreis, verwebt
das Klangfeld aus Orgelflöten,
die hellklaren Fanfaren.
Es strömen Tonkaskaden
in die hohen Hallen.

Mit milder Zartheit fallen
Musikgebete in die Seelen
und lösen ihr Fehlen auf.

Im Meer der Orgelklänge
versinkt die Gemeinde tief,
vor Augen die Christusgänge.
Der seine Jünger berief
stieg vom Kreuz herab.

Das Brausen der Posaunen
steigert die Visionen.
Engelzungen raunen.
Ihre Botschaft verkündet
den Weg, die Wahrheit, das Leben.

Von Jesus den Menschen aufgegeben:
niemand kommt zum Vater,
denn durch mich.

Vera Hewener

aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. Mauer Ver

Die Wahrheit

Deine Nähe lässt mich weinen
Göttliche Gnade ist Deine Gewissheit
Ein Zeichen sendest Du mir

Ich empfange es voll Verwunderung
über die Schlichtheit der Wahrheit

Ich bin nichts ohne Dich
Du bist alles in mir
Schöpfer, Lebensspender

An nichts kann ich mich halten
als an Deiner Liebe
Deinem alles umfassenden Heil


Vera Hewener

aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. Mauer Ver

Hinwendung zum Du
In memoriam Martin Buber

1

Aufruf

Wenn Einer dir winkt
ohne das Widderhorn zu blasen
kannst du das Hören
nicht mehr beschädigen

unbarmherzige Gnade
wenn der Stolz des Wählenden
dich trifft

Wie tief sind
die Wunden des Ungewussten

Bleich ist die Braut
deren Blutwurzel
aus dem Stamm der Jagenden
entwuchs

die Er in neuen Sand verpflanzte
dieser Himmel aus Weissagung und Segen

Cherub hat die Lanze gesetzt
und das Tor geschlossen

2

Sternstunde

Wo Du bist
versinken Zweifel
Schutzblende Dein Licht

Leben webst Du ins tot Gewordene
und das All Deiner Hoffnung

nie aufhört das Werden
in der Galaxis verborgenem Du

3

Geburtszeit

In meinem Herz
steht das Gewölb Abrahams
aufrecht als Pumpe

ständig angereichert mein Blut
mit dem Sauerstoff
der Genesis

sie reißt mir
die Schatten von Augen
die nicht sehen konnten

ich blute unaufhörlich

zwischen den Felsen
entspringt die Mikwe

und Er
zeigt mir das Büßergewand


4

Bittgesuch

Oh Einer
trinke mich nicht aus
gewähre mir ein paar Sekunden
Vergangenheit

ich lasse
zurück
was ich nicht
zurück lassen will

ich finde
was ich nicht
zu wissen gewagt

ich liebe
was vor Liebe sich verbirgt

ich wandere
auf geheimnisvollem Weg

sternbeflockt
mit jedem Schritt versinkt
die Rückkehr


5

Wegzeichen

meine Augen
von Meerblumen benetzt
meine Feder
von unsichtbarer Hand geführt

ich zittre in Deiner Macht
und bin doch hier wirklich

kann ich mich
finden in Dir

wenn Dein Leitstrahl
unfassbar

wenn die Kreuzung
keinen Rückweg hinterlässt

Psalmenschilder
cherubinische Gesänge

an goldenen Fäden
hängen meine Flügel


6

Heimsuchung

Du teilst
Deinen Segen aus
großzügig

kann ich
bestehen vor Deiner Güte
wo doch mein Herz
immer wieder nicht schlägt

Nichts treibt mich weiter
als Dein Ruf

In der Stärke Deiner Hitze
schmilzt Metall
Verließe
Kerker
Haft

Du suchst mich heim


Vera Hewener
aus: Vermisstenanzeige. Edition Calamus. Libri 2000.
 

Zum Bild „Consummatum est Jerusalem“
von Jean-Léon Gérôme, gemalt 1867

Getsemani

Von anderswoher
kommt Dein Licht
aus der Schattenexistenz
meiner letzten Verlassenheit

Du lässt es leuchten
in mir bis zur Erschütterung
bis ich geborgen bin
in der Einsamkeit des Gekreuzigten
bis ich im Nichts
meine Heilwerdung erkenne

Vera Hewener

aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. Maurer Verlag 2003.

Das Leben

Er nur kann wählen dich aus dem Kreis Menschen, die ihn nicht erkennen,
wird dich begleiten auf geistigen Flügeln, umarmen und halten,
bis deine Seele zerspringt von der Nahrung des Lichts und der Weisheit,
heilt deine Wunden, den Schmerz lindernd, löscht aus die quälenden Fragen.

Pocht auch dein Herz an die Nacht und friert verlassen, fleht nach Erlösung,
sendet Er Engel dir zu, deine Not löst Er auf in Vaters Trost.
Willst du empfangen ihn, öffne dich weit, Labsal stillt diesen Hunger,
und in der Dunkelheit ist Er dein Hoffnungsgeleit durch die Trübnis.

Ich bin bei Euch bis ans Ende der Tage, so spricht Er zu dir, Gott, Dein Herr.
Seine gewaltige Herrschaft erwartet den Sehnenden wahrhaft.
Ihm zu vertrauen erfüllt und beglückt. Gibst du Ihm dich hin, sieh nur,
all deine Ängste und Sorgen versiegen, gesegnet wirst du sein.



Vera Hewener

aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. Maurer Verlag 2003.

Pfingsten

Ich spür den Hauch in meine Seele fließen,
den Du verströmst, mit dem Du jeden bannst,
den Du erwählst, mit dem Du fesseln kannst.
Dein Wort, Dein Geist sich über mir ergießen.

In dieser Welt die Zweifel mich entließen,
da Du mir tief ins Innerste einpflanzt
des Glaubens Kraft. In Deinem Himmel tanzt
die Engelschar, den Weg sie mir beschließen.

Und ehrfurchtsvoll beschreite ich die Weisung,
die Du gesandt und lege Zeugnis ab
in dieser Zeit, wo einer Seele Lab

sich sehnt nach Dir, nach Gottes ew’ger Speisung.
Das Kreuz, das Du für alle hast getragen,
der Liebe Spur, wird in die Herzen ragen.

Vera Hewener
aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. Maurer Verlag 2003.


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30.08.10 Flaschen
-geister, Nebelfrauen und Bücherwürmer.
Die Veranstaltungsreihe Litera-
tissimo des Püttlinger Kulturamts fand am Freitag-
abend im Schwesternhaus statt. Ein idealer Ort, um die Geister der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zu locken. Gut 100 Zuhörer kamen, um sich zum vorletzten Mal in diesem Jahr vorlesen zu lassen. ....

02.09.10 Literatur in der “Roten Zone“ Köller-
bachs
- Vera Hewener und Georg Fox lasen im vollbesetzten Schwestern-
haus....
Eingeleitet wurde der Leseabend von Heweners historischem Rückblick in die Zeit vor dem zweiten Welt-
krieg. Dass Karl Ludwig Rug die Barmener Erklärung mitgetragen hatte und sich gegen das Naziregime stell-
te, war eine der Ausfüh-
rungen. Dass das Straflager in Etzenhofen auf Hermann Röchling zurückging, war vielen nicht bekannt.
Die Widmungsgedichte Heweners unterstrichen dies. ....

Nächste Lesung:
17.09.10 um 19.30 Uhr
Literatissimo
“Poesie im Mondschein”
Kath. Bücherei Liebfrauen
mit Margret Roeckner, Vera Hewener und EVa Dörr-Vieregge
 

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