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Vera Hewener
Die Website für Literatur, Kultur und Gesellschaft

Gartengedichte

Flamenco am Wölfelsbrunnen

© Vera Hewener

In der Sonnenlethargie säuseln gelbe Seerosen
vom Teichgrund kräuseln Halmschöpfe leichte Wellen auf
im Wasserspiegel äugt ein Reiherpaar kupfergrün
Steingänse stechen in See

Moos überhauchte Amphoren angelehnt an Steinwacken
öffnen sich dem Himmel der sein Lichtblau über die Meere schickt
für den Rhythmus andalusischer Stunden

im Flamenco des Frauenfarns tanzt die Vogelbeere
Wacholderdrosseln rasseln den Takt für die Zinnien
die zwischen Thymian und Hauswurz gelbrot erzittern
eingewurzelt im Baumschatten verwischt die Hitze
der Erinnerung ihre Spuren in den Wurzelschossen

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Landgarten

© Vera Hewener

Blumentöpfe rund gebaucht
feuerroter Fuchsienstamm
Wurz bewachsener Wasserdamm
steinbetaucht

Grasschöpfe Wind durchfaucht
verwittertes Kinderpaar
steingegoss’ne Gänseschar
zeitverbraucht

Tonamphoren grün gehaucht
würzigmilder Thymian
Vogelbeere Schattenbahn
licht umstraucht

Sonnensporen überhaucht
gelbes Seerosengeflecht
Wellenkreise Froschgefecht
Eisenschänke Vogeltränke
Luft verraucht






 

Bauerngarten

© Vera Hewener


Pflaumenbaum und Heidelbeeren
Dahlien und Gartenzwerg
Grasnelken und Eberesche
Kräuterbeet und Kompostberg

Rebenranken Buchsbaumsträucher
Vogelhäuschen und Salbei
Rosenbüsche Blütenrüsche
Bauerngartenzauberei



 

Absinth und Ambrosia

© Vera Hewener

Hellviolette Ackerwinde klettert am Kraut
der Topinambur empor verstrickt sich
in den Korbblüten der Erdäpfel

im Versteck der Sonnenbank träufelt
Bitterkraut Wermutstropfen ins Gewächs
rosa Rosen schwelgen im Aperitif des Sommers

verströmen ambrosischen Balsam
für die Bienenköniginnen
auf der Nektarspur in den Blütenpfad

im Spalier der Stockmalven und Königskerze
herrscht Honigrausch

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Rote Huldigung

© Vera Hewener

Versteinerter Geruch tränkt den Garten
Rotholz aus Urzeiten wächst ins Licht
Nadelzweige vergrünen

ein Elefant trompetet mir ins Ohr
stampft die Zeit aus der Welt
bis der Kirschbaum vibriert

Raupen verspinnen sich
malen Chinas aufgehende Sonne
mir in die Augen

in den Mammutbaum
für die Astfächer
die sich in der Huldigung
der Neuzeit wiegen
 

Im Fluss

© Vera Hewener

Komm in den stillen Park
eh sich die Fichten regen
spüre wie Sehnsucht klingt
allen Wolken entgegen
hebe dich hoch hinauf
mache dich leicht für die Ferne
suche das Licht in dir selbst
für den Aufgang der Sterne

leuchte dich dann in das Morgen
in das Glück einer Blüte
höre den Klang deiner Sonne
die einst vor Freude erglühte
tief in dir strömt was verborgen
du vor dir selber hälst
ob es zerfließt liegt am Flussbett
dessen Neigung du wählst

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Artemis Laute

© Vera Hewener

Götterpark
weißer Blick der Statue
gleitet im Wiesenspelz
fängt sich im Hornklee ein Gelb
im Günsel ein Lila
flieht ins Tannengehölz

Pilze wachsen
giftgenährt im Humus  
suchen die Edelraute
am knorrigen Wurzelgewächs
im Wuchern der Stränge
klirrt Artemis Laute


Gartenklänge

© Vera Hewener

metallener Gang
Hufe Geschirr
Pferde wiehern im Tor
rostbrauner Schatten
auf steinernen Platten
Kraniche flügeln hervor
Kieselgeklirr
im Schmutzwasserfang



 

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Septemberlied

© Vera Hewener

Tannenbrand im Wiesenhag
und des Efeus grünes Blenden
will dem Ölkrug Wärme spenden
rausche Glut Septembertag

Gräser mir zu Füßen fächeln
letzten Gänseblümchen zu
bald schon geht zur Winterruh
Storchenschnabels herbes Lächeln

ach mir wird ganz leicht zu Mute
in des Gartens später Milde
Liebesperlen streut der wilde
Strauch vor kargen Herbstes Knute

rausche auf Kastanie rausche
einmal noch lass Laub sich wiegen
bis die Frucht hinab geschieden
dir Septemberlied ich lausche


Im Irrlicht

© Vera Hewener

Abendsonne setzt den Goldstift
unter die Tagestönung
Signatur der blauen Stunde

Kirschlorbeer und Schmetterlingsflieder
flüstern mit der Gartenzeile
Stühle paaren sich unterm Nussbaum

Goldfische springen im Pulk aus dem Teich
formieren sich vor dem Einschlag der Fischreiher
Fassadenrot zersplittert im Wasserspiegel

Vögel verfliegen sich
manchmal verfehlen sich
Menschen auch


 

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Rittergrube

© Vera Hewener

Ritter raunen auf der Koppel
staunen über das Gehoppel
einer ganzen Hasenschar

in vergangenen Jahrzehnten
rangen sie in ausgedehnten
Kämpfen um der Liebsten Haar

hört der Hufe dumpfes Stampfen
Rufe Klirren Rosse dampfen
schnauben laut im schnellen Ritt

bis die Zeit den Schleier zieht
vor den Förderturm sich kniet
bringt die Pferde aus dem Tritt

nur die muntre Hasenschar
springt so wie es immer war


Waldgeister

© Vera Hewener


Sphärenklänge wirren über den Wiesentempel
vertanzen Yin und Yang im Windspiel

Hortensien stecken weiße Tellerchen ineinander
verschütten sich im auslaufenden Sommer

Fichten gähnen im Spalier Efeu umschützt
ein Tongefäß lagert altes Olivenöl ab

auf simuliertem Waldweg schleichen Lemuren
Nachtfiguren flüstern




 

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Im Blumenreich

© Vera Hewener

Im Klostergarten steht ein blauer Hirsch
und röhrt im Blumenreich ein Glockenton
der Stille huldigt göttlicher Passion
mitten im Grünen geht sie auf die Pirsch

vom Monte Schlacko löst sich ein Geknirsch
von Kieseln in der Windmeditation
die Rose rügt die Staubindiskretion
mit Duftentzug ein Falter flattert wirsch

vom zitternden Lavendel Eselsdistel
sich entstäubt El Pasos Kaktusohren
sich richten für die Weisheit der Epistel

den Gartenzaun bestrahlt von Chrysanthemen
berankt der weiße Riesling unvergoren
das Reifen muss sich mit Geduld bequemen
 

Schlammbad

© Vera Hewener

Ein Wildschwein wälzt sich vor Kimme und Korn
der Jäger pirscht hinterm Rittersporn
er hält die Flinte in seiner Hand
das Wildschwein suhlt sich im Pfuhl unverwandt
es sieht nicht den Lauf in der Sonne blitzen
und bleibt gemütlich im Schlammloch sitzen
und labt sich darin und kümmert sich nicht
Ei denkt sich der Jäger welch fettes Gericht
er legt das Gewehr an die Pollen fliegen
und bleiben auf seinem Nasenbein liegen
schon triefen die Augen im Fadenkreuz
und er muss schniefen hatschi schneuz schneuz
gestört vom Gepolter erhebt sich der Keiler
und sucht sich zum Baden ’nen anderen Weiler



 

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Lebensgarten

© Vera Hewener

Milde waltet in des  Gartens ew’gen Hände
Samen streut den Segen der Natur
in geistliches Gelände
einer weiten Heimat

ein Lebensbaum der ausgebreitet Wurzeln flicht
im Wüstensand der Früchte führt
in himmlisches Gelicht
und niemals ruht

Güt’ger Gott
der du das Walten deines Dieners überlässt
dem Sorgen für die Seelen
als ein übervolles Erntefest
in deiner Heimstatt

die sich öffnet
in der Blüte allen Liebens
sich dem Leuchten hingibt
Senfkorn allen Siebens
mit vollem Blut

Feigenbaum
du trägst das neue Blatt
als eines Lebens grüne Frucht
die in sich birgt das Reine
einer dornenlosen Rosenzucht

 

Blaues Gartengedicht

© Vera Hewener

blauer Hirsch
blauer Stuhl
blaue Bank

blaue Kübel
blaue Brücke
blauer Hochbeetrand

blauer Lavendel
blauer Hibiskus
blaue Passionsblume

veilchenblaue Rosenranken
meeresblauer Rittersporn
lilablaue Distelblüte

Blauregen im Himmelblau

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Buchvorstellung 12.11.10 „Himmelsstürme“ - Meisterliche Lyrik der Püttlinger Autorin Vera Hewener begeistert.
www.hallobock.de 15.11.2010

„Lebens- und Liebesstürme. Vera Hewener stellte ihren neuesten Lyrikband vor..Von heiter bis stürmisch. Im neuen Lyrikband „Himmelsstürme“ von Vera Hewener geht es um Gärten, Reisen, um Impressionen und um die Liebe. Sie feierte die Premiere ihres Buches in der Buchhandlung Balzert.

Saarbrücker Zeitung 18.11.10

Meisterliche Lyrik von Vera Hewener” - Püttlinger Autorin begeisterte mit ihrem neuem Buch „Himmelsstürme“ die Besucher der Buchhandlung Balzert-Stein...Auch Bürgermeister Martin Speicher ist Literaturfreund. Gerne war er zur Präsentation von Vera Heweners neuem Werk „Himmelsstürme“ in die Buchhandlung Balzert-Stein gekommen – sein persönliches Urteil: „Meisterlich!“
Öffentlicher Anzeiger 02.12.10

Mit Sprachwitz und Charme -
Neuerscheinung „Himmelsstürme“ von Vera Hewener wurde begeistert aufgenommen.
..Das Sturmmotiv durchzieht das neue Buch von Vera Hewener wie ein roter Faden und beleuchtet die heiteren und bewölkten Seiten des Lebens, der Liebe und der Natur. Vera Hewener verwendet dabei sowohl klassische Formen als auch frei fließende, assoziative Formen, mal sprachgewaltig, mit Witz und Charme, mal traumhaft zart und impressionistisch
Wochenspiegel 09.12.10
 

Cover Himmelsstürme04

“Himmels-
stürme”

Gedichte mit
Fotografien

Vera
Hewener

edition Wort
Verlag

Bitburg
ISBN
978-3-
936554-00-3

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