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Vera Hewener
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Entstehungsbedingungen von Suchtverhalten

Entstehungsbedingungen von Suchtverhalten

© Vera Hewener



1. Rausch und Rauschzustände

Zu allen Zeiten und in allen Kulturen strebten die Menschen nach Überwindung des Alltäglichen, nach Überschreiten der inneren und äußeren Grenzen: der Rausch als ein Bewusstseinszustand, der ganz neue Wahrnehmungen ermöglicht. Ich-Grenzen werden geöffnet für Einflüsse eigener unbewusster Phantasien und äußerer Einflüsse. Die Abgrenzung gegenüber anderen Menschen findet nicht mehr statt. Werden nicht nur die Ich-Grenzen geöffnet sondern auch die Ich-Struktur, gerät das Individuum in Gefahr, nach Abschluss des Rauschzustandes seine eigenen Ich-Grenzen nicht mehr schließen zu können. Regression oder Identitätsverlust wären die Folgen.


1.1 Kreativer Rausch
Im kreativen Prozess werden die neuen Erfahrungen und Erlebnisse in die Persönlichkeit integriert. Die Ich-Grenzen und die Ich-Struktur erweitern sich, die Identität ist gewachsen. Rauschzustände beziehen sich nicht nur auf Substanzen mit bewusstseinsverändernder Wirkung. Man kann sich auch an der Schönheit einer Landschaft oder eines Menschen berauschen, an der Musik, an Farben oder an der Arbeit. Religionen und Ideologien können rauschhaft sein. Im kreativen Prozess bedeutet diese Grenzüberschreitung, das volle Durchleben auch unangenehmer psychischer Zustände wie Angst, Unsicherheit oder Depression, um fähig zu werden, neue Dinge zu tun oder zu denken, die vorher nicht für möglich gehalten wurden. Zurück bleibt ein Gefühl der persönlichen Stärke.


1.2 Süchtiger und ritueller Rausch
Der süchtige Rausch unterscheidet sich vom kreativen Prozess oder dem rituellen Rausch. In beiden Rauschzuständen wird eine Bewusstseinserweiterung angestrebt. Gemeinsam ist ihnen auch die Auflösung der eigenen Ich-Grenzen und auch der Ich-Struktur. Im süchtigen Rausch hingegen ist der herbeigeführte Rauschzustand jedoch Ersatz für mangelnde Identität. Im rituellen Rausch übernimmt das Ritual selbst oder eine Gruppe die Ich-Struktur. Das Individuum ist nicht schutzlos dem Diffundieren von Energie und Erlebnissen ausgesetzt. Nach Abschluss zu Rauschzustandes kann das Individuum seine Grenzen wieder schließen.

Im süchtigen Rausch ist diese Funktion unbesetzt mit der Folge, dass das Individuum diesem Energieverlust ungeschützt ausgesetzt ist. Es kann seine Ich-Struktur und –Grenzen nicht mehr schließen. Dies führt bei ständiger Wiederholung zu Identitätsverlust und nicht zu Wachstum. Zurück bleibt ein Gefühl des Versagens, nicht der Stärke.

Rauschzustände müssen nicht notwendigerweise durch ein Rauschmittel, d. h. durch eines Substanz herbei geführt werden. Meditation, Autosuggestion, rhythmische Geräusche, Bewegungen oder Gesänge können hierfür ebenso genutzt werden.



2. Gesellschaftliche „Rauschkulturen“

Vergleicht man die Kulturen und Epochen miteinander so fällt auf, dass Suchtstoffe in den verschiedensten Zusammensetzungen und Dosierungen und auch ihre Wirkungen bekannt waren. Sie wurden als Heilmittel eingesetzt, waren in religiöse oder kultische Riten integriert oder wurden benutzt, um den Leistungsanforderungen der jeweiligen Gesellschaft entsprechen zu können. Jede Gesellschaft entwickelt hierzu eigene Regeln zum „richtigen“, d.h. gesellschaftlich akzeptierten Gebrauch und definiert damit auch den Missbrauch. Es werden Methoden zur Kontrolle des Missbrauchs eingesetzt.

Nach Pittmann werden in Abstinenzkulturen Suchtstoffe generell verboten. In Ambivalenzkulturen besteht ein Konflikt zwischen verschiedenen Gruppen oder Gesellschaftsschichten in der Bewertung des Suchtstoffes, es besteht eine Koexistenz verschiedener Wertmaßstäbe. In Permissivkulturen ist der Konsum erlaubt. Exzesse sind jedoch verpönt. In permissiv-funktionsgestörten Kulturen besteht keine Einschränkung des Konsums. Pittmann wendet diese Einteilung für den Suchtstoff Alkohol an. Sie ist jedoch auch auf andere Substanzen übertragbar.

Um die gesellschaftliche Bedeutung der Bewertung und Tolerierung eines Suchtstoffes besser beschreiben zu können, möchte ich auf die Verwendung von Opium eingehen.


2.1 Geschichte des Opiums
Opium stammt aus dem Nahen Osten. Die Wirkung der unreifen Mohnkapsel war schon sehr früh bekannt. 1600 vor Christi wurde Opium in Ägypten als Beruhigungsmittel für Kleinkinder verwendet. Nach Griechenland gelangte es über den Seeweg.. Mit der Eroberung durch arabische Muslims verlor das byzantinische Reich seine klassischen Opiumgebiete. Der Mohnsaft wurde zum Handelsartikel und hochgeschätzt. Von nun an wurde er in Anatolien gewonnen, wo im Westen eine Stadt Namens Opium entstand. Vor dort gelangte es über Konstantinopel nach Westeuropa.

Mit der Islamisierung des heutigen Iran wurde Persien das größte Opiumanbaugebiet. Über den Handelsweg der Seidenstraße erreichte es China, gewann jedoch dort in der Medizin keine überragende Bedeutung., da die medizinische Philosophie im Reich der Mitte eine andere war.

In Europa spielte Opium als Rauschmittel lange Zeit keine Rolle. Mohn war eine „unheilige Pflanze“ im Christentum. Im 13. Jahrhundert wurde die Rezeptur von Theriak, die auf den König Pontus 132-62 vor Christi in Kleinasien zurückgeht, zu einer beliebten Fertigarznei. Sie enthielt zu einem Fünftel Opium. Zur Zeit der Hexenverfolgungen mischten die „Hexen“ Opium in ihre Salben für die Nachtfahrten, die sich aus den Halluzinationen der verschiedensten Substanzen, unter anderem auch des Mutterkorns, erklären lassen. Hexensalben aus dem 14. Jahrhundert enthielten Hanfblätter und Opium.


Opium als Medizin
Seinen festen Platz in der Medizin erhielt Opium durch die Patentmedizin Laudanum, entwickelt von Paracelsus. Über die Suchtgefahr wurde man sich erst später klar. Die Lebensgefährlichkeit des Laudanum Paracelsi bei Überdosierung war jedoch bekannt. Dies veranlasste den Londoner Arzt Thomas Sydenham 1648, die Rezeptur zu verändern. Er ließ das Bilsenkraut weg in der Überzeugung, dass dies Ursache für die Todesfälle war. Dass man bei Dauergebrauch die Dosis steigern konnte, war Sydenham bekannt. Auch er nahm täglich Laudanum in einer Dosierung von bis zu 20 Gramm. Die tödliche Dosis lag bei Erstgebrauchern bei etwa 15 Gramm.

John Jones beschrieb um 1700 in seinem Buch „Die enthüllten Geheimnisse des Opiums“ Entzugserscheinungen und den körperlich Verfall. Auch in anderen europäischen Ländern kamen hierzu mehrere Arbeiten heraus. Im 18. Jahrhundert hatte man zu Opium die gleiche Einstellung wie zu Alkohol. Regelmäßiger Gebrach war sozial durchaus respektiert. Nur Exzesse wurden abgelehnt. Laudanum wurde so zu einem weit verbreiteten Volksgift.

Opium als industrielles Antriebsmittel
Mit der Industrialisierung kamen die Opiumpräparate in die Städte und wurden dort in Massen gekauft. Arbeiterinnen gaben ihren Kindern „Aachener Schlafhonig“ oder „Dr. Zohrers Kinderglück“, damit sie in Ruhe in der Fabrik arbeiten konnten und die Kinder währenddessen zu Hause schliefen. Kumpels in Kohlegruben und Weber kauften Opium auch wegen einer anderen Wirkung. In einer Apothekerwerbung der damaligen Zeit heißt es, dies sei eine Medizin, die „nur zwei Mahlzeiten kostet, aber sieben erspart“. Manche Betriebe teilten ihren Arbeitern Opium aus, es wurde zu einem unentbehrlichen Antriebsmittel der industriellen Entwicklung.

1753 gab es in Frankfurt die „Frankfurter Hauptpille“ die zur Hälfte aus Opium bestand. 1845 entwickelte Dr. Friedrich Hoffmann die „Hoffmannstropfen“, die noch fünf Prozent Opium enthielten und bis 1924 so hergestellt wurden.

Vom Opium zum Kokain
1843 wurden in Lancashire die Kindersterblichkeit untersucht, sie lag bei 60%. Man stellte fest, dass von 2500 Familien 1600 regelmäßig „Godfrey’s Cordial“, ein Opiumpräparat kauften. Laudanum wurde so zur Arme-Leute-Droge. Es war billiger als Bier oder Gin. Dies führte dazu, dass die gehobene Klasse sich von Laudanum abwandte. Der Gebrauch galt nun als unfein. Dafür gab es „Mariane Coca Wine“. Kokain wurde zur Luxusdroge der Oberschicht, angefangen bei Queen Viktoria, Emile Zola, US-Präsiedent Mc Kinley, Thomas Alva Edison bis hin zu Papst Leo XIII.

Opiumrauchen als Statussymbol
1803 entdeckte Adam Sertümer Morphium. Im gleichen Jahr führte die Britisch East Indian Company das Opiummonopol ein. 1856 hatten sie die Anbaufläche für Mohn verdreißigfacht. Um diese Menge absetzen zu können, wurde nun Rohopium verarbeitet zu „Chandoo“, das von den Briten vermarktet wurde. Es wurden spezielle Rauchgeräte hergestellt für den stilvollen Konsum. Spezielle Etablissements machten Opiumrauchen zu einer kultischen Handlung. 1898 erscheint im Iran das „Traktat für Opiumraucher“, das in englisch, französisch und 1906 auch in deutscher Sprache erschien. Opiumpfeifen wurden zu Statussymbolen, ebenso die dazu eingerichteten Privatsalons der gehobenen Klasse, wie das Maurische Haus Ludwig II. bei Schloss Linderhof.


Heroin als Beruhigungsmittel
1897 entdeckten Professor Dr. Heinrich Dreser und Carl Duisberg Heroin, das am 27.6.1898 als geschütztes Warenzeichen eingetragen wurde und in der Werbung als Beruhigungsmittel bei Husten angepriesen wurde. Bis 1921 war Heroin frei verkäuflich, danach mit der Ratifizierung des Haager Abkommens rezeptpflichtig. Erst 1958 wurde Heroin als Medikament vom Markt genommen. Das 1929 eingeführte Opiumgesetz wurde 1972 in das Betäubungsmittelgesetz umbenannt. Seit 1971 galt Drogenabhängigkeit als Krankheit und wurde in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen.

Morphin- und Kokainsüchtige gehörten damals der akademischen Klasse und künstlerischen Avantgarde an. Heute hat sich der Konsumentenkreis deutlich verschoben.



3. Entstehungsbedingungen der Suchterkrankung

Damit kommen wir zu der Frage, welche Bedingungen Missbrauch und Suchtkarriere begünstigen.


3.1 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
Die Geschichte des Opiums enthält dazu einige Erklärungen. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bilden die Grundlage für Missbrauch und süchtiges Verhalten. Im einzelnen sind dies folgende Punkte:

Verfügbarkeit
Der Suchtstoff muss verfügbar sein, sei es nun auf dem Schwarzmarkt, auf dem freien Markt oder über gesellschaftlich geregelte Zugangswege wie das Arzneimittelgesetz.

Gebrauchsmuster
Der gesellschaftliche Umgang mit dem Suchtstoff wird über die Sozialisation an das Individuum heran getragen. Es lernt, mit tolerierten Suchtstoffen sozial akzeptiert umzugehen, erfährt jedoch gleichzeitig auch die Doppelmoral in der Bewertung des Gebrauchs einzelner Suchtstoffe.

Anlässe
Die kultische Verwendung von Suchtstoffen ermöglicht die Begegnung mit dem Suchtstoff und Rauschzuständen. Ritualisierte Trinksitten verführen zum unerkannten, süchtigen Trinkverhalten. Die Gruppensubkultur schafft zusätzlich einen Konsumzwang.

Leistungs- und Erwerbsorientierung
Materielle Werte sind erstrebenswerter als immaterielle, wie z.B. geistige Glaubens- und Werthaltungen. Die Leistungsfähigkeit des einzelnen wird zum zentralen Wertmaßstab in der Beurteilung der Persönlichkeit. Das Konkurrenzprinzip der Wirtschaftsordnung verhindert zudem Nächstenliebe oder altruistischen Humanismus.

Werbung
Mit dem Erwerb und dem Konsum eines Suchtstoffes werden wünschenswerte Ziele und Werte als erreichbar vorgetäuscht, wie z. B. „Das Bier für den Mann im Mann“, „Der Duft der großen weiten Welt“.

Stigmatisierung abweichenden Verhaltens
Durch die Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen findet eine Randgruppenbildung statt. Es entstehen Subkulturen, die eigene Gebrauchsmuster entwickeln, z. B. Hippikultur, Jet-Set-Kreise.

Finanzielle Situation
Die Einführung des Taschengeldes führte zum Markt „Jugend“ mit einer nicht unbeträchtlichen Kaufkraft.

Verschlechterung der äußeren Lebensbedingungen
Arbeitslosigkeit, Berufslosigkeit, schlechte Wohnbedingungen, Wohnungsverlust, Obdachlosigkeit führen zur Realitätsflucht als eine Möglichkeit der Alltagsbewältigung.

Der Suchtstoffmarkt
Ganze Industriezweige produzieren und verkaufen Suchtstoffe wie Tabak, Alkohol, Kaffee. Auch der Staat selbst benötigt die Steuereinnahmen zur Führung des Staatshaushaltes.

Missbrauch, Sucht oder süchtiges Verhalten sind so gesehen systemimmanent, d.h. die Gesellschaft produziert durch ihre vorgegebene Ordnung Abhängigkeitserkrankungen.


3.2 Psycho-soziale Bedingungen
Dies allein reicht zur Erklärung einer Suchtkarriere jedoch nicht aus. Nicht alle Mitglieder einer Gesellschaft benutzen Suchtstoffe, um ihr Leben zu bewältigen. Die Frage, weshalb nun die einen süchtig werden und die anderen nicht, ließ hierzu einige Theorien entstehen, die jede für sich genommen ebenfalls keine ausreichende Erklärung darstellen.

Psychoanalytische Theorien
Psychoanalytiker sprechen von einer prämorbiden Persönlichkeit, deren süchtige Fehlhaltung auf eine Störung in der frühen Kindheit zurückzuführen seien. Je früher die Störung einsetze, desto infantiler sei das Verhalten und die Persönlichkeit des Abhängigen. Bei Alkohol gehe diese Störung auf eine Fixation oder Regression auf die orale Phase zurück.

Lerntheoretische Ansätze
Anhänger der Lerntheorie gehen von der Grundannahme aus, dass süchtiges Verhalten erlerntes Verhalten darstelle. Nach Skinner entsteht Verhalten unter bestimmten Verstärkungsbedingungen. Belohnung erhöhe die Wahrscheinlichkeit des Auftretens, Bestrafung vermindere sie. Die Erkenntnisse der Lerntheorie finden in der Therapie Anwendung.

Entwicklungspsychologische Ansätze
Erinnern wir uns an die Ausführungen über Rauschzustände, wonach Suchtstoffe nach Reinhild Geier Mittel darstellen, in Identitätskrisen das Auseinanderklaffen von äußerer und innerer Realität zu überbrücken. Der Rausch wird zum Identitätsersatz. Dies bedeutet, dass in allen Entwicklungsphasen, die inneres Wachstum erfordern, eine latente Suchtgefährdung besteht. Pubertät und Adoleszenz erscheinen hier die Phasen mit den größten Gefährdungen, da hier das Individuum noch keine ausreichende Ich-Struktur aufgebaut hat.

Psycho-soziale Bedingungen in der Suchtgefährdung liegen also in einer mangelnden Persönlichkeitsentwicklung, in einem schwachen sozialen Lernmilieu und im mangelnden Entwickeln von Wachstumsprozessen oder anders ausgedrückt, Ängstlichkeit, Schüchternheit, Kontaktlosigkeit, Minderwertigkeitsgefühle, Depressivität, geringe Frustrationstoleranz und Ambiguitätstoleranz tragen zur Suchtgefährdung bei.



3.3 Biologische und somatische Faktoren
Neben den gesellschaftlichen und psycho-sozialen Faktoren scheinen auch biologische oder somatische Bedingungen in der Entwicklung einer Suchtkarriere eine Rolle zu spielen.


Genetische Faktoren
Zu der Frage, ob genetische Faktoren dabei von Bedeutung sind, können die Ergebnmisse der Zwillingsforschung heran gezogen werden. In einer schwedischen Studie kamen folgende Ergebnisse zustande. Von 48 eineiigen Zwillingen waren bei 54% auch der andere Zwilling alkoholabhängig. Von 126 zweieiigen Zwillingen waren es 31%.

In einer dänischen Untersuchung wurden zwei Gruppen adoptierter Kinder betrachtet, von der eine Gruppe von biologischen Alkoholikereltern abstammte. Unter den Kindern, deren Eltern alkoholabhängig waren fanden sich signifikant mehr schwere Alkoholiker und eine dreimal höhere Scheidungsrate als in der Kontrollgruppe.

Biophysische Faktoren
Nach Bejerot ist Abhängigkeit als künstlich erzeugter Trieb anzusehen, der durch einen chemischen Reiz des Lustzentrums entsteht. Abhängigkeit wird als ein Kurzschluss des Lust-Unlust-Mechanismus gedeutet. Dementsprechend sind „Süchte (im Gegensatz zum Missbrauch) kein Symptom, sondern eine Krankheit, deren Kriterium der Kontrollverlust darstellt.“

Eine andere Theorie nach Davis besagt, dass Alkoholabbauprodukte im Organismus unter bestimmten Stoffwechselvoraussetzungen zu morphinähnlichen Substanzen kondensiert werden könnten. Dies bedeute, dass Alkohol- und Opiatabhängigkeit der gleiche physiologische Mechanismus zugrunde liege.



Zusammenfassung

Missbrauch von Suchtstoffen hat eine multifaktorielle Genese. Für die Prävention bedeutet dies, dass einseitige Programme ungeeignet sind. Kampagnen der Abschreckung führen eher zu einer Zunahme des Konsums als zu Verzicht. Reine Aufklärungsarbeit reicht nicht aus, da sie die gesellschaftlichen und individuellen Aspekte vernachlässigt. Prävention darf weder abschrecken noch verharmlosen.

Suchtstoffmissbrauch geschieht immer in einem bestimmten, gesellschaftlichen Kontext. Die sozial kompetent handelnde Person sollte in der Lage sein, Genuss und Missbrauch voneinander unterscheiden zu können. Sie muss stark genug sein, Verlockungen und Verführungen äußerer Einflüsse, sei es nun durch raffinierte Werbung oder gesellschaftliche Gebräuche und Gruppenzwänge, widerstehen zu können.

Die Förderung sozialer Kompetenzen, der Aufbau sinngebender Lebensräume, d. h. die Förderung des Selbstwertgefühls und der eigenen Kreativität, die Vermittlung von Lebenshilfen sollte daher im Mittelpunkt der Primärprävention stehen.


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Saarbrücker Zeitung vom 10.05.11
Deutsch-französischer Dichterfrühling in Saargemünd
Zum ersten Mal hat die Katholische Erwachsenenbildung ihren „Printemps des poètes“ mit der Stadt Saargemünd veranstaltet. Schauplatz war der Wintergarten des Keramikmuseums. „Dichterisch auf dieser Erde wohnen“ – ein Hölderlinsatz leitet in den siebten „Printemps des poètes“. „Printemps des poètes“ ist eine französische Initiative, lädt ein zur Beschäftigung mit Dichtung.
 

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