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Vera Hewener
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Eine_Neigung_aus_Blau
Eine Neigung aus Blau

Vierter Preis für Püttlinger Autorin
Püttlingen (hel). "Gibt es noch Unbedenkliches? Nach dem Terror? Gab es das je? Vielleicht und vorbei. / Im Inferno von New York starb die Hoffnung..." lauten die Eingangszeilen des Gedichtes "Der Terroranschlag in New York" der in Püttlingen lebenden Autorin Vera Hewener. Sie erhielt dafür den vierten Preis beim internationalen Literatur-Wettbewerb "I Grandi Temi" der Associazione Culturale Avvenire in Luco dei Marsi in der Sparte Einzelgedicht. Der in Italien ausgetragene Wettbewerb galt dieses Mal den Terror-Anschlägen am 11. September 2001 in New York. Heweners Text entstammt ihrem neuen Lyrikband "Eine Neigung aus Blau" (ISBN 3-8311-3334-4), den die "Saarbrücker Zeitung" in einer Kritik als "ihr bislang bestes Buch" bezeichnete ("SZ" vom 12. April).

Eine Neigung aus Blau. Gedichte. Vera Hewener
ISBN 3-8311-3334-4. 110 Seiten. 10,00 € Bestellen: www.amazon.de

SZ vom 11.4.02
Wenn die blaue Stunde sich neigt
Lesung im Café Kühnen mit der Lyrikerin Vera Hewener

„...Das Köllertal scheint ein guter Ort zum Schreiben zu sein. Gleich mehrere Autoren, die mit ihren Werken auf der Buchmesse vertreten und weit über das Saarland hinaus bekannt sind, leben dort. Eine von ihnen ist die Lyrikerin Vera Hewener. Die 47-Jährige hat bereits drei Gedichtbände publiziert und mit vielen Lesungen sowie internationalen Preisen eine eindrucksvolle künstlerische Vita vorzuweisen. Nach "Vermisstenanzeige" und "Lichtflut" ist jetzt "Eine Neigung aus Blau" erschienen. Das neue Buch ist ihr bislang bestes, denn die Autorin hat eine neue Qualität des Schreibens entdeckt, und zwar den Sinn für feine Ironie und versöhnlichen Humor. So gelingt es ihr, selbst diffizile aktuelle Themen wie etwa Beziehungen im Zeitalter der embryonalen Stammzellen-Forschung rhythmisch gekonnt und geschmackvoll zu bearbeiten. Auf aktuellen Fragen liegt der Schwerpunkt der Gedichte, und Vera Hewener beweist, dass jedes Motiv - der Sozialstaat ebenso wie der Börsenkurs, der als "Bärentanz" daher kommt - lyriktauglich ist. Selbst eine kleine Geschichte mit Spannungsbogen und Plot am Ende kann bei ihr zum Gedicht werden. Neues aus dem Genre Stadt-Land-Fluss sowie Lösungsansätze zu den aufgeworfenen Fragen komplet-tieren ihr Buch.
Blau bedeutet ihr Vieles. Es könne etwas Schönes meinen, einen Rauschzustand beschreiben, Blauäu-gigkeit oder ein Leben in hellen Farben bedeuten, erläutert sie im Gespräch. Auch die Sprache selbst wird der Lyrikerin zum Thema.


Saarbrücker Zeitung vom 07.05.2002
Deine Haut schmeckt nach Salz, Liebster
Vera Hewener liest am heutigen Dienstag in der Buchhandlung Pieper in Saarlouis

"Deine Haut schmeckt nach Salz, Liebster, / nach dem Salz der Sonnen und Monde, die du durchlitten." Ob Marcel Reich-Ranicki wohl Sätze wie diesen mit schnarrender Stimme als hocherotisch gelobt hätte, oder ob er sie mit weit ausholender Geste im literarischen Quartett von sich gewiesen hätte, werden wir nicht mehr erfahren. Doch immerhin verkehrt die Autorin sozusagen in seinen Kreisen. Denn Vera Hewener stellt gleich nach Hellmuth Karasek am heuti-gen Dienstag, 7. Mai, bei Pieper Bücher & Musik, ihren Lyrikband "Eine Neigung aus Blau" vor........

Mittlerweile hat Vera Hewener mehrere Preise bei internationalen Literaturwettbewerben eingeheimst, unter anderem beim "Frontiere Letterarie" des europä-ischen Kulturzentrum in Rom. Trotzdem: Lyrik hat es nicht leicht auf dem Buchmarkt. So steckt die Autorin viel Engagement in ihre Publikationen, gestaltet bei-spielsweise die Titelbilder selbst. Jetzt ist nach mehre-ren Eigenpublikationen ihr drittes Buch "Eine Neigung aus Blau" in der Edition Calamus, Norderstedt, in Form eines Book on Demand - das heißt gedruckt wird nur nach Bestellung - erschienen. Die eingangs zitierten Zeilen sind dem Titelgedicht entnommen. Es endet mit den Worten: "Wenn das Blau sich neigt, gehen die Wechsel verloren, die das Leben für uns gezogen. Wir können uns nicht mehr davon machen, aber wir können aus dem Bogen eine Höhle bauen."

Blau bedeutet der Dichterin viel. Es ist Farbe, Zustand, Gefühl. Es dient zur Beschreibung und setzt Assoziationen beim Leser frei. Es signalisiert Rausch und Trunkenheit, ist auch ein Synonym für Tage mit himmelblauen Glücksgefühlen. Heweners Sprache ist Rhythmus und Malerei. Malerei weniger im Sinne des lautmalerischen Klanges, sondern im wahrsten Sinn des Wortes...“
 

I
LICHTZEIT
ICH MÖCHTE DIESEN TAG OHNE IRRUNGEN
CODIERUNG
AM ANFANG DER GEWISSHEIT
1 GESTOHLENE FREIHEIT
2 GELEERTE ZEIT
3 GENESIS
MINIMALKONSENS
AUSSICHTEN
SPÄTFOLGEN
FLÜGELLAHM
DAS IRDISCHE
WARTESCHLANGE
BÄRENTANZ
GRUßWORTE VOR REDEN
SOZIALSTAAT
VOM GROßEN UND VOM KLEINEN REIM
IM ZWEIFEL
BRIEF AN DIE WÄCHTER DES PARADIESES
ORDNUNGSPAUSE
VON SCHLINGPFLANZEN UND BLEIBTREUS
DER RETTENDE SPRUNG
NEW YORK 11. SEPTEMBER 2001

II
ÜBERRESTE
GESPRÄCH ZWISCHEN ZWEI LEBENDEN
VERSTÄNDIGUNG
DAS TESTAMENT
DER GROßE SCHATTEN
IM NAMEN DER WISSENSCHAFT
MARKTCHANCEN
FEHLER IM GETRIEBE
WUNSCHZETTEL
.......TAG
FÜR GOTT UND VATERLAND
LEBENSLÄNGLICH
OPA IM KRIEG

III
LE PORGE IM JULI 2001
1 GEWÖHNLICHER VERLUST
2 TOURISMUS
3 DER GUTE WIND
4 ENDE DES TRAUMS
5 DIE LANGSAMKEIT
6 VERSCHIEBUNG
COLIBRI
1 DIE LEISE LICHTUNG
2 NESTFLÜCHTER
3 SOMMERFUTTER
4 KAMPFFLIEGER
MIT GLANZ UND GLORIA
PARIS 7. APRIL 2001
1 MARCHÉ AUX PUCES
2 GARE DU NORD
3 BOULEVARD ORNANO
IV
NACHT FÄLLT INS LICHT
FRÜHLINGSSCHNITTE
SPURENSUCHE
SCHATTENHERZ
FENSTER
ABENDWEIHE
DER GELOCHTE HIMMEL
ZEITHAUS
BLAU DRÄNGT SICH IN MEINEM ZIMMER3
DIE BLICKE DER EINSAMKEIT
ENTZAUBERUNG
SCHATTENBLAU
EINE NEIGUNG AUS BLAU

Minimalkonsens

© Vera Hewener

Sie haben versucht, mich zu berauben,
mir klar zu machen, dass all das,
was sie an Mauern und Gräben errichtet,
nur einem einzigen Zweck diente:
die Perspektive zu wechseln.

Auf dem Fundament, das unbedingte Nähe findet,
hält sich der eigene Verrat in Grenzen.
Die Turmbauer schickten Häscher aufs Land,
schnell war für Vorteilsnehmer
die Tauschbörse eröffnet.
Viele sind dabei schon reich geworden.

Dieses Land hat hohe Berge aufgehäuft
und tiefe Löcher gegraben.
Inmitten der Minenfelder
bewegen sich die Kampfgenossen leicht.
Sie haben den Sprengsatz selbst gelegt,
sie wissen um die Kraft der Explosion.

Ich für meinen Teil entschärfe die Munition
täglich neu, um die Luft, die ich atmen muss,
sauber zu halten.

Zumindest darin stimmen wir überein.

Brief an die Wächter des Paradieses

© Vera Hewener

Schreit auf ihr Getroffenen oder schweigt!
Was soll das Lamentieren,
wenn ihr doch weiter wie bisher
nur eines sucht.

Das große Spiel
ist ein Spiel im Kleinen.

Was ist oben, was unten,
als wenn’s nur Berge und Täler.
Vulkane sind verstummt,
Lava erstarrt, ein Leben
auf dem Felsgestein.

Das Grau habt ihr begrünt
und seid Gärtner geworden,
ihr seid die Sorgsamen.

Und alle, die wie Würmer
suchen nach dem Feuchten, Fruchtbaren,
werden zertreten
von der Exaktheit der Wächter.

Schön,
jetzt haben viele mehr,
einige wenig und manche nichts.
Und doch fehlt es an allem.

Eine Neigung aus Blau

© Vera Hewener

Wollten wir das Menschliche oder den Tod?
Wer brachte den Bienen die Honigproduktion bei,
wer den Wölfen das Heulen?

Wir spüren die Luft auf unserer Haut,
wenn sie elastisch ist.
Unsere Glieder bewegen sich.
Wir müssen sie schützen
vor Hitze und Kälte.

Deine Haut schmeckt nach Salz, Liebster,
nach dem Salz der Sonnen und Monde,
die du durchlitten.

Wenn das Blau sich neigt,
gehen die Wechsel verloren,
die das Leben für uns gezogen.

Wir können uns nicht mehr davon machen,
aber wir können aus dem Bogen eine Höhle bauen.

Schattenblau

© Vera Hewener

Wir haben uns und haben uns nicht.
Was liegt dazwischen?
Im ausgezehrten Sonntagsbraten
wächst das Glück nicht,
vielleicht im knusprigen?

Das was uns erfüllt,
ist die Suche nach Zwischenräumen,
dem Schattenblau, das Freiheit erlaubt,
eine Freiheit, jenseits des Gesellschaftlichen,
des Hingebogenen, des Kampfes um Macht.

Das Leben im Schatten ist reich an ungiftiger Luft.
Wir tragen keine Masken mehr.
Die Tücher sind gewebt, einfach nur gewebt,
um uns Wärme zu spenden, wenn wir sie brauchen.
Dieser Wein, ein bitterer Kelch alltäglicher Ellbogen,
geht so vielleicht an uns vorüber.

Wir sehen das Kreuz, die ausgestreckten Arme
und schaudern den Schmerz, den der Vater
von uns verlangte. Hatten wir je eine Wahl?
Gab er uns nicht das Wollen und den Willen?

Nehmen wir an, Gefühle seien die Rose des
Sommers.
Wer würde sich ihr nicht zuneigen?
Und Gott, wollte er uns im Stachelfeld?

Lasst uns nach neuen Rosen suchen,
Rosen, die duften, ohne zu stechen.
Einen Rosengarten lang könnten wir uns lieben.

 

Spätfolgen

© Vera Hewener

Und alle, die sich lieben, klatschen mit.
Diesen Kindergarten gibt es noch.
Manche klatschen heute noch.

Viele wissen nichts
mit ihren Händen anzufangen.
Sie buddeln im Sand, bauen Burgen
mit hinterhältigen Kanälen,
streuen sich Sand in die Augen,
Wüstensturm.

Verdammt heiße Sandkuchen.
Verdammt heiße Schokolade.
Verdammt scharfe Schnitte.

Wenn die Sonne scheint,
werden aus Risse Spalten,
aus Gefallenen Opfern,
die Wüste zum Totengräber.
 


Bärentanz

© Vera Hewener

Längst hat der Börsenkurs die letzten Fiebernden erreicht
und legt mit seinem Höhenflug ne glatte Sohle aufs
Parkett.
Er tanzt den Bärentanz und windet engelgleich
das große und das kleine Volk ins schimmernde
Bukett.

Bis er ins Minus fiel, da tanzte unentwegt der ungleiche Kongress
und dankte Gott für diesen Lohn, mit höchst
bacchantischer Noblesse.

Doch Gottohgott, der Kurs er sank und stürzte unverhofft
und voll Entsetzen machten sie den Götzen nun zum
Bocke nieder.

Sie klagten, jammerten und schimpften, wie Kinder eben oft,
die über Spielgefährten sich selber definieren.

Die sich einst sonnten und schmückten mit himmlischem Gefieder,
sind ihre Kleider los und müssen selbst sichliquidieren.
 


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Fruchtbares Feld

Gräser einer vergangenen Zeit
spriessen wie seltene Orchideen
aus dem Sand des Erlebten

Hast du dies fruchtbare Feld
je erblickt das du ersehntest

Und Jahr um Jahr
sich das Blühen über dem Beet verstreut
das du gedüngt mit den Antworten
die dich das Wachsen lehrte

Wo die Fragen verstummen
wird kein Same mehr sein

© Vera Hewener

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