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In Haus der Zeit
© Vera Hewener
Im Haus der Zeit wohnt eine Seele fein in vielen unbekannten Zimmern. Sie lädt mich ein zum Hoffnungsträumen, Salons in Samt und Seide flimmern. Es zärtelt Schonzeit mit ihren Kinderfläumen und zaubert mich ins Märchenschloss hinein.
Die Feenwelt erwacht, sie singen mit glockenklaren Stimmen Psalmen, in durchsichtige Tücher eingewandet, die Kränze geflochten aus Rosen, Gräserhalmen. Ein Sturm aus wundersamen Wünschen brandet und trägt mich fort auf weit entrückten Schwingen.
Das Sehnen perlt auf meiner Haut in Bildern, mit tausend Wünschen überzogen. Ein Herz im Glanz, in güldenen Palästen. Der Hofstaat schart sich um den Dogen und lockt mit ausgemachten Festen. Der Weg, ein Labyrinth aus Schildern.
Die vielen Türen, die sich mir empfehlen, verwirren mich, sie schreien nach Entscheidung. Die Zeit pocht hörbar in den Wänden. Erhofft das Zeithaus die Bekleidung seiner Tage mit Lebensbänden. Wes‘ Tür ich nehm’, des‘ Zeit ich stehle.
Im Haus der Zeit wohnt eine Seele fein, in Räumen, die mich jäh erwarten: ein Scheideweg, ein Bitterfeld, ein Maar, ein Sommerblumengarten. Durch welche Zeit ich geh’, ich bin der Held. Ein jede Zeit, sie wächst im Widerschein.
aus: Eine Neigung aus Blau. 2002.
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Lichtzeit
© Vera Hewener
Es sind die Tage, die mir Wasser in die Augen treiben, wenn meine Netzhaut dem Licht standhalten will, das sich durch die Zeit schleicht,
ein sagenhaftes, helles Licht, eine Aura, die Feen umgibt und Engel, dieses Licht, das sich nicht scheut, hier zu rufen, um dem Tag das Gesicht zu zeigen.
Da sehen wir uns gegenüber, das mutige Licht und die Fremde, die darin keine Heimat findet.
Der Zwang zur Gegenwart überfällt mich, Zeit wird spürbar und klopft mit jedem Pulsschlag die Wegstrecke ab, die vor mir liegt.
aus: Eine Neigung aus Blau. 2002.
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Die sich selbst erfüllende Zeit
© Vera Hewener
Ich sehe das Grau der verlöschenden Dämmerung und entsteige der Nacht, lichtbegossen. Die Stille weicht, muss weichen vor dem, was kommt. Viel lieber brächte ich ein Opfer den fliehenden Altären.
So bleibt nichts weiter übrig, als den hellen Brechungen der Himmelsuhr zu folgen. Die Straßen zittern noch unter dem Gewölk. Stundenhände ziehen es hinfort.
Wozu das Umherschauen, wenn ich alles schon kenne, die Farben der Ampeln, Kreuzungen und Hupgeräusche.
Man sagt, Wiederholung gebe Sicherheit. Die einzige Sicherheit, die ich spüre, ist die sich selbst erfüllende Zeit.
aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. Mauer Verlag 2003
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Zeitschnitte
© Vera Hewener
Die Zeit mit ihren Scherenhänden zerschneidet mit jedem Händedruck die Glücksmomente die wir Gralssucher den vielen Kämpfen abgetrotzt
Komm halte mit mir die blaue Blume ins Licht
Jede Sekunde verherzt uns
aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. Mauer Verlag. 2003.
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Ordnungspause
© Vera Hewener
Wenn all das, was ihr in mühsamer Kleinarbeit zusammengetragen, plötzlich zerfiele, was wäre dann Regen, Wärme, Hunger, Durst, Liebe?
Was würdet ihr euch nehmen vom Verbliebenen, welcher Baustein wäre der Begehrteste?
Etwa der letzte Klon von Einstein, tiefgefrorene Embryonen des Dalai Lama, die letzten Gene von...?
Kein Theologe kann Glauben zurückgeben, den müsst ihr selbst finden. Gott gibt es nicht mehr. Sein Universum hat abgedreht.
Überlegt es euch, so oder so. Wie viel Zeit werdet ihr noch haben?
aus: Eine Neigung aus Blau. 2002.
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Nacht fällt ins Licht
© Vera Hewener
Aus diesem Nachtgewand das der Stille der Träume Vision und Geheimnis beließ und sein Anthrazit über den Morgen ergoss spinnen Sehnsucht und Wünsche ein Tuch aus Seide
Über dem Lichtbogen schwirrt der Glanz der den Tag anruft und den Träumenden ins Leben stürzt in die Welt, die laut ist und hell
Kein Hadern kann das Entrinnen der Dunkelheit brechen die mit ihrem Rückzug die Wirklichkeit entblößt und das Gebäude des Tags aufschließt
Die Geburtsstunde leuchtet jene Stunde, die uns die Nacht nicht nimmt und das Erwachen erzwingt
Der Tag wächst ins Blaue und mit ihm das Sterben der Zeit
aus: Eine Neigung aus Blau. 2002.
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Die Weile
© Vera Hewener
Bleib oh bleib du holde Zier einer unbekannten Schönen Sehnsucht will dem Wunsche frönen nach dem Freiheitselexier
Komm oh komm du süßes Spiel einer himmelhohen Bläue nach dem Lichtsprung kam das Neue und Tristesse zu Boden fiel
Küss mich heiß und küss mich innig leg zu Füßen mir dein Herz wohl mir wärs wenn nicht dein Scherz mich verwirrte doch hier bin ich
Lichtgespinst oh lös die Seile dieses Strahlens und versinke ich mich sonst zu Tode trinke an der hellen frohen Weile
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In den Gärten der Zeit
© Vera Hewener
In den Gärten der Zeit ernten wir, was wir nicht säen können
Sekunden voller Glück Minuten voller Liebe Stunden voller Geborgenheit
Wir können die Tür aufsperren die den Garten verschließt und ins Weite sehen
Manchmal gelingt es die Erde zu nähren und der Liebe einen Grund zu geben
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Spurensuche
© Vera Hewener
Der Himmel brennt, er schneidet Feuerschluchten. Allee des Lebens, du ziehst so rasch vorüber, wirst unverhofft zum schnellen Herzbetrüber. Die kalte Kraft beginnt im Tag zu wuchten.
Und in den letzten aufgehellten Buchten verklimmt der Docht als treuer Nasenstüber. Der weiße Rauch legt sich als Schutz darüber im Augenblick des Abschieds aller Fluchten.
Was jetzt vergeht, ergibt sich bald in Spuren. Ich suche mich, ich suche dich zu finden. Ein später Zweig will unsren Baum umwinden.
Den Totentanz vollführen schon Auguren. Wo meine Hand in deiner Hand uns bindet, verliert das Grau, der Sterbeton, er schwindet.
aus: Eine Neigung aus Blau. 2002.
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Zeitsprung
© Vera Hewener
Aus über uns unter uns weilen noch Zeilen alt
manchmal bleiben sie am StraßenRand bildvoll vergessen im HalbLicht gestrichen
zwischen Erinnern und wieder Sehen pinselt die Zeit ihre zornigen Brücken
Kein Auge das nicht Lücken suchte im Jetzt für das Dies und Damals.
In: Sei gesegnet, wenn du gehst. wort + mensch verlag. Köln 1994. aus: Lichtflut 2001.
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