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Die vier Jahreszeiten Antonio Vivaldi: erklärendes Sonett zu “L’Autunno”
Der Winter
Vereister Schnee lässt frieren uns und zittern, mit kühlem Atem bläst der strenge Wind, wir stapfen Schritt für Schritt fast farbenblind mit Zähneklappern, Eiszapfen zersplittern.
Am Feuer träumen, wenn die Äste knittern, wenn draußen Regen strömt im Gegenwind und alle langsam und bedächtig sind, mit Vorsicht über eis’ge Wege schlittern.
Wer schnell geht, ausrutscht, stürzt zur Erde. Auf’s Neue schlürft man, sucht sein Gleichgewicht, bis irgendwann das Eis reißt und zerbricht.
Beim Öffnen schleift das Eisentor die Erde im Kampf mit Winden aus Südost und Norden. Welch große Freud’, dass Winter uns geworden.
aus: Verwirbelungen der Zeit. Vera Hewener.
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Winterland
© Vera Hewener
An den Scheiben kalter Fenster blühen Blumen, weiß, aus Eis, tanzen in der Nacht Gespenster, bilden einen Zauberkreis.
Tanzen auf und tanzen nieder, decken zu das kahle Haus, bau’n die Schneelawine wieder auf dem Dache ohne Paus.
Kommt der Morgen angeschlichen Ist die Arbeit wohlgetan aller Eifer ist gewichen einer glatten Rodelbahn
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Zeit der Stille
Schon kahl geweht erstarrt Gehölz der Zweige. Im Astwerk schwingt Novembers kühle Seele. Kein Blütenstaub und keine Vogelkehle im Nass verbleibt. Der Wärme letzte Steige
Gewölk zersprosst. Das Licht geht still zur Neige, es flüstert noch, dass bald das Helle fehle doch auch das Grau den Wandel nicht verhehle, der sich vollzieht, wenn es nun schweige.
So bricht der Tag mit seinem Aufbegehren, versinkt im Tun und lässt die Zeit entfließen. Die Hände ruhn im Schoß der Nacht, verließen
des Eiferns Weg. Den Schatten sich erwehren Kamines Knistern, lädt ein uns zu genießen das Stundenwort, die Stille zu erschließen.
aus: Lichtflut. Vera Hewener
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Winter
© Vera Hewener
In den beißenden Frost hinaus. Ein Atemnebel züngelt. Kältestoß. Jemandes Pulsschlag friert im Schoß erhärteter Landschaft. Das Garaus
der Farben spiegelt Wangenrot, jenes zittert in den Einsamkeiten. Sprosst aus schneeweißen Wendezeiten Kristallglanz. Eiszapfen senden das Lot
zur frühen Nacht, die Licht verdrängt. In den dunklen Gefächern klirrt sphärisches Glockenspiel, das flirrt
zwischen vereisten Neonröhren. Anfängt erbarmungslos das Jahraus bei dem Versuch, Strenge zu mildern. Brandgeruch.
In: Farben der Natur. Anthologie. Kasskara Verlag 1995.
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