|
|
 |
 |
|
|
 |
 |
|
|
13. April 2003
Deutsch-Französischer Garten
Unter der Schattenspur schirmbedachter bunter Gondeln treffen die Lanzetten der Sonne pfeilgenau auf winterhelle Wangen
Zur Windmelodie tanzen Wasserfontänen schwingen Osterglocken ihre gelben Kelche
Vom Seeweg führen Steinstufen hinauf zu verwachsenen Pfaden gaukeln der Sonnenfantasie Tatorte vor
Um ein Uhr mittags stehen die Zeiger auf Licht
aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken
|
|
|
|
|
Sonnenuntergang in Völklingen
Die Sonne schnitt mit ihrem gelben Schwert die Erde auf, die unter ihr in den Abend wuchs und den dunklen Rand nach oben schob. Im Zinnoberrot fochten Gelb und Schwarz das Schauspiel heiliger Geburtsstätten aus.
Unter diesem Bann lag die Stadt wie im Koma, streckte die ausgedienten Schornsteine aus dem Steinmund. Das Weltkulturerbe trauerte in der Agonie, schlug seine sichtbar werdenden Lichtkegel in den sich langsam schließenden Schattenschlund.
Eine Elle entfernt vor dem Versinken des letzten Fetzen Tags stob eine Schar Vögel auf und stimmte das Lied des Nestsuchers an, der in eiligen Gebärden sich noch Federn borgte.
Im Geäst knackten die Knospen, mühten sich um Geschlossenheit. Und von oben beweinte der Himmel die Träne, die das Nachtauge verlor.
aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken
|
|
|
|
 |
 |
 |
|
|
Larissa
Morgenatem
Morgenatem entzündet ein Inferno des Lichts haucht Blättergespinste in Akazienzweige verteilt gelbe Rispen rosa Dolden
auf Alkazars Brunnensee rieseln Wassersterne Fontänen glitzern an der Neige des Holzsteigs aus Sprudeltürmchen hüpfen Tropfentänze
den Himmelsspiegel überbrückend säuselt Leichtigkeit entfesselt den Wimpernschlag zeittrunkener Augen
© Vera Hewener
|
|
|
|
|
Brücke von Tembi
Wie rückt es unaufdringlich in das Sehen ein Brückenband: ein altes menschenleeres Lichtfeld das ein göttergleiches hehres Weltbild hochhält aufweckt wie ein Lehen
Wie schien mirs klar das Zeitbild als ein wahres unvergessnes Dasein ein Jahrtausend das so plötzlich auflebt und wieder brausend mich zurücklässt wie die Farbe eines Haares:
ein Graues, nicht mehr sich erneuerndes Etwas das vergangen ruht unwiderbringlich Titanen Apollons Geist unverdinglich der mir die letzte Lücke aus den Augen las
© Vera Hewener
|
|
|
|
|
 |
|
|
 |
 |
 |
|
|
© Vera Hewener
Kreuzfahrt auf der Seine
Lichterglanz auf der Seine spiegelt atemlose Nacht seufzend perlt ihr Wasserlauf zärtlicher Liebesstern lächelt
leise treiben Schiffe im Komplott der Dunkelheit herzversunken in der Stadt Leben am seidenen Faden
was Paris sich erträumt ist jemand der sich verneigt vor der Süße die Begehren beschwört wenn ihr Zauber die Welt weiht
Boulevard Ornano
Menschengetümmel auf den Trottoirs zwischen Ständen und parkenden Autos energisch versucht ein Verkehrspolizist Staus aufzulösen
Ein Quartier wie ein Bienennest fleißig und aufgewühlt hungrig und durstig Milch und Honig suchend
mit arabischen Zeichen im farbigen Straßenbild afrikanischer Folklore maghrebinisches Tuch aus allen Poren strömt Welt im Vorbeifahren träumt Sacré-Coeur auf dmHügel Schweiß von Metropolis perlt über den Asphalt verbindet die Seiten, die in all ihren Verzweigungen immer wieder zusammen fließen
aus: Eine Neigung aus Blau. 2002.
|
|
|
 |
 |
|
|
Gare du Nord
Antik ergraut des Bahnhofs Exterieur, der Eurostar startet im modernen Interieur.
Reisende mit Disziplin, Heimkehrer, Rucksack bepackt, Verschwitzte und fein Gepuderte, Liebende und Hoffende.
Vögel fliegen im All der Schienen und lautlosen Gleitens, im Korridor der Zeit,
mit Helfern bestückt, orange flimmernde Westen, freundliches Personal, nicht immer dreisprachig, europäisch gesinnt
Schilder mit Namen, mit Kennwörtern, versteckt Bettelnde, Suchende auf dem schmalen Grat der Erwartung.
Ein Bistro wie ein Wartesaal und Café noir, ohne Milch mit Zucker.
aus: Eine Neigung aus Blau. 2002.
© Vera Hewener
|
|
|
|
|
Das Lied der Städte
© Vera Hewener
Die Zärtlichkeit der Stadt in den Lüften erglüht fühl den Atem des Lichts von Wimpern zerstreut
in der Sonne träumen wir von Wärme überströmt ergreife den Glücksschrei wenn Straßen sich paaren
der lichtvolle Tag feiert den Frühling Geang der Städte über dem Bild Verlangen der Augen Verlangen der Wörter nach der ewig überlebenden Leidenschaft
|
|
|
 |
|
|
|
|