ISBN
 3-86553-203-9
WiKu-Verlag 18,65

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Vera Hewener
Die Website für Literatur, Kultur und Gesellschaft

Ode

Ode    (griech.: Gesang)

Ursprünglich war die Ode im antiken Griechenland eine Sammelbezeichnung für die strophische Dichtung und wurden mit Musikbegleitung vorgetragen. Die klassische antike Odenstrophe ist reimlos, da die alten griechischen Dichter nicht gereimt haben. In neueren Oden findet man jedoch auch gereimte Odenstrophen. Die Verse sind relativ strikt vorgegeben. Es gibt verschiedene Strophenformen. Hier eine kleine Auswahl.

Sapphische Odenstrophe   (nach Sappho um 600 v. Chr.)

Sie wurde von der griechischen Dichterin Sappho ( um 600 v. Chr.) entwickelt. Die ersten drei Verse sind metrisch vollkommen gleich: zwei Trochäen folgt ein Daktylus, dem wiederum zwei Trochäen folgen. Der letzte Vers besteht aus einem Daktylus und einem Trochäus.

Schema:

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Beispiele:

 

Rosentraum

© Vera Hewener


Rösentöne, dornenumwoben, spielen
himmelwärts mit blauen Fahnen. Bald schon
leihen Kräfte einer verwelkten Blüte
Farben und Haltung



Glücksmaß

© Vera Hewener


Hörst du deine heimlichen Wünsche sprechen,
zeigen dir, dass nichts den Verzicht begründet.
Suche dich, verweigere dich dem Schatten,
jeglichen Nächten.



Morgenwehen

© Vera Hewener


Wolkengletscher, aufgetürmt hoch im Blauen,
weißer Gipfel, unbewohnt, unbestiegen.
Zieht vorbei Regenfront, luftgetrieben.
Graues Gemälde.

Windsturm fegt Verdunklungsgefahr vorüber.
Licht blitzt aus des Himmels Gehauf und flimmert.
Morgenwehen, schmerzliche Stunde wimmert
hellt auf in Bälde.

 

Glykonische Odenstrophe       ( benannt nach Glykon)

Die Glykonische Odenstrophe stammt vom altgriechischen Dichter Glykon. Auch hier sind die drei ersten Verse metrisch identisch: einem Trochäus folgt ein Daktylus, dem wiederum ein unvollständiger Trochäus folgt. Der letzten vierten Zeile fehlt der unvollständige Trochäus.

Schema:

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Beispiel:


Spätsommer

© Vera Hewener


Bald schon werden die Nächte lang,
neigt sich Sommerlicht, Blütenduft,
endet lautlos gereifte Frucht,
wendet Schwere das Leichte.

Was uns fest und verlässlich schien
schwindet unbemerkt hin sogleich,
löst sich auf ohne Spur, vergeht,
flößt sich Sterben ins Leben.

Werden wandelt das Alte neu,
nichts erneut sich, was unerfüllt.
Tod herrscht, wo keiner Samen streut,
rodet Zeit alle Tage.


 

Asklepiadeische Odenstrophe     ( n. Asklepiades um 300 v. Chr.)

Sie wurde nach dem altgriechischem Dichter Asklepiades benannt. Die Strophe hat 4 Verse. Die beiden ersten sind identisch. In der ersten Hälfte folgt einem Trochäus ein Daktylus, dem wiederum ein unvollständiger Trochäus folgt. Danach folgt eine Zäsur und das Spiegelbild der ersten Hälfte, d.h. einem Daktylus folgt ein Trochäus und ein unvollständiger Trochäus. Die dritte Zeile beginnt mit einem Trochäus, dem ein Daktylus und ein Trochäus folgt. Die vierte Zeile ist mit der dritten identisch, allerdings endet sie mit einem zusätzlichen unvollständigen Trochäus.

Schema:

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