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Die griechische Seele zum Greifen nah
Musikalischer Hochgenuss im vollbesetzten VHS-Zentrum
Von Grenzüberschreitungen sprach der Erste Stadtverbandsbeigeordnete Dr. Kurt Wahrheit, von kulturellem Zusammenwachsen als Voraussetzung für die Überwindung von Grenzen und Fremdheit. „Gerade heute am Auschwitz-Gedenktag wird uns wieder bewusst, dass nur die Überwindung von Grenzen Aussöhnung und Frieden erst ermöglichen. Kurt Wahrheit erinnerte an die Vertonung der Mauthausen-Gedichte. Er dankte der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Saar e.V. und dem Seniorenbüro des Stadtverbandes für den Kulturaustausch und die Organisation der Veranstaltung.
Unter diesen ernsten Vorzeichen begann ein Abend voller musikalischer Höhepunkte aus der Feder eines Komponisten, den der in Dresden geborene Referent des Abends Andreas Göpfert, Professor für Chorleitung an der Hochschule für Musik Saar, selbst kennenlernte. Vierzigtausend Griechen fanden zu Zeiten der Militärdiktatur in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik Zuflucht. Der liberale Linke Mikis Theodorakis suchte Unterstützung beim ostdeutschen Verlag Härtel und Breitkopf. Professor Andreas Göpfert lektorierte damals die Werke.
Göpfert schilderte den erbitterten Widerstand, den Kampf um Leben und Tod in den Vernichtungslagern und Gefängnissen. Musikalisch begann der Abend mit dem Liederzyklus „Epiphania“, der einen Kulturkampf in Griechenland auslöste. Einfühlsam klang die Stimme von Myrsini Margariti, der in Salzburg beschäftigten Opernsängerin, klar und warm. Das erste Lied des Zyklus "Verzicht - Sto Perighiali“ wurde schon von vielen interpretiert, auch von Milva. Stimmung kam auf als Andreas Göpfert das Publikum im vollbesetzten Saal zum Mitsingen aufforderte.
Das Oratorium „Axion Esti“, auf deutsch „Gepriesen sei“, wurde 1982 in Dresden in deutscher Sprache uraufgeführt. Der poetischen Zyklus des Nobelpreisträger Odysseas Elytis gilt als die „Bibel Griechenlands“. Göpfert las den Text „Nur diese eine Schwalbe“ und die Zuhörer nahmen die Poesie eines großen Dichters beeindruckt auf. Dimitris Ktistakis brillierte auf dem Klavier, begleitete die Schulfreundin Myrsini Margariti, ebenfalls in Thessaliens Hauptstadt Larissa geboren und aufgewachsen, äußerst angepasst mit perlenden Tonsträngen, wunderbar leicht auslaufend. Man spürte die griechische Seele der beiden jungen Protagonisten in jedem Takt, in jedem gesungenen Wort. Faszination im Publikum, feierliche Stille.
Die kleinen Kykladen beendeten das Programm, die Lieder von Sonne, Meer und Liebe, der Schönheit des Alltäglichen und der Kraft des einfachen Lebens. Intensiv war der Zugang Margaritis zu diesen „Volksliedern“. Ihre Sopranstimme strahlte in den Höhen, bewegend ihre Klanggestaltung vom zarten in sich gekehrten Piano bis zur offenen Herzlichkeit im deutlichen Forte. Das Publikum war sich einig: eine große Sängerin, ein ausgezeichneter Pianist und ein profunder Kenner des Komponisten Mikis Theodorakis brachten ihnen die griechische Seele zum Greifen nah. Anschließend feierten Griechen und Deutsche noch bis in die Nacht.
16.01.06
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Rein und fein die H-Moll Messe von Bach
Ein homogenes Solistenquartett, ein durchscheinender Chorklang und ein beeindruckendes Kammerorchester in der Ludwigskirche
Von universaler, überkonfessioneller Frömmigkeit sind die Werke Johann Sebastian Bachs. Die Hohe Messe in h-moll ist sein einziges vollständiges Messordinarium, ein letztes Spätwerk tiefsten christlichen Glaubens, das vollständig erst 1835 in Berlin aufgeführt wurde. Die Messe besteht aus eigens hierzu komponierten Sätzen und umgearbeiteten Teilen von Kantaten. Die Entstehungszeit dauerte von 1725 bis 1733. Weshalb Bach die ursprüngliche Missa brevis zur vollständigen Messe ausbaute, ist unbekannt. Prof. Andreas Göpfert führte sie mit der evangelischen Chorgemeinschaft und den Solisten Regina Kabis, Sopran, Susanne Krumbiegel, Alt, Albrecht Sack, Tenor und Gotthold Schwarz, Bass, in der Ludwigskirche in Saarbrücken auf.
Mit weichem Tonansatz begann der Chor das “Kyrie eleison”. Göpfert schlüsselte die groß angelegte fünfstimmige Fuge in einem durchscheinenden Klangkörper auf, die Stimmgruppen verstreuten einen Tonregen nach dem anderen. Das “Christe eleison” der Sopranistin Regina Kabis und der Altistin Susanne Krumbiegel klang homogen mit schlankem Sopran und heller Altstimme. Ebenso das Gloria. Beschwingt eingeleitet das “Laudamus te” vom Neuen Saarländischen Kammerorchester, das Susanne Krumbiegel mit wohlklingend unprätentiöser und mit an Mezzosopran angrenzender Altstimme intonierte. Die Sologeige folgte ihr mit feinen Tonschleifen, gerade noch im Tempo. Solide Instrumentenführung in den Solis legten auch das künstlerische Fundament, auf dem sich die Gesangssolisten musikalisch ausbreiten konnten. Besonders hervorzuheben das Flötenspiel von Mechthild Diepers und Xiao Miu Han auf dem Horn, in Korrespondenz mit der ebenso soliden Stimmführung des Bassisten Gotthold Schwarz.
Im Glaubensbekenntnis legte Göpfert das unmittelbare Aufeinanderfolgen von Sterben und Auferstehung offen: samtweiches Pianissimo im “et homo factus est”, erschütternd hörbar der Kreuzgang im “Cruzifixus”, dahin schreitende Takte der Leidensweg, dunkelgefärbte Bassmotive. Man hätte am liebsten verharrt, um diese sensible Innerlichkeit noch für einen Moment festhalten zu können. Doch Bachs Komposition macht hier keine Pause. Die Auferstehung ein strahlender Hymnus, großartig die dargebotene Polyphonie des Chores, überzeugend das Tenorsolo von Albrecht Sack. “Et in spiritum sanctam” gelang ihm in warmer Tonfärbung, sich ganz der spirituellen Wahrheit hingebend. Der Schlussatz weckte die Stimmung des Kreuzwegs noch einmal kurz auf, die Stimmen verwoben sich zu einem Tongeflecht, bis sich die Freude über das ewige Leben Bahn brach und das gesamte Podium voller Leben vibrierte. Göpfert mit deutlichem, körperlichen Einsatz am Dirigentenpult.
Die Lobpreisung Gottes im “Sanctus” geriet dem Professor für Chorleitung an der Hochschule für Musik Saar meisterlich, eine ausgeprägte Klangstruktur mit lieblichsten Tonsalven, ein klanggesättigter Albrecht Sack und ein tänzerisches Osanna im Orchester. Im “Agnus Dei” glänzte noch einmal Susanne Krumbiegel mit innig getragenem Tonhauch und unglaublicher Tonintensität, die Zuhörer berührt, in andächtiger, stillschweigender Aufmerksamkeit verharrend. Was folgte waren minutenlange, stehende Beifallsstürme. Göpfert erwies sich als ein Dirigent feinster Klänge, subtil im Aufbau, dramaturgisch durchgearbeitet, mit glücklicher Hand bei der Solistenauswahl die sich allesamt zu einem homogenen Klangbild zusammenfügten.
14. Mai 2006
© Vera Hewener
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Vor Gottes Angesicht: die Schizophrenie des Krieges
„War Requiem“ von Benjamin Britten im Burbacher E-Werk- ein erschütternder Aufschrei der Seelen
Gerechtigkeit vor Gottes Angesicht war das Thema des 96. Katholikentages in Saarbrücken. Es ging um Ausgleich von Benachteiligungen, um die von der Welt geschlagenen Wunden, um das urchristliche Prinzip, den Überfluss mit denjenigen zu teilen, die nichts oder weniger haben. Bischof Reinhard Marx stellte in seiner Predigt am Hochfest Christi Himmelfahrt auf dem Ludwigsplatz die Massenarbeitslosigkeit in den Mittelpunkt, der Opfergang kam einem Arbeitslosenprojekt in Sulzbach zu Gute. Wie ein roter Faden zogen sich die ungelösten Probleme Deutschlands und der Welt durch das Programm des Kirchentags. Kirche sei kein politisches Programm, doch sie müsse sich im Sinne Jesu Christi einmischen. Die Stimmen der Christen in der Welt hörbar machen war auch die Botschaft Papst Benedikts XVI.. Er rief zu einer „Zivilisation der Liebe“ auf, die sich gegen die „Kultur des Todes“ behaupten müsse.
Dieser Botschaft entsprach auch das Konzert am Abend. Das „War Requiem“ von Benjamin Britten führte in aufschreckenden Tonfolgen die Apokalypse des Krieges vor Augen. Zu Grunde liegen die Texte des im ersten Weltkrieg gefallenen englischen Dichters Wilfred Owen. „Alles, was ein Dichter heute tun kann, ist warnen“, schrieb er. Seine Gedichte setzen die Sinnlosigkeit des Krieges in direktem Bezug zum Evangelium: Krieg als Ausdruck von Gottlosigkeit. Die musikalische Umsetzung von Benjamin Britten erfordert ein umfangreiches Ensemble: ein großes Orchester, ein Kammerorchester, Sopran-, Tenor- und Baritonsolisten, einen großen Chor und einen Knabenchor. Kein Wunder, dass dieses monumentale Werk nur selten zu hören ist. Um so erfreulicher war es, dass es den Organisatoren des Kirchentags gelungen war, dies zu ermöglichen. Unter der Gesamtleitung von Prof. Hans Michael Beuerle sangen Barbara Gilbert, Sopran, Göran Eliasson, Tenor, Markus Eiche Bariton, der Opern- und Konzertchor des Saarländischen Staatstheaters, Einstudierung Pablo Assante, der Chor der Hochschule für Musik Saar, Einstudierung Prof. Andreas Göpfert, der Freiburger Bachchor, Einstudierung Prof. Hans Michael Beuerle, der Knabenchor „Pueri Cantores“ Luxemburg, Leitung Pierre Nimax jr.. Es spielte das Saarländische Staatsorchester und das Kammerensemble, bestehend aus Mitgliedern des Saarländischen Staatsorchesters unter der Leitung des kommissarischen Generalmusikdirektors des Staatstheaters Constantin Trinks.
Beuerle ging das Requiem bewusst verhalten an. Im Kyrie stiegen die Chorstimmen kaum hörbar aus dem Nichts auf, der Knabenchor, auf der gegenüberliegenden Seite des E-Werks platziert, ein Stimmenschweben über dem Auditorium. Göran Eliasson mit vergeistigtem Gesang „What passing bells“. In der Anrufung des jüngsten Gerichts im Dies Irae anklagende Verzweiflung im Chor, raumgreifender Zorn im Blechbläserensemble, abgelöst von Markus Eiche mit substantieller, subtiler Ausarbeitung des Gedichtes „Bugles sang“. Der Einsatz des Erzengels in Gestalt von Barbara Gilberts Sopranstimme zu weich, das Überbinden der Einsätze unpassend für ein musikalisches Mahnmal gegen den Krieg, hingegen überzeugend in der Aussage das Duett von Tenor und Bariton. Die Selbstanklage des Chores im „Recordare Jesu pie“ klang sehr gedämpft. Hier hätte man sich gewünscht, Beuerle wäre von diesem ökonomischen Stimmeneinsatz abgewichen, denn die Mittelhöhen der Chorstimmen verströmten eine wohltuende Tonfärbung, eine besondere Stärke des Ensembles.
Höhepunkte die Lieder „Be slowly lifted up“ von Markus Eiche mit verschrecktem Bewusstwerden des Grauens und „Move him into the sun“ von Göran Eliasson mit greifbarer Trauer. Überhaupt war das Ausschöpfen der Poesie von Wilfred Owen in seinem Bedeutungsgehalt ein Schwerpunkt der Aufführung, hervorragend besetzt in der musikalischen Umsetzung, auch das Kammerorchester in diffiziler Tonarbeit versunken. Im letzten Teil des Totengebets steigerte sich das „Libera me“ vom verhaltenen Flehen zum erschütternden Aufschrei der Seelen, überwältigend. Hervorzuheben in diesen Passagen das große Orchester, besonders im Wiederaufflackern des „Dies irae“. Die zentrale Aussage Owens, dass die Versöhnung im ewigen Leben liegt, im Begegnen einstiger Feinde als Freunde, wurde eindringlich, unmittelbar anrührend, intoniert von Tenor und Bariton. Der Aufgang ins Paradies, eine zarte Tonmalerei im Knabenchor, ein ätherisches Hauchen im Chor, ein filigranes Verweben mit Tenor und Bariton und ein langer Nachklang im Schlusspunkt des Stückes „Amen“.
Insgesamt eine Aufführung auf sehr hohem musikalischen Niveau, die Schizophrenie des Krieges hörbar machend, das Nichtverstehenkönnen eines Opfergangs, das der Botschaft der Liebe entgegensteht und niemals vor Gottes Angesicht eine Berechtigung hatte und haben wird. Die Zuhörer hatten es verstanden und dankten mit sehr, sehr lang anhaltendem Applaus und Bravorufen.
© Vera Hewener 25.5.06
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Auf Du mit einer bezaubernden Stimme Überherrn feierte Anne Kathrin Fetik
Überherrn. Sie hatte ein Heimspiel: Anne Kathrin Fetik, aufgewachsen in einer Musikerfamilie in Überherrn, Auftritte seit frühester Kindheit und immer wieder heimkehrend. Mit einem ausgesuchten Programm bekannter Arien und Lieder aus Oper, Operette, Musical und Film versprach das Konzert im Kulturhaus Überherrn einen musikalischen Abend der Spitzenklasse.
„Hab ich nur deine Liebe“ war das Motto der Veranstaltung, die von Michael Fetik geistreich und unterhaltsam moderiert wurde. Bühnenerfahrung hat die gefragte Sopranistin gesammelt und man spürte gleich ihr schauspielerisches Talent, etwa wenn sie als Kammerzofe Adele ihren Brötchengeber Gabriel von Eisenstein als Marquis Renard auf die Schippe nahm und ihn vorführte: „Mein Herr Marquis. Ein Mann wie Sie. Sollt besser das verstehn.“ Oder wenn sie sich als Rosina in „Der Barbier von Sevilla“ trunken sang an den Koloraturen: „Una voce poco fà“. Zwischenapplaus. „Unheimlich“, meinte eine Zuhörerin, begeistert von der Elastizität und den Traumspitzen in den Höhen ihrer voluminösen Stimme. Michael Fetik spannte den Faden seiner Moderation über die Liebe zwischen Handlungsbeschreibungen der Stücke und Zitaten, zwischen Gedichtrezitation und aktuellem Geschehen. Mit „Es ist was es ist“, das wohl bekannteste Liebesgedicht von Erich Fried, läutete er die Titelarie aus Boccaccio ein. Innig verhalten, getragen von den Erfahrungen einer reifen Frau, ohne übertriebene Gefühligkeit, äußerst einfühlsam begleitet von Dimitris Ktistakis auf dem Flügel, interpretierte die gebürtige Überherrnerin Anne Kathrin Fetik „Hab ich nur deine Liebe“. Vor der Pause kramteMichael Fetik in der Tagespolitik, empfahl dem Bundesfinanzminister Steinbrück zur Lösung seiner Schuldenfrage, sich eine lustige Witwe zu angeln, nur dass in seinem Fall eine einzige Millionärin nicht ausreichen würde.
Melodien aus „My Fair Lady“, „Im weißen Rössl“ oder „Die Dubarry“ faszinierten das Publikum. Immer wieder Bravo-Rufe und langanhaltender Applaus. Er galt auch dem Pianisten Dimitris Ktistakis, der mit klarem Anschlag die Stücke gekonnt in ein musikalisches Fundament legte. Das Schlusslied „I feel pretty“ aus „West Side Story“ schließlich ließ das vollbesetzte Kulturhaus an diesem Samstag nicht eher ruhen, bis eine Zugabe folgte. „Was für eine Stimme“, strahlte eine Überherrnerin mit Stolz, denn sie ist mit der Künstlerin auf Du. Nächster Auftritt von Anne Kathrin Fetik im Saarland ist die Sopranpartie der C-Moll-Messe von Wolfgang Amadeus Mozart am 8. Oktober um 16.30 Uhr im Saardom Heilig Sakrament Dillingen, ein Konzert des Madrigalchores Dillingen.
© Vera Hewener 9.9.06
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