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Das Sonett
Die Ursprünge liegen weitgehend im Dunkel, doch hat es sich als eigenständige Form im italienischen Mittelalter herauskristallisiert. Seine Erste Blüte erfuhr das Sonett durch die Dichtungen Petrarcas und Dantes. So haben vor allem auch Petrarca-Übersetzungen zur Verbreitung des Sonetts in Europa beigetragen, wie auch Opitz mit seinem Lehrbuch von der deutschen Poetery. Der Begriff Sonett heißt übersetzt "Tönchen" oder "kleiner Klang". Die deutsche Bezeichnung "Klinggedicht" stammt von Andreas Gryphius. Ein gutes Sonett muss klingen, hat immer auch eine musikalische Note. Dies schlägt sich in der Form im Metrum und Reimschema nieder. Keine andere lyrische Form ist derart strikt festgelegt wie das Sonett, denn Versmaß, Reim, Strophenform und Länge des Gedichtes sind vorgegeben. Das vierzehnzeilige Gedicht besteht aus zwei über Reime miteinander verbundenen Quartetten und zwei anschließenden Terzetten in der Reimfolge abba - abba - oder abba - baab und cdd - cee oder cdc - ede im fünfhebigen Jambus, d.h. das Versmaß ist der Elfsilbler . Das klassische Versmaß der italienischen Sonette ist ebenfalls der Endecasillabo (Elfsilbler), im Französischen herrscht der Alexandriner vor. Shakespeare entwickelte eine eigene Form des Sonetts, das durch drei kreuzgereimte Quartette ohne Reimwiederholung und ein abschließendes Reimpaar gekennzeichnet ist. Das Sonett hat im Laufe der Zeit viele Abwandlungen erfahren. Versmaß und Versfuß können variieren. Was weiterhin kennzeichnend bleibt sind zwei Quartette und zwei Terzette mit umschlingendem Reim.
Mehr dazu: http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/lyrik/sonett.htm
Lesen Sie nun einige Sonette aus fünfhebigen Jamben, aus Alexandrinern oder vierhebigen Daktylen
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Schattenherz
© Vera Hewener
Ein letztes Blatt vergisst sich in den Ästen. Es bleibt zurück und bindet Lebensklänge. Im frühen Frost erhärtet das Gehänge. Und spröde weht und rüttelt an den Kästen
der Vögel blind, als sei’s zum Wintertesten, ein kalter Hauch. Er schüttet Nebelfänge auf’s kahle Land, verschließt die hellen Gänge, ein Schattenherz, es schlägt in weißen Festen.
Und von den Thronen eisbeglänzter Seelen fällt alles ab, was lastet und was rostet, was längst verbraucht und zehrt und Kräfte kostet.
Kein Augentrost, die Wärme wird mir fehlen. Ein liebes Wort, ein lang vertrautes Lächeln ersehn’ ich mir, dein Stern wird es mir fächeln.
In: Eine Neigung aus Blau. 2002 In: Lyrik Heute. Czernik Verlag. Hockenheim 2002.
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Zeit der Stille
© Vera Hewener
Schon kahl geweht erstarrt Gehölz der Zweige. Im Astwerk schwingt Novembers kühle Seele. Kein Blütenstaub und keine Vogelkehle im Nass verbleibt. Der Wärme letzte Steige
Gewölk zersprosst. Das Licht geht still zur Neige, es flüstert noch, dass bald das Helle fehle doch auch das Grau den Wandel nicht verhehle, der sich vollzieht, wenn es nun schweige.
So bricht der Tag mit seinem Aufbegehren, versinkt im Tun und lässt die Zeit entfließen. Die Hände ruh’n im Schoß der Nacht, verließen
des Eiferns Weg. Den Schatten sich erwehren Kamines Knistern, lädt ein uns zu genießen das Stundenwort, die Stille zu erschließen.
In: Lichtflut. Reisenotizen in Lyrik und Prosa. 2001.
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Denkwürdig Zum Anschlag auf die Wehrmachtsausstellung am 9.3.1999 in Saarbrücken
© Vera Hewener
Der Wehrmacht Tat gerät erst jetzt zur Bürde: die dort gekämpft im Auftrag ihres Führers vollbrachten manche Schreckenstaten eines Schürers, den Tod im Blick, erhängt die Menschenwürde. Und vor uns türmt der Totenberg als Hürde und schweigt uns aus, er mahnt vom Rädelsführer begang'nen Mord. Die Seele der Aufrührer noch weiterhin tobt. Wer glaubte, heute würde Erinn’rung läutern sieht sich genarrt aufs Neue. Im Land des Grundrechts fehlt es einigen an Reue. Die Spur führt uns zurück auf kahle Köpfe. Der laute Knall, er sprengte auch die Töpfe, die manche unbedacht mit üblen Worten füllten. Des Anschlags Wucht die Strategien enthüllten.
aus: Vermisstenanzeige. 2000.
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Abendweihe © Vera Hewener
Das Licht zerrinnt, vergilbt im Schweiß der Stunde, die taggewandt ihr letztes Müh'n beschließt. Als Abendrot im Horizont zerfließt verbrennt rubin das gelbe Blut der Wunde.
Und ihre Asche graut der Glut. Die Kunde des Niedergangs sich über's Land ergießt, die auch den späten Strebenden verdrießt. Sie dunkelt alle Hast und Eil' zu Grunde. Die Abendweihe schweigt. Das flammende Inferno versank im schwarzen Blau. Ich spür im Glas des Fensters Sturm, der jene Stille fraß,
die mir vertraut, sich nach dem Licht bemaß, das von den Nächten kommt, vom Sterbemaß. Es zwingt zur Ruhe den, der sich verfängt allwo.
In: Eine Neigung aus Blau. 2002 In: Vermisstenanzeige. 2000.
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Wendezeit
© Vera Hewener
Die Vögel flogen fort. Sie zogen manchen Kreis, an stummen Ästen sprosst heraus das kalte Nass. Der Wintergäste Töne klirren, schwirren blass hinunter in die leeren Gärten. Es glänzt nun weiß.
Die Stuben ofenwarm geschürt und auf dem Steiß, dem blanken, hockt sich's hart. Denn wer den Plüsch vergaß bemerkte gleich, dass Trauer in den Wänden saß. Hoch oben auf gefror'nen Dächern wächst Geschmeiß.
Bald hört man's rascheln, keimen in den neuen Iden, spürt wahre Lust, mit einem Mal davon zu fliegen. Nur wer stets langsam gräbt, bahnt Wege aus dem Eis.
Im Licht des späten Winters Keime sich versammeln. Sie blinzeln scheu hervor, wenn Heimkehrer leis stammeln: Die Schatten sind gewichen auf wendiges Geheiß.
In: Lichtflut In: LYIK HEUTE. Inge + Theo Czernik Verlag. Hockenheim 1996. In: Dichter und Schriftsteller Deutschlands 1996. Taurus-Verlag 1996.
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Melodie der Frühe
© Vera Hewener
Das Lunablau beginnt am Tag zu reifen. Ein Feuerschein am Horizont sich rundet und unterfängt das Wolkenband, erkundet des Himmels helles Gähnen, durchstreifen
ein Gelb und Purpur dieses Grau, ergreifen den Glanz, der letztes Dunkeln stundet eh’ sich’s verliert, das Morgenlicht gesundet, die Pfeiler weißen Firmaments versteifen.
Und in den ersten wundersamen Funken das Leben pocht und mich erstaunt berührt, die ich halb schläfrig, noch von Nacht betrunken
die Frische atme, Perlen des Entstehens. Die Melodie der Frühe mich entführt, mich ganz umklart die Sänfte des Vergehens.
In: Lichtflut
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Oktober
© Vera Hewener
Noch Grün durchmischt mit Rot und Gold Belaubtes. Das Asphaltgrau gewinnt an Herbstes Farben. Er streckt den Arm. Es ziehen Astes Narben den Grad in uns're Sell', der Schwerespur Erlaubtes.
Und bricht und flieht der Stimmen jäh Ertaubtes, verwaisen Nester und die Kronen darben. Wo Klänge hell und zärtlich sie umwarben zerstäubt das Licht, des Himmelszeig Geraubtes.
Der Regen fällt, er prasselt auf die Scherben. Was lange Zeit gereift wird müh'los sterben. Wo Rosen blühn, muss vor dem Duft verneigen
die letzte Stunde sich vor dem Entfärben. Ein grauer Tag wird ihren Tod beerben. Und was Substanz gehabt, das wird sich zeigen.
In: Lichtflut. Reisenotizen in Lyrik und Prosa. 2001. In: Lyrische Annalen. Hrsg. Dr. Herbert Gröger. Eppershausen 2000.
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Pfingsten
© Vera Hewener
Ich spür den Hauch in meine Seele fließen, den Du verströmst, mit dem Du jeden bannst, den Du erwählst, mit dem Du fesseln kannst. Dein Wort, Dein Geist sich über mir ergießen.
In dieser Welt die Zweifel mich entließen, da Du mir tief ins Innerste einpflanzt des Glaubens Kraft. In Deinem Himmel tanzt die Engelschar, den Weg sie mir beschließen.
Und ehrfurchtsvoll beschreite ich die Weisung, die Du gesandt und lege Zeugnis ab in dieser Zeit, wo einer Seele Lab
sich sehnt nach Dir, nach Gottes ew’ger Speisung. Das Kreuz, das Du für alle hast getragen, der Liebe Spur, wird in die Herzen ragen.
In: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. Mauer Verlag. Rottenburg 2003.
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Spurensuche
© Vera Hewener
Der Himmel brennt, er schneidet Feuerschluchten. Allee des Lebens, du ziehst so rasch vorüber, wirst unverhofft zum schnellen Herzbetrüber. Die kalte Kraft beginnt im Tag zu wuchten. Und in den letzten aufgehellten Buchten verklimmt der Docht als treuer Nasenstüber. Der weiße Rauch legt sich als Schutz darüber im Augenblick des Abschieds aller Fluchten. Was jetzt vergeht, ergibt sich bald in Spuren. Ich suche mich, ich suche dich zu finden. Ein später Zweig will uns’ren Baum umwinden. Den Totentanz vollführen schon Auguren. Wo meine Hand in deiner Hand uns bindet, verliert das Grau, der Sterbeton, er schwindet.
In: Vermisstenanzeige. 2000. In: Eine Neigung aus Blau. 2002
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Anbruch
© Vera Hewener
Den Morgen lockt das Licht vergang’ner Tage. Er tut sich auf und lässt die Zeit obsiegen. Ein Schleier bleibt auf der Erinn’rung liegen. Die Dämm’rung weilt, das nächtliche Gelage
im Trüben bläut, dass niemand es sich wage das Haupt zu heben, sich in Lust zu wiegen. Doch Schwärze und die Wehmut still versiegen. Impuls des Lichts beendete die Klage.
Die Wolkenfelder fragmentier’n den Himmel, der augenzwinkernd mit der Röte spielt bis Helligkeit die weite Sicht erzielt.
Der Wind vertreibt des Anbruchs grauen Schimmel. Wer frische Kraft geschöpft, die Zuversicht behielt, von alter Last befreit, das Tagwerk selbst befiehlt.
In: Lichtflut
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Traumflucht
© Vera Hewener
Die Scheibe weiß von Dunstvlies überzogen, die Stille haucht herab mit leisem Flüstern und Erdenschwere faucht aus frühen Nüstern, sie bläht sich auf, das Feuchte eingesogen.
Ein Silberstreif, ins Blaue eingezogen, die Enden spreizt bis Farben sich verschwistern. Wo Sonnensporne spähen, hellgelb knistern, ein Lichtblick scheut, der Weltenzeit gewogen.
Ihr Wärmemantel kleidet nackte Träumer, die nachtverloren drehen ihre Leiber. Noch unbekümmert hören Tagversäumer
die Stundenrufe, Laute aller Treiber. Wer aufsteht, entsagt dem Traumgelüste ist pflichtbesessen, meint, dass er es müsste.
In: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. Mauer Verlag. Rottenburg 2003.
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Winter
© Vera Hewener
In den beißenden Frost hinaus. Ein Atemnebel züngelt. Kältestoß. Jemandes Pulsschlag friert im Schoß erhärteter Landschaft. Das Garaus
der Farben spiegelt Wangenrot, jenes zittert in den Einsamkeiten. Sprosst aus schneeweißen Wendezeiten Kristallglanz. Eiszapfen senden das Lot
zur frühen Nacht, die Licht verdrängt. In den dunklen Gefächern klirrt sphärisches Glockenspiel, das flirrt
zwischen vereisten Neonröhren. Anfängt erbarmungslos das Jahraus bei dem Versuch, Strenge zu mildern. Brandgeruch.
In: Farben der Natur. Anthologie. Kasskara Verlag 1995.
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Weihnachten
© Vera Hewener
Nun fällt der Tag auf das Gestirn der Hänge, das aufgeborstet Lichtfäden verspinnt, trägt es den Schneeweißer hinfort, verrinnt das Grau im Tanze leiser, spitzer Klänge.
Das Windeis singt, verklärt das starre Tal, mit Silberglanz besprengt, der bald zerrinnt. Die Kälte leuchtet in den Höhen, gewinnt ein Strahlen, hell wie funkelnder Kristall.
Ein Stern entsteht, er weist den Weg den Weisen, die unbeirrt den Ort der Schöpfung suchen. Die heilige Verkündigung bald suchen
die Wand'rer, wenn müde sie der Spur entgleisen. Erschöpft verlassen sie die Pfade der täglichen Gesellschaftsmaskerade.
aus: Lichtflut. 2001. In: Winterserenade. Antologie. Mohland Verlag 1998.
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November
© Vera Hewener
Das Rotbraun der Eichen entkommt den Fichten, geronnen die Schatten, entweichen. Im Dunkel verfängt sich Geschichte. Das laue Gemunkel der Wolkenfusionen die Stunden richten
und karge Gewächse nun üben Verzichten. Von Nebel gezeichnet, gebannt das Gefunkel, im Schalen der Stämme verblassen Furunkel, Regionen vermodern, der Tod heißt Verdichten.
Die Blättergruft wächst. Ohne Mitleid waltet im Laub der Vergängnis die Zeit, spaltet den Rest der Landschaft. Es reißen die Tage
Kalender in Stücke. Jetzt quälen sich Woche für Woche Verlorene. Laut im Gekroche Verbliebener aufheult des Windes Gelage.
aus: Lichtflut 2001. In: Winterserenade. Anthologie. Mohland Verlag 1998.
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