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Der Alexandriner
Der Alexandriner lässt sich erstmalig in der französischen Epik des frühen 12. Jahrhunderts nachweisen. Seit dem 16. Jahrhundert wird der Alexandriner zum bevorzugten Vers der französischen Tradögien (Corneille / Racine), ein Jahrhundert später erklärt ihn Martin Opitz in geringfügig abgewandelter Form zum Hauptversmaß deutscher Dichtung. Und tatsächlich handelt es sich beim Alexandriner um den wichtigsten Vers der barocken Verssprache – nicht nur in der Lyrik, sondern auch in Epik und Dramatik.
Der Alexandriner ist ein zwölf- oder dreizehnsilbriger Reimvers aus 6 Jamben mit Zäsur nach der 3. Hebung. Er beginnt auftaktig, also mit einer unbetonten Silbe, dann wechseln sechs Hebungen mit je einer Senkung. Nicht selten folgt auf die letzte Hebung eine unbetonte, 13.Silbe. Mehr dazu: http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/lyrik.htm
Lesen Sie nun einige Alexandriner
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Finale Orientierung © Vera Hewener
Ins späte Mittagsblau der Sand sich heiß verstreut. Aus Höhen Möwenschrei den Sturz hinab gebahnt. Geheul der Brandung schwillt und Sterben nicht bereut. Ein Fischzug spiegelt Meer, als Beute schon erahnt. Die träumen, sonnen sich, von Schwere weit entrückt; sie hoffen, dass die Nacht sie nicht vergällt, vergreist. Des Alltags Gleichschrittzwang den Weg verflacht und bückt. Die Lust nicht aufbegehrt, von Sehnsucht stumm, verwaist. Der Meerwind bläst, sich hebt, das Ufer er beweint. Das Licht erotisch fällt und manche Stimme weckt. Im Schwarz des Horizonts sich’s himmelwärts vereint: ein Puls die Wunde brennt, vom Bluten aufgeschreckt. Finales schmerzt, vernarbt, ertrinkt in dunkler Welt. Kein Zauber bricht den Stab des Schicksals. In der Zeit die Seele lahmt, erstirbt. Vergessen sich gesellt ins Totgesagte, wähnt von Zukunft sich befreit. In: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. 2003.
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Aufgesang © Vera Hewener
Der Tag gebiert sich selbst, ins Blaue hellt die Nacht. Die Mauern sprechen schon, die Uhren ticken sacht. Aus Träumen aufgeschreckt die Schläferin sich hebt. Das Wasser wäscht sie wach, die Kaffeebohne bebt. Die Saarbahn rauscht heran ins Biedere der Zeit und Menschen stehen stramm und warten weit und breit.
Vor gar nicht allzu langer Zeit so oder ähnlich klang ein herrliches Gedicht, ein lieblicher Gesang. Wer dieses heute spricht, hat seine liebe Not. Man sagt, die Poesie, die sei doch lang schon tot. Des Gegenteils Beweis die Zeilen treten an: was hundert Jahr zuvor auch heut ein Dichter kann! So sprecht mir nach das Wort vom bittersüßen Satz: Der Versfuß und der Reim, sie haben wieder Platz.
In: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. 2003.
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Sommerdrachen
© Vera Hewener
Im Sand der Meeresbucht der Kampf den Sinn verlor, der dich verzehrt, ergreift, so lange du ihn führst. Wo milder Abendwind das Menschliche beschwor, entkleidet sich der Schmerz, das Sehnen du erspürst.
Ein Sonnentropfen schweißt mit Hitze und mit Glanz das Wundmal zu. Es heilt die leere Existenz. Die Schatten werden leicht und groß die Toleranz. Es atmet Körperduft in voller Provenienz
für Tage. Doch schon bald die Säfte ausgeleert, die Wesenshülle schläft, die Blicke abgekehrt. Der Abschied naht heran, die Lust wird stumm und schweigt und Wehmut wiegt das Land. Ein Sommerdrachen steigt.
In: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. 2003.
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