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Vera Hewener Die Website für Literatur, Kultur und Gesellschaft
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Saarbrücker Zeitung, Ausgabe Völklingen vom 17.11.03
“Zart und duftig sind viele dieser Gedichte, voller Freude über den Einklang mit der Natur; hymnisch-gewaltige Gesänge lassen an Hölderlin und Rilke denken....Spontane Erlebnisse sind sprachlich ebenso gut umgesetzt wie Gebete oder sakrale Lyrik, und auch in ihren sozialkritischen Gedichten kommt die gelernte Sozialarbeiterin schnell auf den Punkt. Mit Ironie greift sie dem "Unglücksraben mit Laptop in der Warteschleife" ans "Aktienkurs-Schlafittchen", und in diesen Leviten hagelt es sogar so viele Wortgags, dass man gerne bei manchen verweilen möchte, ohne den Fortgang des Gedichtes zu verpassen. Sie ist eine politische Autorin, diese Vera Hewener, und einige ihrer Auszeichnungen erhielt sie wegen ihrer Texte zur Judenverfolgung und zur Aussöhnung zwischen Christentum und Islam.
Wochenspiegel Völklingen vom 7.7.04 Rezension Himmel und Feuerfunken: Wo die Gedanken Flügel haben!
Vera Hewener aus Püttlingen-Köllerbach legte ihren dritten Gedichtband vor „Die Krise der Lyrik hängt auch damit zusammen, dass man sie nicht verfilmen kann!“ sagte einmal Peter Rühmkorf. Natürlich kann man Empfindungen, Wortneuschöpfungen und Assoziationen von Sprache nicht so einfach in ein anderes Medium übertragen. Lyrik ist dazu geschaffen, zu träumen, abzuheben und zu fliegen – wenigstens für ein paar Minuten. Fern vom Alltag auf den Wolken der Gedanken wird man fortgetragen in Sphären, die weit weg und doch so nah bei der Realität sind. Bei dem neuen Gedichtband von Vera Hewener ist keine Spur von Krise der Lyrik festzustellen. Die Autorin fügt Verse mit Leichtigkeit, die den Leser beflügeln und in die Gedankenwelt entführen. Eben dies ist es, was an Vera Heweners Gedichten und Gedanken überrascht: 120 Seiten des neuen Gedichtbandes zeigen eine Lyrik von hoher emotionaler Dichte und verweisen auf ein sehr sensibles Sprachempfinden. Wenn man diese Gedicht liest, stößt man zudem auf eine Fundgrube von unverbrauchten, unverfälschten Metaphern. Seit nunmehr zwanzig Jahren schreibt die Schriftstellerin aus Püttlingen Gedichte. Sie bildete sich autodidaktisch fort und erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter 1995 einen Preis beim Internationalen Literaturwettbewerb in Benevento (Italien). Ihr erstes Buch „Vermisstenanzeige“ wurde vom Centro Europeo di Cultura in Rom mit dem Literaturpreis „Superpremio Cultura Lombarda“ ausgezeichnet. Für einen Text aus diesem Buch über die Aussöhnung von Christentum und Islam erhielt außerdem den zweiten Preis beim anerkannten Literaturwettbewerb Lev Tolstoj im Dezember 2001. Auch ihr neues Buch enthält eine Vielzahl religiöser Themen und Bezüge. Aus jahreszeitlichen und naturmagischen Betrachtungen formt Vera Hewener außerdem ihre Dichtung. Natürlich wäre ein Lyrikband ohne eine Spiegelung menschlicher Gefühlswelt schlichtweg undenkbar. Die Dichterin scheut sich keineswegs, Themen wie Geburt und Tod, Liebe und Trauer in einer sehr persönlichen und anrührenden Form darzustellen. In einer Zeit, wo man nicht so gerne seine Emotionen nach außen kehren möchte, könnte man – leicht abgewandelt aus ihrem Text „Sehnsuchtsfänger“ – zitieren: „In diesen Zeilen fing sich, was lange ohne Heimat war!“ Georg Fox.
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Aus dem Inhalt Statt eines Vorwortes Dichters Leid
Sehnsucht wiegt das Land Aphorismus I Dichters Land Fruchtbares Feld Mondhymne Rhapsodie in Blue Letzter Versuch Gleiche Enden Meeresalabaster Morgenröschen Die Luft blüht lavendelblau Morgenflüstern Jagdflug Regentage Avalon Elysium Das Unerwartete Sommerdrachen Morgendiagnose Sommerabschied Traumflucht Finale Orientierung Sonnenuntergang in Völklingen Lichtwechsel Deutsch-Französischer Garten Ehrenfriedhof Akrostichon fr Gerhard Stebner
Umschreibung der Nacht Aphorismus II Neutrale Zone Umschreibung der Nacht Die sich selbst erfllende Zeit Elisabeth und der Tod Ophelias Brief an den Geliebten Das eiserne Herz Ophelias Abschied Herzchip Lichtungen Nächte des Lichts Die nackte Geburt Atlantis Traumverlust Alltägliche Metamorphose Aufgesang
Wie immer man auch Heimat schreibt Aphorismus III Sprechblasenbildung Gauklerelite Volksweisen Relikte der Vergangenheit Feiertag Arbeitslos Bestandsaufnahme Steuermann, lass die Wacht! Visionen Würfelspiel
Der Weg, die Wahrheit, das Leben Aphorismus IV Der Weg Der Stern von Bethlehem Getsemani Pfingsten Die Wahrheit Der Herr der Liebe Das Geheimnis Du Das Leben Ach Jehova
Ich entkomme nicht deinem Scheiterhaufen Liebe Aphorismus V Liebeskuss Frühlingsliebe Liebeslosung Sehnsuchtsfänger Wort für Kuss Die Nähe Jemand wie du Flüsterstunde Du Zeitschnitte Entkommen Sehnsuchtswind Liebesschwur Himmelspforte Sankt Michael Lebensbeschwörung
Bibliographie und Literaturpreise
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Dichters Land
© Vera Hewener
Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken, mein Schreibenest, halt fern mir alle Qual, die suchen lässt und wähnt ein wortlos‘ Tal! In dir bin ich in bald ganz und gar versunken.
Von überall mir Bilder her gewunken, da Stille spricht das Wort im Zaubersaal. Die Fülle glüht und harrt ob meiner Wahl, so werde ich zum Wortdieb und Halunken.
Ich kreise ein, entferne Satztiraden, gestatte mir, ein wenig zu soufflieren, um Übermaß und Wildwuchs zu parieren.
Es tanzen bald die Silben Reimparaden und werfen ihre Paare durcheinander, verschlingen sich im neuen Miteinander.
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Mondhymne
Vera Hewener
Im Glanz deiner Stunden stirbt Seelendunkels Kind Du stiftest Visionen neu das traurige Auge wird blind
Mond, Sonnenspiegel der Finsternis
In deiner Schutzzone Küsse verlieren sich leicht Von Venusgeflüster umkost verbotene Schranke weicht
Mond, Himmelskrone
Beleuchter der Sternenkarte weist den Verirrten den Weg Die Schutz suchen im hellen Schein kauern am hölzernen Steg
Mond, Rettungswarte
Unter deinem Baldachin schlafen alle Erdkreaturen In deinem Schoß wiegst du sanft keimende Lebensspuren
Mond, Lebensträger Vollstrecker der Zeit galaktischer Wächter
Mond, Liebespatron weißer Schwan der Nacht Lichtbanner
Mond, kosmischer Staub Hüter des Sternentors Mitternachtsgott
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Elisabeth und der Tod
Vera Hewener
Jenseits des Lichts flackern Kerzen, dunkler Versuchung geweiht, Kreaturen sich lösen, Tod, du Verführer der Nacht, lächelst mit süßem Verzücken, lockst mit blutvollem Kuss, Augen, die wissen, bestechen, Wilderer, gnadenlos schön.
Gnadenlos drängender Teufelskreis, Leidenschaft, Spiel mit der Zeit. Immer wieder suchst Nähe du, der nicht ablässt von mir. Rufst aus dem Schattenland Namen, tauchst in Gesellschaften auf, unerkannt bleibt, was du tust mir, unerkannt bleibt, was ich spür.
Herzschrei, reißende Strömung, glühende Glut lodert auf, schickst den Vollstrecker der Sehnsucht, sticht in mein Herz, du gewinnst. Schlingst mich ein, greifst meinen Körper, nimmst dir mein Wesen, das dein.
Tod, du Verführer der Nacht, nun bin ich ganz und gar dein, niemand wird trennen uns, jeder wird nennen uns Liebespaar einer anderen Zeit
Tod, du Verführer der Nacht, Herrscher mit Totenschrein, küsst mich mit Finsternis, scheust keine Bitternis, niemand ist vor dir gefeit.
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Fruchtbares Feld
Gräser einer vergangenen Zeit spriessen wie seltene Orchideen aus dem Sand des Erlebten
Hast du dies fruchtbare Feld je erblickt das du ersehntest
Und Jahr um Jahr sich das Blühen über dem Beet verstreut das du gedüngt mit den Antworten die dich das Wachsen lehrte
Wo die Fragen verstummen wird kein Same mehr sein
© Vera Hewener
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