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Vera Hewener Die Website für Literatur, Kultur und Gesellschaft
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Finale Orientierung
Ins späte Mittagsblau der Sand sich heiß verstreut. Aus Höhen Möwenschrei den Sturz hinab gebahnt. Geheul der Brandung schwillt und Sterben nicht bereut. Ein Fischzug spiegelt Meer, als Beute schon erahnt.
Die träumen, sonnen sich, von Schwere weit entrückt; sie hoffen, dass die Nacht sie nicht vergällt, vergreist. Des Alltags Gleichschrittzwang den Weg verflacht und bückt. Die Lust nicht aufbegehrt, von Sehnsucht stumm, verwaist.
Der Meerwind bläst, sich hebt, das Ufer er beweint. Das Licht erotisch fällt und manche Stimme weckt. Im Schwarz des Horizonts sich’s himmelwärts vereint: ein Puls die Wunde brennt, vom Bluten aufgeschreckt.
Finales schmerzt, vernarbt, ertrinkt in dunkler Welt. Kein Zauber bricht den Stab des Schicksals. In der Zeit die Seele lahmt, erstirbt. Vergessen sich gesellt ins Totgesagte, wähnt von Zukunft sich befreit.
Vera Hewener aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. Mauer Verlag 2003.
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Sommerdrachen
Im Sand der Meeresbucht der Kampf den Sinn verlor, der dich verzehrt, ergreift, so lange du ihn führst. Wo milder Abendwind das Menschliche beschwor, entkleidet sich der Schmerz, das Sehnen du erspürst.
Ein Sonnentropfen schweißt mit Hitze und mit Glanz das Wundmal zu. Es heilt die leere Existenz. Die Schatten werden leicht und groß die Toleranz. Es atmet Körperduft in voller Provenienz
für Tage. Doch schon bald die Säfte ausgeleert, die Wesenshülle schläft, die Blicke abgekehrt. Der Abschied naht heran, die Lust wird stumm und schweigt und Wehmut wiegt das Land. Ein Sommerdrachen steigt.
Vera Hewener aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. Mauer Verlag 2003.
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Aufgesang
Der Tag gebiert sich selbst, ins Blaue hellt die Nacht. Die Mauern sprechen schon, die Uhren ticken sacht. Aus Träumen aufgeschreckt die Schläferin sich hebt. Das Wasser wäscht sie wach, die Kaffeebohne bebt. Die Saarbahn rauscht heran ins Biedere der Zeit und Menschen stehen stramm und warten weit und breit.
Vor gar nicht allzu langer Zeit so oder ähnlich klang ein herrliches Gedicht, ein lieblicher Gesang. Wer dieses heute spricht, hat seine liebe Not. Man sagt, die Poesie, die sei doch lang schon tot. Des Gegenteils Beweis die Zeilen treten an: was hundert Jahr zuvor auch heut ein Dichter kann!
So sprecht mir nach das Wort vom bittersüßen Satz: Der Versfuß und der Reim, sie haben wieder Platz.
Vera Hewener aus: Bist Himmel mir und tausend Feuerfunken. Mauer Verlag 2003.
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Fruchtbares Feld
Gräser einer vergangenen Zeit spriessen wie seltene Orchideen aus dem Sand des Erlebten
Hast du dies fruchtbare Feld je erblickt das du ersehntest
Und Jahr um Jahr sich das Blühen über dem Beet verstreut das du gedüngt mit den Antworten die dich das Wachsen lehrte
Wo die Fragen verstummen wird kein Same mehr sein
© Vera Hewener
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